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15.09.2016

14:57 Uhr

Innogy-Werbung

Grüne Tochter provoziert RWE

VonJürgen Flauger

Innogy, die neue „grüne“ Tochtergesellschaft von RWE, will sich mit einer aufwändigen Werbekampagne vom Mutterkonzern emanzipieren. Ein spezieller Slogan ist aber fast schon zynisch – und bringt Klimaschützer in Rage.

Die neue Marke soll den Aufbruch in die schöne neue Energiewelt symbolisieren und mit der schmutzigen Vergangenheit brechen. Christian Rickens

Innogy-Werbung am Düsseldorfer Flughafen

Die neue Marke soll den Aufbruch in die schöne neue Energiewelt symbolisieren und mit der schmutzigen Vergangenheit brechen.

DüsseldorfDer Slogan ist pointiert, die Platzierung aber suboptimal. Wer im Düsseldorfer Flughafen im Terminal A die Sicherheitsschleuse passiert, wird von einem ebenso großflächigen wie knalligen Plakat begrüßt: „Rheinland wird Reinland“, steht da mit weißer Schrift auf rotem Grund – und „Energie wird Innogy“. Die neue Gesellschaft, in die der Energiekonzern RWE sein Geschäft mit der Energiewende gebündelt hat, stellt klar: Die Energiewelt wird grün – und Innogy mischt mit.

Mutiger wäre das Plakat vor drei Wochen in Lützerath platziert gewesen, rund 50 Kilometer südwestlich vom Düsseldorfer Flughafen. In der kleinen Gemeinde in der Nähe von Erkelenz trafen sich Umweltaktivisten aus dem ganzen Bundesgebiet zum „Klimacamp im Rheinland“. Jahr für Jahr demonstrieren sie an der Grenze des gewaltigen Tagebaus Garzweiler für einen Stopp der Braunkohle-Förderung. Zu gerne würden die engagierten Klimaschützer das Rheinland zum „Reinland“ machen. Für sie ist die Braunkohle der Klimakiller Nummer eins.

Die Börsengänge der Töchter von Eon und RWE

Energiewende sorgt für Veränderungen

Die von der Energiewende gebeutelten Energieriesen Eon und RWE treiben ihre Konzernumbauten voran. Eon hat die Kraftwerkstochter Uniper im September an die Börse gebracht, RWE brachte das Ökostromgeschäft Innogy im Oktober an den Aktienmarkt.

Die Unternehmen

Die Eon-Tochter Uniper hat ihren Sitz in Düsseldorf, beschäftigt knapp 14.000 Mitarbeiter und erzielte nach Konzernangaben 2015 auf Pro-Forma-Basis ein Ebit von 0,8 Milliarden Euro und einen Nettoverlust von rund vier Milliarden Euro. Chef ist der ehemalige Eon-Finanzvorstand Klaus Schäfer.

Die RWE-Tochter Innogy hat ihren Sitz in Essen, beschäftigt knapp 40.000 Mitarbeiter und erzielte rein rechnerisch nach RWE-Angaben 2015 einen operativen Gewinn (Ebitda) von 4,5 Milliarden Euro und einen Nettoergebnis von 1,6 Milliarden Euro. Geführt wird das Unternehmen von RWE-Chef Peter Terium, der nach dem Börsengang den Chefposten des Mutterkonzerns abgegeben hat.

Das Geschäft

Uniper betreibt Kohle- und Gaskraftwerke in Europa und Russland mit rund 40 Gigawattt. Hinzu kommen Wasser- und Atomkraftwerke in Schweden sowie der Energiehandel.

RWE Innogy bündelt das Geschäft mit Ökostrom, Strom- und Gasnetzen sowie den Vertrieb von Strom und Gas.

Die Börsengänge

Eon hat im Zuge eines Spin-Offs 53 Prozent der Uniper-Anteile an die Börse gebracht und sie den eigenen Aktionären ins Depot gelegt. Einnahmen erzielt der Konzern dabei zunächst nicht. Eon will allerdings mittelfristig die restlichen Aktien versilbern, allerdings nicht vor 2018.

RWE und die neue Tochter Innogy brachten zunächst 23 Prozent der Anteile an die Börse. Später könnten weitere Anteile verkauft werden, RWE will aber die Mehrheit behalten.

Ausblick

Uniper steht von Beginn unter Druck. Der Konzern will bis 2018 Beteiligungen im Wert von mindestens zwei Milliarden Euro verkaufen und die Personalkosten senken.

Innogy erwartet stabile Geschäfte, da der größte Teil der Einnahmen, etwa für den Betrieb der Strom- und Gasnetze staatlich reguliert ist.

Vermutlich hätten die Klimaschützer den Slogan  aber wohl eher als Hohn empfunden. Innogy wird auch nach dem in wenigen Wochen geplanten Börsengang schließlich noch mehrheitlich RWE gehören. Der Energieversorger betreibt den Braunkohletagebau in Garzweiler, ist Europas größter Emittent des klimaschädlichen Kohlendioxid und wehrt sich seit Jahren verzweifelt gegen ein rasches Ende der Braunkohleförderung.

„Das Rheinland kann nur zum Reinland werden ohne die dreckige Braunkohle“, lästert Karsten Smid, Energieexperte von Greenpeace, „Innogy gibt sich jung, modern, flippig und will alte Zöpfe abschneiden. Das geht aber im Rheinland nur mit der Beendigung der dreckigen Braunkohleverstromung, alles andere ist Greenwashing.“ Es sei „schizophren“, wenn die RWE-Tochter Innogy für saubere Erneuerbare Energien werbe, während die Mutter RWE noch eisern an dem Betrieb von dreckigen Braunkohlekraftwerken festhält.

Innogy-Börsengang: RWE hofft auf zwei Milliarden Euro

Innogy-Börsengang

RWE hofft auf zwei Milliarden Euro

Der Energiekonzern RWE hat Details zum nächsten großen Energie-Börsengang in Deutschland veröffentlicht. Nach Eon spaltet auch der Rivale eine Sparte ab – und das soll nicht alles sein.

Dabei soll die neue Marke doch den Aufbruch in die schöne neue Energiewelt symbolisieren und mit der schmutzigen Vergangenheit brechen. „Innogy ist bunt, flexibel, voll geballter Energie und kreativer Ideen“, wirbt Peter Terium, derzeit noch Chef beider Unternehmen, der sich nach dem Börsengang auf die Führung von Innogy konzentrieren soll. Vor kurzem startete das neue Unternehmen seine Werbekampagne – mit Fernsehspots, Anzeigen und eben großen Plakataktionen. „Wiese wird Wiesn“, heißt es München, „Berliner Luft wird saubere Luft“ in der Hauptstadt und „Mainhattan wird Reinhattan“ in Frankfurt.

Nur im Rheinland ist die Aktion offenbar etwas zu weit gegangen. „Die Werbekampagne geht nach hinten los“, meint jedenfalls Greenpeace-Experte Smid. „Niemand lässt sich die neue, saubere Ökowelt von Innogy vorgaukeln, wenn er im Hintergrund die dreckigen  Abgasfahnen der RWE-Braunkohlekraftwerke sieht.“ Und was mag wohl der designierte RWE-Chef Rolf-Martin-Schmitz sagen, wenn er in diesen Tagen von Düsseldorf aus zu Verhandlungen über Atom und Kohle nach Berlin fliegt?

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