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06.03.2013

14:14 Uhr

Innovationen

Siemens verliert Spitzenplatz bei Patenten

Der koreanische Konzern Samsung hat Siemens bei der Zahl der Patent-Anmeldungen in Europa überholt. Der Wechsel an der Spitze spiegelt die Aufholjagd asiatischer Tüftler wider.

Ein Siemens-Gebäude in München. dapd

Ein Siemens-Gebäude in München.

BrüsselSiemens verliert den Europameister-Titel im Erfinden. Der koreanische Technologiekonzern Samsung meldete im vergangenen Jahr 2300 Patente beim Europäischen Patentamt an, mehr als jedes anderes Unternehmen. Dies berichtete der Präsident des Amtes, Benoît Battistelli, am Mittwoch in Brüssel. Der Münchner Elektronikkonzern Siemens rutschte dagegen mit knapp 2200 Anträgen auf den zweiten Platz der Erfinder-Rangliste. Auf Rang drei folgt der deutsche Chemiekonzern BASF. Der Wechsel an der Spitze spiegelt die Aufholjagd asiatischer Tüftler wider. Schon ein Drittel der in Europa beantragten Patente kommt aus Japan, China oder Südkorea.

Die Stärken und Schwächen von Siemens

Solide Kapitalstruktur

Die Finanzschulden sind zum Ende des Geschäftsjahres 2011/12 im Vorjahresvergleich zwar gestiegen, die Bilanzrelationen bleiben aber solide. So lag die Nettoverschuldung zum 30. September 2012 bei 9,3 Milliarden Euro, 4,3 Milliarden über dem Vorjahr. Im Verhältnis zum Eigenkapital macht diese nun etwa 30 Prozent aus.

Umweltportfolio wächst

Siemens sieht sich als Weltmarktführer bei Umwelttechnologien. Der Ausbau des grünen Portfolios ist seither eine Kernstrategie von Konzernchef Peter Löscher. Bislang mit Erfolg: Seit dem Geschäftsjahr 2007 ist der Umsatz des Umweltportfolios im Schnitt um 14 Prozent pro Jahr auf zuletzt gut 33,2 Milliarden Euro gestiegen. Das sind 42 Prozent des Konzernumsatzes. Bis 2014 sollen es über 40 Milliarden Euro werden.

Stabile Dividenden

Die Dividenden-Rendite war bei Siemens über lange Jahre bescheiden. Erst Löscher hob die Ausschüttungsquote deutlich an. So können sich die Aktionäre auch in diesem Jahr freuen: Obwohl der Gewinn 2011/12 sank und der Konzern sparen muss, will Siemens eine stabile Dividende von drei Euro je Aktie bezahlen. Das entspricht einer Ausschüttungssumme von rund 2,5 Milliarden Euro. Bezogen auf den Gewinn nach Steuern liegt die Ausschüttungsquote bei 56 Prozent.

Margen bröckeln

Für 2010/11 hatte Siemens ein operatives Rekordergebnis von mehr als neun Milliarden Euro vorgelegt. In Relation zum Umsatz entsprach das einer Rendite von 12,8 Prozent. Halten konnten die Münchener das Niveau nicht. Im abgelaufenen Geschäftsjahr schrumpfte die Marge wieder auf 9,5 Prozent.

Rückläufiger Auftragseingang

Wichtige Konkurrenten wie General Electric wuchsen zuletzt oft schneller, auch weil sie akquisitionsfreudiger waren. Organisch sind kurzfristig bei Siemens keine Wachstumssprünge zu erwarten: Der Auftragseingang, Indikator für die Umsätze von morgen, sank im vergangenen Geschäftsjahr um 13 Prozent auf knapp 77 Milliarden Euro.

Sonderlasten drücken den Gewinn

Probleme mit Großprojekten gelten als typische Siemens-Krankheit. Auch unter Vorstandschef Peter Löscher hat sich daran nicht viel geändert. Ärgerlichstes Beispiel 2011/12: Die Probleme bei der Anbindung der Offshore-Windparks an das Stromnetz. Die Verzögerungen belasten den Konzern bislang mit 570 Millionen Euro. Die Verzögerungen im finnischen Atomkraftwerk Olkiluoto kosten ebenfalls seit Jahren viel Geld. Und die verspätete Auslieferung der neuen ICE-Generation könnte für Siemens laut Branchenschätzungen etwa 100 Millionen Euro teuer werden.

Asien trug auch das größte Plus zu einem neuen Rekord der Patentanmeldungen in Europa bei. Das Europäische Patentamt verbuchte 2012 rund 258 000 Anträge, ein Plus von 5,2 Prozent. Auch die Zahl der genehmigten Patente stieg um 5,8 Prozent auf einen neuen Höchststand von knapp 66 000. Diese Bilanz hatte das Patentamt bereits im Januar verkündet. Battistelli zeigte sich am Mittwoch erfreut, dass auch europäische Unternehmen mehr Patente vorlegten und ihre bisherige Bestmarke aus dem Jahr 2008 übertrafen. „Im Hinblick auf Patentanmeldungen ist die Krise vorbei“, sagte Battistelli.

Das von der EU unabhängige Europäische Patentamt bewertet Anträge für 38 europäische Mitgliedstaaten. Allerdings müssen die Erfinder ihre Ideen in jedem Land extra bestätigen lassen. Wenn sie eine Erfindung nur in einem Land schützen wollen, können sie sich den Umweg über das europäische Amt sparen. Zumindest für 25 EU-Staaten soll dieses Verfahren 2014 abgekürzt werden. Sie haben sich auf die Einführung eines einheitlichen EU-Patents geeinigt, das vom Europäischen Patentamt vergeben wird.

Von

dpa

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