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23.03.2006

15:04 Uhr

Inside: Akzo Nobel

Günstiger Zeitpunkt

VonSiegfried Grass

Pharmaunternehmen sind begehrt. Das Werben der Darmstädter Merck-Gruppe um den Rivalen Schering zeigt es. Akzo Nobel aber hat sich für den umgekehrten Weg entschieden: Der Niederländische Chemiekonzern will sich von seinem Pharmageschäft - immerhin einem Viertel seines Konzernumsatzes - trennen und es noch in diesem Jahr an der Börse platzieren.

DÜSSELDORF. Der Zeitpunkt scheint gut gewählt. Und der Vorgang bestätigt einen schon längerfristigen Trend: Chemie und Pharma passen immer weniger zusammen. Akzo Nobel, mit 13 Milliarden Euro Umsatz die Nummer drei in Europa nach BASF und Bayer, will mit den erwarteten rund fünf Milliarden Euro Erlös aus dem Pharma-Börsengang das verbleibende Geschäft ankurbeln. Diese "Konzentration auf die Stärken" ist für Vorstandschef Hans Wijers lediglich die Fortsetzung des umfangreichen Restrukturierungsprogramms der vergangenen Jahre. Auch im Chemiebereich hat Akzo bereits große Teile abgegeben. Gerade wird das Spezialsalzgeschäft verscherbelt, bis zu einer halben Milliarde Euro soll es erlösen.

Die Pharma-Abspaltung ermöglicht es, Expansionschancen im Coatings- und Chemikaliengeschäft wahrzunehmen. In den nächsten Jahren will Akzo Nobel vor allem mit Coatings - Farben und Lacken - kräftig wachsen. In diesem sehr zersplitterten Markt sind die Niederländer mit einem Anteil von gerade einmal acht Prozent Marktführer. So hatten sie bei keiner Coatings-Übernahme in letzter Zeit Einwände der Kartellbehörden zu fürchten. Größere Konkurrenten sind hier die BASF, die britische ICI sowie Dupont und Sherwin-Williams aus den USA.

Mit der neuen, klaren Ausrichtung auf Chemie und Lacke sieht sich Akzo Nobel mittelfristig gut aufgestellt. Nach der Pharma-Abspaltung werden Coatings deutlich mehr als die Hälfte zum Umsatz beisteuern. Da der Chemiebereich im Gesamtmarkt zwar eher eine kleinere Rolle spielt, aber mit Spezialitäten für die Papier- und Kunststoffindustrie gute Positionen hält, sieht die Akzo-Spitze auch hier gute Entwicklungsmöglichkeiten.

Andere Konzerne haben die Trennung von Chemie und Pharma schon viel früher betrieben. Akzo Nobel ist also ein Nachzügler. Das stimmt einige Analysten skeptisch. Andererseits räumen sie dem neuen Pharmaunternehmen "Organon Biosciences", das die Töchter Organon und Intervet vereint, gute Chancen ein.

Schließlich ist der neue Konzern mit seinen 3,5 Milliarden Euro Umsatz neben Schering ein Weltmarktführer bei Verhütungsmitteln und mit Intervet weltweit die Nummer drei der Tierarzneimittelhersteller. Nach der kürzlichen Übernahme einer Produktionsstätte der Bayer Health Care AG zur Herstellung von Medikamenten gegen die Maul- und Klauenseuche kam umgehend die Frage nach einer engeren Kooperation und womöglich weiteren Übernahmen von Bayers Tierarzneigeschäften auf. Sie wurde nicht klar beantwortet.

Beim aktuellen Thema Vogelgrippe ist Intervet ebenfalls einer der ersten Ansprechpartner. Die im niederländischen Boxmeer angesiedelte Intervet stellt bereits Impfstoffe gegen H5-Viren her, die verwandt sind mit dem gegenwärtig so gefährlichen H5N1-Stamm. Es scheint, als habe der neue Stern am Pharmahimmel gute Chancen - sogar im Alleingang.

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