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16.01.2008

17:19 Uhr

Inside: Amer Sports

Auf der Buckelpiste

VonJoachim Höfer

Mit dem Kauf der Skimarke Salomon hat sich der finnische Amer-Konzern keinen Gefallen getan. Seit fast drei Jahren leidet das Unternehmen nun unter dem schwächelnden Wintersport-Geschäft. Doch das ist noch lange nicht das einzige Problem, mit dem die Finnen zu kämpfen haben.

MÜNCHEN. Wenn Herbert Hainer auf das Wintersport-Geschäft angesprochen wird, dann huscht ein Lächeln über sein Gesicht. Dem Adidas-Chef ist die Freude darüber anzusehen, dass er aus diesem Bereich vor drei Jahren ausgestiegen ist. Damals hat er die französische Skimarke Salomon an den finnischen Amer-Konzern abgestoßen.

Hainer ahnte, was auf Salomon zukommen würde. Denn Salomon geht es schlecht, so wie den meisten Skiherstellern. Dies ist jetzt allerdings das Problem von Roger Talermo, dem Chef von Amer Sports. Der hat Salomon gekauft, weil er in die erste Liga der Sportartikelanbieter aufsteigen wollte. Zuvor gehörten ihm schon Marken wie Wilson in Golf und Tennis und Atomic im Skigeschäft. Nur: Der Manager ist mit der Übernahme in die falsche Richtung gerannt. Statt auf margenträchtige Sportmode hat er auf schwer verkäufliche Skiausrüstung gesetzt.

Schon 2005 haben viele in der Sportbranche nur den Kopf geschüttelt über die fast eine halbe Milliarde Euro schwere Akquisition. Inzwischen ist die Lage so bedrohlich, dass der börsennotierte Konzern vergangene Woche ein radikales Umbauprogramm angekündigt hat. Die Salomon-Skifabrik in Frankreich macht dicht, die Skischuhproduktion von Atomic in Österreich ebenfalls. 400 Jobs fallen weg. Zudem wird umorganisiert: Das Skigeschäft wird künftig ganz von Atomic geführt. Bindungen, Schuhe und Outdoor-Bekleidung übernimmt Salomon. Es gibt mehrere Gründe, dass Amer so zu kämpfen hat. Einerseits macht dem Unternehmen der starke Euro zu schaffen. Das verteuert die in Europa produzierten Skier im Rest der Welt. Andererseits sind die Skipreise im Keller, weil es Überkapazitäten gibt. Der letzte warme Winter hat dafür gesorgt, dass viele Sportler den Kauf verschoben haben. Und immer mehr Leute leihen ihre Ausrüstung und kaufen keine Skier mehr. Dazu kommen Schwierigkeiten, die in unterschiedlichen Ländern angesiedelten Marken unter einen Hut zu bekommen.

Hilfe vom Markt braucht Amer nicht zu erwarten. Analysten gehen davon aus, dass die Preise für Skier weiter fallen werden. Selbst wenn dieser Winter wieder kalt werden sollte und in den Bergen in Europa Schnee liegt: Die Händler ordern Skier nur sehr zurückhaltend.

Heute gehört Amer zwar zu den führenden Sportkonzernen, aber gewiss nicht zu den profitabelsten. Bei einem Umsatz von knapp 1,2 Milliarden Euro erwirtschaftete das Unternehmen in den ersten neun Monaten 2007 einen mageren Gewinn von 17 Millionen Euro. Die Branchenführer Nike und Adidas verdienen mit ihren Turnschuhen und T-Shirts wesentlich mehr.

Ob Amer nach dem Umbau zumindest annähernd auf das Niveau der Konkurrenten kommt? Das wird sich nächstes Jahr zeigen, wenn die Restrukturierung greift. Momentan ist für Management, Belegschaft und Aktionäre jedenfalls Buckelpiste angesagt.

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