Handelsblatt

MenüZurück
Wird geladen.

18.01.2008

20:53 Uhr

Inside: ATU

Doppelter Wechsel

VonMarc C. Schneider

Der Ersatzteil- und Serviceanbieter ATU muss in die Werkstatt - das Unternehmen kommt nicht auf Touren. Eine Generalüberholung und eine neue Strategie sind notwendig. Die personelle Voraussetzung hierfür hat das Unternehmen jetzt geschaffen.

DÜSSELDORF. Ab April soll Michael Kern, derzeit Vertriebsvorstand der Marke Volkswagen, für neue Dynamik bei ATU sorgen. Unzufrieden mit der Ertragslage ist vor allem der US-Finanzinvestor Kohlberg Kravis Roberts (KKR), der sich 2004 an dem Unternehmen beteiligt hatte. Doch die Misere betrifft auch andere Anleger, obwohl ATU nicht an der Börse ist: Besitzer der variabel verzinsten Unternehmensanleihe dürften sich nämlich jedenfalls ihre Gedanken machen - eine weitere Kapitalspritze für das mit mehreren hundert Mill. Euro verschuldete Unternehmen könnte fällig werden. Die Ratingagentur Standard & Poor's hat die Bonität von ATU unter Beobachtung gestellt - mit einem skeptischen Ansatz.

Eine schwache Auftragslage im traditionell stärksten vierten Quartal verhagelt den KFZ-Spezialisten die Bilanz 2007. Schuld daran ist die große Abhängigkeit vom Wintergeschäft: Gut ein Viertel des Umsatzes läuft üblicherweise über Winterreifen, Wintercheck und Zubehör. Doch die frostige Jahreszeit lässt immer öfter auf sich warten - und damit auch die Kundschaft. Die KKR-Manager dringen deshalb auf eine Generalüberholung der Strategie.

Zwei Markttrends soll ATU nutzen: der Einbau von Ersatzteilen in Originalteil-Qualität und das Flottengeschäft. So entfielen im Jahr 2007 hierzulande weniger als 40 Prozent der zugelassenen Neuwagen auf Privatkunden. Anders gesagt: Die Firmenkunden werden immer wichtiger. Den Fahrzeugflotten der Konzerne soll Branchenkenner Kern sein neues Unternehmen als Servicepartner andienen. Gelingt ihm das, profitiert ATU mehrfach: einmal durch eine bessere und noch dazu kalkulierbare Auslastung der Werkstätten sowie zum anderen durch höhere Margen als bei den privaten Kunden.

Dabei treten die ATU-Filialen mit Reparaturen allerdings noch stärker als bisher in Konkurrenz zu den Werkstätten der Autohersteller. Das gilt genauso für das lukrative Ersatzteilgeschäft, das sich die Autobauer lange Zeit durch politische Schützenhilfe sichern konnten. Spricht sich erst einmal herum, dass die von ATU & Co. angebotenen Bremsen und Kupplungen vom selben Hersteller stammen und meist sogar vom selben Band laufen wie die von BMW & Co., schauen die Autokonzerne bald in die Röhre.

KKR hat einschlägige Erfahrung mit der langjährigen Beteiligung am US-Anbieter Autozone gesammelt. Dem designierten ATU-Chef Kern, als ehemaliger Europcar-Chef ein Flottenspezialist, sollen die Berater von Roland Berger auf der Strategie-Seite und die Banker von Goldman Sachs auf der Finanzierungsseite beistehen. Gelingt die Reparatur des Betriebes, könnte KKR das Unternehmen an der Börse versilbern.

Direkt vom Startbildschirm zu Handelsblatt.com

Auf tippen, dann auf „Zum Home-Bildschirm“ hinzufügen.

Auf tippen, dann „Zum Startbildschirm“ hinzufügen.

×