Handelsblatt

MenüZurück
Wird geladen.

12.04.2006

15:03 Uhr

Inside: Ford

Fields in der Pflicht

VonJosef Hofmann

Probleme lassen sich nicht mit den Managern lösen, die sie verursacht haben, lautet eine einfache Wirtschaftsweisheit. Danach müsste Bill Ford, Chef des zweitgrößten US-Automobilherstellers Ford, seinen Job längst zur Verfügung gestellt haben. Denn unter seiner Führung ist der Autobauer in eine der tiefsten Krisen der Unternehmensgeschichte gerutscht.

FRANKFURT. Wäre Bill Ford als Urenkel des Unternehmensgründers nicht Mitglied des mächtigen Familienclans, hätte ihn das Schicksal vieler erfolgloser Manager wahrscheinlich auch schon ereilt. Doch noch steht die Familie, mit 40 Prozent größter Anteilseigner des Konzerns, hinter dem 48-Jährigen. Statt persönliche Konsequenzen zu ziehen, wechselt Bill Ford das nachgeordnete Management aus. In der vergangenen Woche traf es den operativen Chef, Jim Padilla, der mit 59 Jahren in den Ruhestand geschickt wurde. Jenen Padilla, den genau jener Bill Ford erst vor gut einem Jahr zum zweitmächtigsten Manager des Konzerns aufgebaut hatte. Die überraschende Ablösung von Padilla wirft ein Licht darauf, wie düster es bei Ford aussieht.

Auch Padilla hat es nicht geschafft, das Ruder bei dem angeschlagenen Traditionsunternehmen herumzureißen. Auch wenn seine Aufgaben nach offizieller Lesart aufgeteilt werden, ruht die Hoffnung und damit die Verantwortung für die Sanierung nun vor allem auf einer Person: Mark Fields.

Die 45-jährige Ford-Nachwuchshoffnung, der die Sanierung von Mazda ebenso zugeschrieben wird wie die Verkaufserfolge von Volvo und die Stabilisierung des Ford-Europageschäfts, leitet bereits seit Herbst die größte Konzern-Baustelle, das Nordamerika-Geschäft. Fields gilt als extrem ehrgeizig, entscheidungs- und konfliktfreudig – Eigenschaften, die der aktuelle Konzernchef nicht unbedingt verkörpert. Und Fields hat gegenüber Bill Ford zwei weitere Vorteile: Er kann auf Erfahrungen in Asien und Europa zurückgreifen und muss bei seinen Sanierungsvorschlägen keine Rücksicht darauf nehmen, wer in der Vergangenheit was entschieden hat.

Die Chancen für einen echten Neuanfang sind damit gut, nachdem die bisherigen Rezepte versagt haben. Bill Ford hat den Konzern zwar nach seinem Amtsantritt 2001 aus einer Krise geholt, doch die Freude währte nur kurz. Die bisher bekannten Restrukturierungen tragen die gleiche Handschrift wie damals: Arbeitsplatzabbau, Fabrikschließungen – kurzum: Ford nimmt Kapazitäten aus dem Markt und schrumpft der sinkenden Nachfrage hinterher.

Das reicht vielleicht, um die akuten Probleme einzudämmen, eine Zukunftsstrategie ist das nicht. Ford leidet trotz vereinbarter Einsparungen weiter unter sehr hohen Kosten für Pensionen und Gesundheitsleistungen. Schrumpft der Konzern weiter, steigt die finanzielle Belastung, die auf jedem Auto der Marke lastet. Die nächste Krise wäre programmiert.

Eine nachhaltige Sanierung von Ford setzt voraus, dass die Absatzkurve wieder nach oben zeigt, ohne dass der Erfolg wie in der Vergangenheit mit Kampfpreisen erkauft wird. Der Weg dahin führt unweigerlich über attraktivere und zuverlässigere Modelle. Die japanische Tochter Mazda könnte dabei als Vorbild dienen: Sie hat es in der Ära Fields geschafft, die Modellpalette zu modernisieren und zunehmend mehr Kunden zu begeistern. Gelingt dies Fields auch bei Ford in den USA, wird er zum mächtigsten Mann im Konzern aufsteigen – egal, ob der oberste Repräsentant weiter Bill Ford heißt.

Direkt vom Startbildschirm zu Handelsblatt.com

Auf tippen, dann auf „Zum Home-Bildschirm“ hinzufügen.

Auf tippen, dann „Zum Startbildschirm“ hinzufügen.

×