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18.01.2007

14:59 Uhr

Inside: Märklin

Vor einem steilen Berg

VonJoachim Hofer

Märklin steht nicht nur für Tradition, sondern häufig auch für zahlreiche kleine Ärgernisse, die Sammler und Bastler vergrämen. Damit die Modelleisenbahner zurück in die Erfolgsspur finden, muss das neue Management an mehreren Stellen rangieren.

MÜNCHEN. Das Bild in der Öffentlichkeit ist makellos. Märklin, das steht für Tradition, für Liebe zum Detail und nicht zuletzt für Qualität. Wer viel Zeit im Hobbyraum verbringt, der hat mitunter allerdings einen anderen Eindruck. Denn allzu oft werden die Produkte aus den Werkhallen des schwäbischen Modellbahnherstellers den hohen Ansprüchen nicht gerecht.

So ist es mitunter schon nicht einfach, die filigranen Waggons unbeschädigt aus den Verpackungen zu lösen. Oft sind beispielsweise Güterwagen so eng ins Styropor gepresst, dass ihre feinen Plastikteile bereits in Gefahr sind abzubrechen, ehe sie zum ersten Mal aufs Gleis gelangen. Oder die Kupplungen. Wer seine Züge über Jahre gesammelt hat, findet unzählige Kupplungsvarianten an seinen Waggons und Lokomotiven. So wird es oft zum Kunststück, einen Zug überhaupt zusammen zu halten.

Dies sind nur zwei Beispiele für die zahlreichen Ärgernisse, die Märklin seinen Stammkunden, den Sammlern und Modellbahnfans, immer wieder bereitet. Doch solche Probleme schnell in den Griff zu bekommen, ist nur eine der vielen Aufgaben, denen sich das neue Management des Göppinger Mittelständlers in diesen Tagen stellen muss.

Mindestens ebenso wichtig ist es, Produkte anzubieten, mit denen sich die Jugend wieder für die Spielzeugeisenbahn begeistern lässt. Denn klar ist: Bemüht sich Märklin nicht sehr schnell um jüngere Kunden, wird die Basis für ein profitables Geschäft zu schmal. Und soll der Umschwung nach den dramatischen Umsatzeinbußen der jüngeren Vergangenheit überhaupt gelingen, muss er in den nächsten zwei Jahren kommen. Mehr Zeit für die Sanierung werden die neuen Eigentümer nicht gewähren.

Im vergangenen Mai übernahm der britische Finanzinvestor Kingsbridge nach monatelangem Gerangel mit den Alteigentümern den angeschlagenen Modellbahnbauer. Kingsbridge will Märklin mit Hilfe von Sanierungsexperten vom Abstellgleis auf die ICE-Strecke bringen, auf dass nicht mehr nur der Ruf in der Öffentlichkeit strahle, sondern auch wieder die Bilanz. Ehe der Investor kam, waren die Schulden den Familiengesellschaftern über den Kopf gewachsen. Ob die neuen Besitzer das Steuer herum reißen können, wird sich zumindest in Ansätzen schon in zwei Wochen zeigen. Auf der Nürnberger Spielwarenmesse müssen die Schwaben ihre Produkte fürs nächste Weihnachtsgeschäft vorstellen.

An zwei Stellen dürften die Manager ansetzen. Einerseits müssen sie die Stammkunden mit attraktiven Neuheiten in verbesserter Qualität zu halten versuchen. Andererseits ist es höchste Zeit, Produkte anzubieten, die preisgünstiger sind als das bisherige Sortiment. Nur so lassen sich Eltern und Großeltern dazu bewegen, ihren Kindern Modelleisenbahnen zu schenken. Und nur so wird es gelingen, langfristig wieder auf Wachstum umzuschalten.

Denn: Die Kinder von heute sind die Sammler von morgen. Wer im Grundschulalter mit einer günstigen Startpackung beginnt, der kauft sich mit 40 vielleicht auch den großen ICE. Umgekehrt gilt aber auch: Wer in jungen Jahren achtlos an den Gleisen vorbei geht, der wird ihnen auch als Erwachsener nicht viel abgewinnen.

Die immer noch glänzende Marke ist das wichtigste Gut, auf das Märklin beim Neustart zählen kann. Gelingt es jetzt noch, diese Marke auch außerhalb des Fachhandels zu verankern, dann hat das Unternehmen eine echte Chance. Denn das technische Spielzeug bietet eine echte Alternative zu den viel gescholtenen Computerspielen. Eingefleischte Modellbahner wissen es schon lange: Einen Miniaturgüterzug auf die Bergstrecke zu bringen, macht mindestens so viel Spaß wie ein Kinofilm. Trotz aller Mängel der Fahrzeuge.

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