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17.01.2008

13:37 Uhr

Inside: Man

Mit kleinem Löffel

VonMarkus Fasse

Nach der gescheiterten Übernahme von Scania hat es der Münchener LKW- und Maschinenbaukonzern schwer. An der Börse hat die Aktie seit November fast 30 Prozent verloren, und momentan sieht es nicht so aus, als sollte Großaktionär VW dem Unternehmen zur Seite springen.

Deutsch-schwedisches Duell: MAN gegen Scania.

Deutsch-schwedisches Duell: MAN gegen Scania.

MÜNCHEN. Die aktuelle Börsenstimmung schmeichelt keinem Dax-Wert. Richtig Rückenwind auf dem Weg nach unten bekommt aber, wer ohnehin schon auf der Verkaufsliste stand. Der Münchener LKW- und Maschinenbaukonzern MAN ist so ein Fall. Seit November hat das Papier fast 30 Prozent seines Wertes verloren. Dabei sind die Zahlen nach wie vor gut, die Auftragsbücher noch prall gefüllt. Weg ist einfach nur die Fantasie.

Denn nach der gescheiterten Übernahme des Konkurrenten Scania durften die Anleger auf eine Gegenattacke aus Schweden setzen. Auch die Hoffnung auf eine aktive Rolle des MAN- und Scania-Großaktionärs Volkswagen hielt den Kurs hoch. Doch seit der im vergangenen Frühjahr von allen Seiten verkündeten „Abkühlungspause“ und der selbst verordneten Suche nach einer „einvernehmlichen Lösung“ ist tatsächlich nicht viel passiert. Scania-Chef Leif Östling verzeiht seinem einstigen Ziehsohn und heutigem MAN-Chef Hakan Samuelsson die feindliche Übernahmeattacke nicht. Mit einer Sperrminorität der schwedischen Industrieholding Investor im Rücken verweigert er auch Kooperationen.

Dennoch graben die Münchener weiter an den Fundamenten der schwedischen Trutzburg, in der Hoffnung, dass der Koloss aus Wolfsburg irgendwann mit schwerem Gerät zur Seite springt. Doch vorerst sind es nur die eigenen kleinen Löffel, mit denen MAN kratzt. So baute MAN kurz vor Weihnachten seinen Stimmrechtsanteil bei Scania von 14,8 auf 15,6 Prozent aus. Die Aktien stammten von der schwedischen Swedbank, die ihre stimmstarken, aber kaum noch handelbaren A-Aktien in stimmschwache, aber besser verkäufliche B-Aktien aus den Beständen von MAN tauschten. Bereitwillig griffen die Münchener zu. Damit kommt MAN zwar nicht an die übrigen Großaktionäre VW mit 36 und Wallenberg/Investor mit 30 Prozent heran. Gelingt es aber, andere institutionelle Anleger zum Tausch ihrer A-Aktien zu bewegen, sinkt die Handelbarkeit dieser Papiere weiter. Das würde aber den Wert der stimmrechtsstarken Investor-Sperrminorität mindern und der Verkaufsdruck nimmt zu, so die Hoffnung in München.

Auch an einer anderen Stelle lassen die Deutschen nicht locker. So zieht MAN-Aufsichtsratschef Ekkehard Schulz in das „Nominierungskomitee“ des Scania-Aufsichtsrates ein. Das vierköpfige Gremium entscheidet über die Besetzung des Scania-Managements und regiert damit in das unmittelbare Umfeld von Scania-Chef Östling. Er soll offenbar merken, dass sein Einfluss auch hinter der dicken Mauer schwindet.

So richtig zittern dürften die Wände bei Scania aber erst, wenn sich die Konjunktur weiter abkühlt oder gar in eine Rezession abrutscht. Noch sind MAN und Scania gut ausgelastet. Doch so wie die LKW-Hersteller vom Boom der vergangenen drei Jahre profitierten, so hart dürfte sie ein Einbruch treffen.

Dann wird sich zeigen: Krisen sind in jeder Branche noch immer der beste Nährboden für Fusionen.

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