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16.03.2006

13:57 Uhr

Inside

Opel-Sanierung: Mit harten Bandagen

VonCarsten Herz

Bei Opel steht neuer Krach ins Haus. Nur gut ein Jahr nach der Einigung auf ein hartes Sanierungsprogramm bahnt sich beim Rüsselsheimer Autobauer ein neuer Schlagabtausch zwischen Management und Belegschaft über die Zukunft der westeuropäischen Werke an.

FRANKFURT. Verärgert wandte sich das europäische Arbeitnehmerforum des Mutterkonzerns General Motors (GM) gestern in einem offenen Brief an Europachef Carl-Peter Forster und forderte eine Aussprache. Die Belegschaft alarmiert, dass das Management das Thema Werkschließung wieder auf die Agenda setzt. Doch die betriebswirtschaftliche Wahrheit ist unerbittlich: Für die Fertigung des neuen Kompaktmodells Astra zum Ende der Dekade hat GM in Europa ein Werk zu viel. Gut ein Jahr nach dem Abbau von 12 000 Jobs und dem Abschluss eines Zukunftsvertrags, der den Werken bis 2010 Beschäftigung und Auftragsvolumen sichert, ist der Burgfrieden bei Opel damit abrupt aufgekündigt.

Wegen seiner Kostenstruktur besonders gefährdet ist das kleinste Astra-Werk in Bochum. Verliert Bochum die Astra-Fertigung, gehen dort die Lichter aus. Deshalb will GM’s oberster Arbeitnehmervertreter in Europa, Opel-Gesamtbetriebsratschef Klaus Franz, die Gespräche über das neue Modell mit Verhandlungen über die Verlängerung der Standortgarantie verbinden.

Doch der Druck im Kessel steigt. Außer den GM-Fertigungsstätten im britischen Ellesmere Port, im belgischen Antwerpen und in Bochum bewerben sich auch die Werke im polnischen Gleiwitz und im schwedischen Trollhättan um die nächste Generation der Kompaktklasse. Wie schon 2004/2005 im Tauziehen um die Mittelklasse versucht GM, die Standorte gegeneinander auszuspielen. Diesmal geht es jedoch um deutlich mehr. Denn mit der Fertigung des Astra, auf dessen Plattform auch der Minivan Zafira steht, verteilt GM das mit Abstand größte Stück des gesamten Produktionskuchens in Europa neu.

Zusammen steht die Kompaktklasse für ein Produktionsvolumen von jährlich bis zu 850 000 Einheiten und damit für das wichtigste Segment des Autobauers. Lediglich das Werk in Polen muss sich kaum Sorgen machen. Die moderne Fabrik lockt mit günstigen Arbeitskosten. Und die Zürcher GM-Manager sind davon überzeugt, dass signifikantes Wachstum auf diesem Kontinent in den nächsten Jahren nur noch in Osteuropa möglich ist. So wäre es nur logisch, dort die Kapazitäten weiter auszubauen.

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