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15.01.2009

12:00 Uhr

Inside

RWE: Großmann arbeitet Agenda ab

VonJürgen Flauger

Wem nützt der Kauf des niederländischen Versorgers Essent eigentlich mehr, RWE oder Vorstandschef Jürgen Großmann? Mit dem mehr als neun Milliarden Euro schweren Angebot für Essent liefert Großmann jedenfalls das, was Kritiker in- und außerhalb des Konzerns immer wieder eingefordert haben - von RWE seit Jahren und seit Großmanns Amtsantritt im Herbst 2007 auch vom Chef: einen entscheidenden Expansionsschritt.

DÜSSELDORF. Der deutsche Konzern wagt sich mit dem Essent-Gebot im Wettstreit mit den europäischen Konkurrenten aus der Deckung und mischt endlich mit bei der Konsolidierung. Mit der Berufung Großmanns wollten die Aufsichtsräte der Entwicklung des Energiekonzerns bewusst neuen Schwung geben. Unter Ex-Chef Harry Roels hatte sich RWE vornehm zurückgehalten, als sich Europas große Energiekonzerne auf Einkaufstour begaben. Er konzentrierte sich auf Schuldenabbau und stieß Randgeschäfte wie Wasser und Müll ab, konnte den Aktionären aber keine richtige Vorwärtsstrategie bieten. Mehr noch, RWE galt wegen seiner durch die Verkäufe prall gefüllte Kasse selbst als Übernahmeziel, geriet ins Visier etwa von Electricité de France.

Und in der Tat, Großmann agierte von Anfang an aktiver, schaute sich selbst Objekte, die eigentlich eine Nummer zu groß für RWE waren, zumindest an - wie den britischen Betreiber von Atomkraftwerken British Energy. Nach einem Blick in die Bücher winkte Großmann freilich ab und überließ EDF das Feld. Weniger Glück hatte er in Russland, wo ihn ein windiger Joint-Venture-Partner bei der Übernahme eines kleinen Stromproduzenten ausbremste.

Mit Essent hat Großmann jetzt aber einen wirklich lukrativen Fisch an der Angel. Gut, Essent ist kein Schnäppchen. Angesichts der Finanzkrise hatte er vielleicht gehofft, billiger zum Zug zu kommen. Das Unternehmen passt aber strategisch gut zu den Essenern. Der Heimatmarkt von Essent grenzt an das Stammgebiet von RWE an Rhein und Ruhr, und auch die Kraftwerke und Windparks der Niederländer würden gut ins Portfolio passen. Vor allem aber ist Essent noch so verdaulich groß, dass sich RWE finanziell nicht überhebt. Auch die Integration dürfte vergleichsweise glatt über die Bühne gehen.

Großmanns Weg zur "neuen RWE", die er aufbauen will, ist steinig. Immer wieder wird er zurückgeworfen, wie etwa in Russland, immer wieder stößt er auf Schwierigkeiten bei Gewerkschaften und kommunalen Aktionären, die auf Standortinteressen pochen. Aber das lässt sich bei RWE mit seiner schwierigen Eigentümerstruktur auch kaum vermeiden, wenn man wirklich etwas ändern will.

Und Schritt für Schritt kommt Großmann auch voran. Der Konzern bekommt allmählich eine neue Struktur, die neue Tochter für erneuerbare Energien baut einen Windpark nach dem anderen, in Großbritannien treibt RWE seine Atompläne in einer schlagkräftigen Allianz mit Eon voran. Und mit dem Essent-Gebot hat Großmann einen weiteren Erfolg vor Augen.

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