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16.01.2009

12:00 Uhr

Inside

Villeroy & Boch: Bruchfest durch die Krise

VonSusanne Schier

Mit der Rosenthal-Pleite ist die schwierige Lage der deutschen Porzellan-Industrie wieder einmal offenkundig. Branchenprimus Villeroy & Boch (V&B) scheint derzeit allerdings relativ bruchfest.

DÜSSELDORF. Zwar kann sich der größte deutsche Hersteller von Tischgeschirr und Sanitärprodukten dem Abschwung nicht völlig entziehen. Mitte 2008 brach die Nachfrage in den USA, in Großbritannien und in Spanien scharf ein. Und das Wachstum in Asien und Osteuropa konnte dies nicht mehr kompensieren. Im dritten Quartal sank der Umsatz daher gegenüber dem Vorjahr um 5,9 Prozent.

Dank des starken Inlandsgeschäfts nahm der Umsatz - der zu 80 Prozent im Ausland generiert wird - im gesamten Neunmonatszeitraum noch leicht zu. Erhöhte Herstellungs- und Vertriebskosten machten dem Unternehmen jedoch zusätzlich zu schaffen. Deshalb schrumpfte der Vorsteuergewinn nach neun Monaten deutlich zusammen.

Das üblicherweise starke vierte Quartal - was den Verkauf von Tischgeschirr betrifft - sollte es also richten. Wie das Weihnachtsgeschäft dieses Mal verlief, ist noch unklar. Zumindest meldete der deutsche Einzelhandel, dass bei Geschenken mit bleibendem Wert wie Porzellan keine Kaufzurückhaltung zu spüren war. Um jedoch nicht auf Halde zu produzieren, hatte V&B die Weihnachtsferien verlängert. Außerdem kassierte das Unternehmen die Prognose für das Gesamtjahr 2008. Der Umsatz soll auf Vorjahresniveau liegen. Für den Vorsteuergewinn erwartet V&B jedoch nur noch 15 bis 20 Millionen Euro - also bestenfalls einen Rückgang um 30 Prozent gegenüber 2007.

Doch Sorgen machen muss sich das Traditionsunternehmen aus dem Saarland bisher nicht. Denn es hat in der Vergangenheit solide gewirtschaftet. Die Akquisitionen im Sanitärbereich verminderten die Abhängigkeit vom Absatz des Tischporzellans.

Zwar sank die Liquidität wegen der Zukäufe deutlich. Auch die Finanzverbindlichkeiten erhöhten sich im Gegenzug leicht. Ende September betrugen die Nettofinanzverbindlichkeiten 66,5 Millionen Euro. Den kurzfristigen Finanzverbindlichkeiten von 6,6 Millionen Euro standen jedoch noch 10 Millionen Euro an flüssigen Mitteln gegenüber. Das Unternehmen dürfte also in keine akuten Liquiditätsschwierigkeiten geraten, wenn es die Schulden im Juni 2009 zurückzahlen muss.

Durch den negativen operativen Cashflow kann V&B jedoch keine weiteren Mittel zur Schuldentilgung generieren. Noch sollte dies Vorstandschef Frank Göring nicht beunruhigen: Im Verhältnis zum Eigenkapital machen die Nettofinanzschulden nur 19,5 Prozent aus. Bei einer anhaltenden Kaufzurückhaltung der Kunden wird V&B vermutlich auch ein paar Risse wegstecken müssen. Für Stabilität sorgen jedoch eine breite Produktpalette und das Geschäft auf vielen Märkten der Welt. Und wenn es Göring schafft, die Kunden dauerhaft für seine moderne und gleichzeitig traditionsreiche Lifestylemarke zu begeistern, wird die Krise wohl keinen Scherbenhaufen hinterlassen.

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