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28.09.2012

16:55 Uhr

Insolventer Fotopionier

Kodak entlässt 200 weitere Mitarbeiter

Weitere 200 Mitarbeiter des insolventen Fotounternehmens verlieren ihren Job. Indes sieht Firmenchef Antonio Perez zwar gute Fortschritte – doch in den Geschäftszahlen spiegelt sich das bislang nicht wieder.

Ein Kodak-Logo über den geschlossenen Läden an einem kleinen Fotoladen. dpa

Ein Kodak-Logo über den geschlossenen Läden an einem kleinen Fotoladen.

RochesterDie Insolvenz des Fotopioniers Kodak kostet 200 weitere Mitarbeiter den Job. Insgesamt werden damit in diesem Jahr 3900 Leute gehen müssen - damit bleibt etwa jeder vierte Beschäftigte auf der Strecke. Firmenchef Antonio Perez sprach am Freitag von wichtigen Schritten, um das Unternehmen wieder auf die Beine zu kriegen.

Kodak hatte im Januar Insolvenz angemeldet. Dem Vorreiter der Fotografie macht der Umschwung zur Digitaltechnik schwer zu schaffen. Schon vor der Pleite wurden seit 2003 rund 47.000 Arbeitsplätze gestrichen und 13 Fabriken dichtgemacht. Das Unternehmen beschäftigte im vergangenen Jahr noch rund 17.000 Leute.

Absteiger Kodak

Filmriss droht

Niedergang, Pennystock, Insolvenzgerüchte: Kodak geht es so schlecht wie noch nie. Wie konnte es dazu kommen: 130 Jahre Unternehmensgeschichte im Zeitraffer.

Die Gründung

1881 gründet der Amerikaner George Eastman zusammen mit Henry Strong die Eastman Dry Plate Company, aus der elf Jahre später Eastman Kodak hervorgeht. Zunächst stellt das Unternehmen trockene Fotoplatten her.

Die erste Kamera

1888 kommt die erste Kodak-Kamera auf den Markt. Dank der 1900 eingeführten „Kodak Brownie“ wird Fotografieren massentauglich, die Kamera zum Preis von einem US-Dollar ist für jeden Hobbyfotografen erschwinglich.

Der Farbfilm

1935 bringt Kodak den ersten für Hobbyfotografen geeigneten Farbfilm auf den Markt.

Die Digitalkamera

1975 entwickelt der Ingenieur Steven Sasson die erste Digitalkamera für Kodak.

Kampf gegen Polaroid

1986 verliert Kodak einen Rechtsstreit um die Sofortbildkamera gegen Konkurrent Polaroid. Das führt neben einer Strafe in Milliardenhöhe zu einem bedeutenden Imageverlust und gilt als Wendepunkt in der Geschichte des Foto-Riesen.

Rekordzahlen

1991 erzielt das Unternehmen einen Rekordumsatz von 19,4 Milliarden US-Dollar. Gleichzeitig bringt Kodak mit der „DC-100“ die erste Digitalkamera in den Handel. Massentauglich ist sie nicht – das Modell kostet 25 000 Mark.

Konzentration auf digitalen Markt

2004 stellt Kodak den Verkauf von Kleinbildkameras ein, um sich ganz auf den digitalen Markt zu konzentrieren.

Die Krise

2011 schreibt Kodak das vierte Jahr in Folge rote Zahlen.

„Kodak macht gute Fortschritte dabei, die Insolvenz zu verlassen“, erklärte Perez. Er wollte dem Insolvenzgericht noch im Laufe des Tages einen genauen Plan vorlegen, wie Kodak in neuer Aufstellung überleben kann. Am 17. Oktober gibt es eine Anhörung.

Perez will Kodak als Druck-Spezialisten neu aufstellen. Die Wurzeln des Unternehmens kappt er radikal: Er trennt sich von Fotofilmen, Kameras oder Scannern. Die Konkurrenz insbesondere aus Asien hatte sich als zu stark erwiesen.

Bislang zeigt der Umbau in den Geschäftszahlen allerdings kaum Wirkung: Im ersten Halbjahr war der Umsatz um mehr als ein Viertel auf 2,0 Milliarden Dollar geschrumpft und der Verlust stieg auf 665 Millionen Dollar. Nach dem Verlassen der Insolvenz im kommenden Jahr will das Unternehmen aber wieder schwarze Zahlen schreiben.

Unklar ist indes, wie der Neustart genau finanziert werden soll. Eigentlich wollte Kodak sein reichhaltiges Patent-Arsenals zur digitalen Fotografie verkaufen. Allerdings scheint es keine Käufer zu dem von Kodak erhofften Preis von 2,6 Milliarden Dollar zu geben. Die Auktion hätte eigentlich schon vor Wochen abgeschlossen sein sollen.

Fotofilm-Geschäft: Kodak will Traditionssparte loswerden

Fotofilm-Geschäft

Kodak verkauft Traditionssparte

Auch für weitere Geschäftszweige will der Fotopionier Käufer finden.

Bei Kodak war Ende des 19. Jahrhunderts der Fotofilm erfunden worden. Das Unternehmen machte mit günstigen Kameras das Fotografieren anschließend zu einem Massenmarkt und strich satte Gewinne ein, bis der Vormarsch der Digitalbilder sein Geschäftsmodell durchkreuzte.

Von

dpa

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