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14.01.2008

09:52 Uhr

Insolvenz

Gläubiger genehmigen neues Geld für Battenfeld

VonWolfgang Gillmann

Die Beschäftigten von Battenfeld Kunststoffmaschinen in Kottingbrunn bei Wien können aufatmen - zumindest vorerst. Die Fortführung der Produktion ist trotz der Insolvenz für die nächsten drei Monate gesichert. Die NÖ Hypo-Bank stellt einen Kreditrahmen über 15 Mill. Euro zur Verfügung, das Land Niederösterreich wird bürgen.

DÜSSELDORF. Die Gläubigerversammlung der Gesellschaft hat am Freitagabend die Weiterführung des Geschäfts gebilligt. Doch die Insolvenz der Produktionsgesellschaft mit rund 400 Beschäftigten bleibt bestehen. Der Insolvenzverwalter Michael Lentsch wird in den nächsten drei Monaten versuchen, einen Käufer zu finden. "Interessenten haben sich massenhaft gemeldet", sagte er dem Handelsblatt. Der bisherige Eigentümer, die Münchener Industrieholding Adcuram, macht Zugeständnisse, verzichtet auf einen Teil ihrer Forderungen und hat den Verkauf von Battenfeld wieder rückgängig gemacht.

Trotzdem bleiben viele Fragen und herrscht weiter Aufregung um eine der größten Firmenpleiten Niederösterreichs - nicht nur, weil gerade Wahlkampf herrscht. Im Oktober 2006 verkaufte der Düsseldorfer Anlagenbauer SMS seinen Bereich Spritzgießtechnik mit 100 Mill. Euro Umsatz an Adcuram. Der Weltmarktführer für Hütten- und Walzwerke ist mit der Kunststofftechnik nie glücklich geworden und hat später auch den restlichen Teil seiner Kunststofftechnik verkauft. Doch auch Adcuram erzielt nicht die erhofften Erfolge. "Wir haben knapp zehn Mill. Euro in die Neuausrichtung gesteckt", sagte Vorstand Thomas Probst dem Handelsblatt. Doch Ende Dezember entscheidet der Aufsichtsrat, die inzwischen abgespaltene Battenfeld Produktionsgesellschaft zu verkaufen und nur den profitablen Serviceteil zu behalten.

Kurz vor Jahresende präsentiert Adcuram die völlig unbekannte OOD Private Quity Ltd. als Käufer. "Eine Briefkastenfirma" vermuten Politiker im niederösterreichischen Landtag und sehen Heuschrecken am Werk. "Private britische Investoren", sagt Probst, ohne genaue Namen zu nennen. Noch dubioser wird die Geschichte, als der erst Anfang Dezember bestellte Geschäftsführer Georg Tinschert am 3. Januar Insolvenz anmeldet, da die seit einiger Zeit erforderliche Kapitaleinlage weder vom Vor- noch vom Neueigentümer geleistet worden sei. Auch das Geld für die Dezembergehälter war nicht mehr in der Kasse.

"Die Gesellschaft ist liquide, deshalb kam der Antrag für uns überraschend", sagt Probst. Die Auslastung sei für die nächsten drei Monate gesichert, allerdings bestätigt er rote Zahlen in der Fertigung. Insolvenzverwalter Lentsch sind die Gründe auch unklar, er bestätigt aber, "die Liquidität ist ausgegangen."

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