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12.01.2009

09:19 Uhr

Insolvenzverfahren

„Wir wollen die Zinslast stark senken“

VonSiegfried Hofmann

In ein bis zwei Jahren möchte Volker Trautz sein Unternehmen wieder aus der Insolvenz führen. Der Chef des angeschlagenen Chemiekonzerns Lyondell-Basell spricht im Handelsblatt-Interview über die Gründe für die Flucht der US-Aktivitäten unter Gläubigerschutz und Wege aus der Krise.

Anlage von Lyondell-Basell in den Niederlanden: Eine Zerschlagung des drittgrößten Chemiekonzerns soll unter allen Umständen verhindert werden. Foto: PR Bloomberg

Anlage von Lyondell-Basell in den Niederlanden: Eine Zerschlagung des drittgrößten Chemiekonzerns soll unter allen Umständen verhindert werden. Foto: PR

Handelsblatt: Herr Trautz, Lyondell-Basell hat sich mit ihren US-Aktivitäten unter Gläubigerschutz nach Chapter 11 des amerikanischen Konkursrechts begeben und damit eines der bisher größten Insolvenzverfahren eingeleitet. Ist nun zu befürchten, dass der drittgrößte Chemiekonzern der Welt bald auch seine europäischen Gesellschaften in die Insolvenz schickt und am Ende komplett zerschlagen wird?

Volker Trautz: Nein, dazu gibt es keinerlei Pläne. Wir haben ganz bewusst den Weg gewählt, nur in den USA Gläubigerschutz zu beantragen. Das dortige Insolvenzrecht ist darauf ausgelegt, den Unternehmen eine zweite Chance zu geben. Ziel ist es, unsere Bilanz wieder in Ordnung zu bringen, dabei aber das operative Geschäft normal weiter zu führen. Das Verfahren nach Chapter 11 und die vom Gericht bewilligte Zwischenfinanzierung gibt uns dazu den nötigen Spielraum. Die Gefahr eines Zusammenbruchs ist damit viel geringer geworden.

Weshalb haben Sie dann auch für die deutsche Basell Germany Holdings GmbH Gläubigerschutz beantragt?

Diese Maßnahme ermöglicht dass auch die hiesigen Gesellschaften frische liquide Mittel nutzen können, die wir nun im Rahmen des US-Verfahrens erhalten. Die operativen Einheiten in Europa, wo wir rund ein Drittel unserer Kapazitäten betreiben, sind weiter voll funktionsfähig und solvent. Unsere Kunden und Lieferanten können weiter auf LyondellBasell als verlässlichen Geschäftspartner vertrauen. Ein Insolvenzverfahren ist hier nicht nötig und es wäre auch gar nicht hilfreich.

Warum eigentlich nicht?

Das Insolvenzrecht in Deutschland und anderen europäischen Ländern ist nach wie vor in erster Linie auf Zerschlagung und Abwicklung ausgelegt. Das wollen wir auf jeden Fall vermeiden. Denn der Wert unserer Anlagen und Firmen als ganzes gesehen ist wesentlich höher, wenn sie liquide bleiben und weitergeführt werden. Das sehen auch unsere amerikanischen Gläubiger so, die den Plan ja mehrheitlich unterstützt haben. Man agiert in den USA in dieser Hinsicht nüchterner und pragmatischer als hierzulande. Zahlreiche Unternehmen haben sich dort unter Chapter 11 erfolgreich restrukturiert wie am Beispiel zahlreicher amerikanischer Fluglinien zu sehen ist.

Und deshalb gewähren US-Investoren neue Kredite im Rahmen des Insolvenzverfahrens?

Die so genannte "debtor-in-possession" (DIP)-Finanzierung ist ein durchaus attraktives und sicheres Investment, weil diese Kredite vorrangig vor allen anderen Schulden bedient werden. Unsere DIP-Finanzierung sichert uns 3,25 Mrd. Dollar neue Liquidität für das laufende Geschäft.

Das Endziel muss aber doch ein deutlicher Schuldenabbau sein.

Natürlich zielen wir darauf, im Rahmen des Insolvenzverfahrens unsere Zinsbelastung drastisch zu reduzieren und auf eine belastbare Größenordnung zurückzubringen.

Auf wie viel ihrer Forderungen von 26 Mrd. Dollar müssen die Gläubiger denn verzichten?

Wie stark wir die Verschuldung reduzieren können, wird sich in den Verhandlungen zeigen. Unser Ziel ist es, das Insolvenzverfahren in ein bis zwei Jahren mit einer tragfähigen Bilanz zu verlassen.

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