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22.03.2013

15:51 Uhr

Insolvenzverschleppung

Manager der P+S-Werften geraten ins Visier der Fahnder

Die Staatsanwaltschaft hat bei den P+S-Werften mehrere Anhaltspunkte für eine Insolvenzverschleppung gefunden. Nun beginnen die Ermittlungen gegen die ehemalige Geschäftsführung

Die P+S Werften mussten im August 2012 Insolvenz anmelden. dpa

Die P+S Werften mussten im August 2012 Insolvenz anmelden.

Stralsund/SchwerinDie P+S-Werftenpleite hat ein juristisches Nachspiel: Die Staatsanwaltschaft Rostock hat ein Ermittlungsverfahren gegen aktuelle und frühere Geschäftsführer der P+S-Werften wegen Insolvenzverschleppung eingeleitet. Es gebe Anhaltspunkte dafür, dass das Unternehmen seit rund zwei Jahren zahlungsunfähig gewesen sein könnte.

„Es besteht der Anfangsverdacht, dass seit diesem Zeitraum die fällig werdenden Verbindlichkeiten die Liquidität des Unternehmens überstiegen haben“, sagte der Sprecher der Rostocker Staatsanwaltschaft, Martin Fiedler, am Freitag der Nachrichtenagentur dpa. Die P+S-Werften hatten Ende August 2012 Insolvenz angemeldet. Von der Pleite waren rund 1750 Arbeitsplätze betroffen.

Das Auf und Ab der P+S-Werften

1948

Die Volkswerft Stralsund und die Peene-Werft Wolgast werden gegründet.

1992

Die Bremer Hegemann-Gruppe übernimmt die Peene-Werft in Wolgast. Jahrelang hat sie volle Auftragsbücher.

Juli 2007

Die Hegemann-Gruppe übernimmt auch die Volkswerft Stralsund. Sie will in die Produktion besonders großer Containerschiffe einsteigen.

Frühjahr 2009

In beiden Werften werden die Aufträge knapp. Hegemann kündigt die Umstellung auf den Spezialschiffbau an.

Juni 2009

Finanz-und Wirtschaftsministerium geben grünes Licht für eine Bürgschaft über9 Millionen Euro.

Juni 2010

Die beiden Werften stellen sich unter dem Namen P+S- Werften neu auf. Die Hegemann-Gruppe hält einen Anteil von 7 Prozent, die HSW Treuhand- und Beteiligungsgesellschaft ist mit 93 Prozent beteiligt.

August 2010

Die Belegschaften erklären sich zu kostenloser Mehrarbeit bereit, um die weitere Sanierung der Werften zusichern.

August 2011

Die P+S-Werften erhalten einen Millionenauftrag über den Bau von zwei Offshore-Installationsschiffen.

März 2012

Land, Bund und Banken einigen sich auf Unterstützung bei der Finanzierung von Schiffbauaufträgen. Grund sind die teureren Spezialschiffe.

Mai 2012

Ein Finanzloch von 200 Millionen Euro gefährdet den Fortbestand. Das Land ist grundsätzlich zu erneuter Hilfe bereit, braucht aber die Zustimmung der EU und sieht auch Bund, Banken, das Unternehmen und die Belegschaft mit in der Verantwortung.

Juni 2012

Es stellt sich heraus, dass fast 300 Millionen Euro Umstrukturierungsbeihilfe nötig sind. Die Mitarbeiter erklären sich bereit, sich an der Rettung mit 68 Millionen Euro zu beteiligen. Schwerin sagt ein Darlehen von bis zu 152,4 Millionen Euro zu.

Juli 2012

Die EU-Kommission genehmigt die staatliche Garantie für die P+S Werften unter Vorbehalt.

August 2012

Der frühere Airbus-Manager und Sietas-Werftsanierer Rüdiger Fuchs wechselt als Unternehmenschef an die Spitze der P+S-Werften. Er deckt größere Probleme als bisher bekannt auf, darunter Lieferverzögerungen für Scandlines-Fähren und zwei Spezialfrachter.

20. August

Das Land stoppt die Hilfen.

29. August

Die Werftengruppe reicht den Insolvenzantrag ein.

Laut der Insolvenzordnung muss eine Geschäftsführung, sobald sie die Zahlungsunfähigkeit erkennt, „ohne schuldhaftes Zögern, spätestens aber drei Wochen nach Eintritt der Zahlungsunfähigkeit oder Überschuldung“ einen Eröffnungsantrag auf Insolvenz stellen.

Das Land, das im Juni 2012 zusammen mit dem Bund noch ein 152 Millionen Euro schweres Rettungspaket für die P+S-Werften geschnürt hatte, wollte sich zu den Ermittlungen der Staatsanwaltschaft nicht äußern. Von den staatlichen Rettungshilfen flossen 70 Millionen Euro. Erst im August 2012 drehten Land und Bund den Werften den Geldhahn zu, nachdem der gerade drei Wochen zuvor eingesetzte Geschäftsführer Rüdiger Fuchs ernüchternde Bilanzen vorgelegt hatte.

Fiedler sagte, bis zur Entscheidung über eine mögliche Anklage würden noch mehrere Monate vergehen. Namen der Personen, gegen die die Staatsanwaltschaft ermittelt, wurden nicht genannt. Im Falle einer Verurteilung wegen Insolvenzverschleppung drohen Freiheitsstrafen bis zu drei Jahren.

Die P+S-Werft in Wolgast geht zum 1. Mai für rund 17 Millionen Euro an die Bremer Lürssen-Gruppe. Für den Standort Stralsund mit einst 1200 Mitarbeitern gibt es bislang keinen Käufer.

Von

dpa

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