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24.04.2014

11:59 Uhr

Interesse an TGV-Hersteller Alstom

General Electric greift Siemens frontal an

Der US-Industriekonzern General Electric bemüht sich um Alstom. Der Zukauf des französischen Zugherstellers soll rund 13 Milliarden Dollar kosten. Das Geschäft wäre ein direkter Seitenhieb gegen den Rivalen Siemens.

Schnell unterwegs und bald ein Teil von General Electric? Der französische TGV-Hersteller Alstom soll vor einem Milliardendeal mit GE stehen. Reuters

Schnell unterwegs und bald ein Teil von General Electric? Der französische TGV-Hersteller Alstom soll vor einem Milliardendeal mit GE stehen.

New YorkEs wäre ein herber Schlag für Siemens: Der US-Industriekonzern General Electric (GE) will einem Agenturbericht zufolge den französischen Turbinen- und Zughersteller Alstom für 13 Milliarden Dollar kaufen. Die beiden Siemens-Rivalen führten derzeit Verhandlungen und könnten eine Einigung bereits in der kommenden Woche bekanntgeben, berichtete die Agentur Bloomberg am Mittwoch unter Berufung auf mit der Angelegenheit vertraute Personen.

Alstom-Aktien reagierten am Donnerstag mit einem Kurssprung von 17 Prozent auf die Übernahmegerüchte. Der mögliche Kaufpreis entspricht einem Aufschlag von 25 Prozent auf den aktuellen Marktwert der Franzosen.

Der Konzern erklärte, er sei über eine mögliche Offerte nicht informiert. Alstom kündigte an, bei der Vorlage der Jahresergebnisse am 7. Mai einen aktualisierten Ausblick auf seine Planungen zu geben. Ein GE-Sprecher lehnte eine Stellungnahme ab.

Stärken und Schwächen von Siemens

Stärke 1

Dividendenstärke

Seit einigen Jahren gilt bei Siemens das Ziel, einen Anteil von 40 bis 60 Prozent des Gewinns nach Steuern auszuschütten, deutlich mehr als früher. Für 2013 gab es wieder eine Dividende auf dem Rekordniveau von drei Euro. Dies entspricht einer Ausschüttungsquote von 57 Prozent.

Stärke 2

Aufträge

Der Auftragseingang, also die Umsätze von morgen, legte im abgelaufenen Geschäftsjahr um acht Prozent auf 82,4 Milliarden Euro zu.

Stärke 3

Ertragsperlen

Die Medizintechnik, der kleinste der vier Siemens-Sektoren, glänzte im vergangenen Geschäftsjahr nicht nur mit der höchsten operativen Umsatzrendite. Auch in absoluten Zahlen lieferte die Medizintechnik mit einem operativen Ergebnis (Ebitda) von zwei Milliarden Euro den höchsten Gewinnbeitrag.

Schwäche 1

Abhängigkeit von Europa

Was in Boomzeiten ein Vorteil ist, wird zum Nachteil, wenn die Konjunktur lahmt – die starke Position von Siemens in Europa. In Südeuropa etwa können die Schuldenstaaten derzeit nur noch wenige große Infrastrukturprojekte anstoßen. Das bekommt auch Siemens zu spüren.

Schwäche 2

Fehlende Innovationskraft

Es gibt Zweifel an der Innovationskraft von Siemens – trotz 60.000 neuen Patenten im Jahr. Denn der Konzern erzielte zuletzt mit seinen Geschäften nur eine Bruttomarge von 27,4 Prozent. Nach Einschätzung von Konzernchef Joe Kaeser ist dies ein Anzeichen dafür, dass Siemens mit seinen Produkten nicht die Preise erzielen kann, die man gerne hätte. Die Produkte sind womöglich nicht immer innovativ genug.

Schwäche 3

Sonderlasten

Vor allem schlecht gemanagte Großprojekte verhageln dem Konzern seit Jahrzehnten die Ergebnisse. 2013 war es besonders arg. Die anhaltenden Probleme bei der Anbindung der Offshore-Windparks an das Stromnetz auf dem Festland, die verspätete Auslieferung von ICE-Zügen, der Ausstieg aus dem Solargeschäft und andere Pannen verursachten im Konzern fast 900 Millionen Euro an Sonderaufwendungen.

Alstom, Hersteller von Kraftwerksturbinen, Zugsignaltechnik und des französischen Hochgeschwindigkeitszugs TGV, ist an der Börse derzeit rund 10,4 Milliarden Dollar wert und kämpft mit sinkenden Aufträgen vor allem von Versorgern. Mit dem Abbau von 1300 Stellen und dem Verkauf von Geschäftsteilen will der Konzern seine Liquidität verbessern.

Mit der Übernahme durch den finanzstarken GE-Konzern entstünde ein noch ernstzunehmenderer Konkurrent für Siemens. Die Münchner hatten zuletzt unter anderem Lieferprobleme mit ihren ICE-Zügen. „Im Gasturbinengeschäft würde sich GE mit Alstom einen ordentlichen Vorsprung vor Siemens verschaffen“, erläuterte LBBW-Analyst Thomas Klee. Er hält Alstom für eine sinnvolle Ergänzung für GE, die sich der US-Konzern auch gut leisten könne. Die Kartellbehörden hätten jedoch noch ein Wörtchen mitzureden.

Auch in der französischen Politik dürfte die Übernahme eines Traditionskonzerns durch die Amerikaner für hochgezogene Augenbrauen sorgen. Mit rund 18.000 Beschäftigten arbeiten rund 20 Prozent der Belegschaft in Frankreich und Alstom ist extrem abhängig von staatlichen Aufträgen. Der mit einem Anteil von 29 Prozent größte Alstom-Aktionär Bouygues unterstütze die Übernahme jedoch, berichtete Bloomberg. Sowohl im französischen Wirtschaftsministerium als auch bei Bouygues war niemand für eine Stellungnahme zu erreichen.

General Electric setzt verstärkt aufs Industriegeschäft. Firmenchef Jeff Immelt verkleinert den Finanzzweig und hat sich mit dem Verkauf von NBC-Universal aus dem Mediengeschäft zurückgezogen. Das US-Unternehmen ist der Erzrivale von Siemens und konkurriert mit den Münchenern auch in der Medizintechnik. GE verfügte Ende letzten Jahres über rund 89 Milliarden Dollar an liquiden Mitteln, darunter 57 Milliarden Dollar außerhalb der USA.

Kommentare (15)

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24.04.2014, 09:53 Uhr

"General Motors setzt verstärkt aufs Industriegeschäft.... Das US-Unternehmen ist der Erzrivale von Siemens"

Baut Siemens neuerdings Autos? Oder einfach wieder mal ein Versehen der HB-Redakteure? Naja, Kleinigkeiten...

Account gelöscht!

24.04.2014, 10:54 Uhr

Es geht hier nicht um General Motors (GM) sondern um General Electric (GE). Und die sind tatsächlich Wettbewerber von Siemens.

Account gelöscht!

24.04.2014, 11:32 Uhr

HB schreibt 'General Motors'. Können Sie nicht lesen?

Es ist wohl klar, dass damit GE gemeint war -- aber trotzdem vielen Dank für Ihre oberlehrerhafte Belehrung.
Ich hätte eine Richtigstellung von HB erwartet, nicht vom HB-Leser.

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