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05.01.2005

10:22 Uhr

Interesse von Chinesen und Südkoreanern für europäische Firmen nimmt zu

Asiatische Unternehmen kaufen ein

VonMarkus Gärtner (Handelsblatt)

Europas Unternehmen geraten in den kommenden zwei Jahren stark ins Visier übernahmehungriger asiatischer Firmen. Das sagen zahlreiche Analysten zwischen Schanghai, Hongkong und Singapur vorher.

VANCOUVER. Die Prognose hat einen plausiblen Hintergrund: Viele Firmen des aufstrebenden Kontinents haben seit der Finanzkrise 1997 konsequent ihre Schulden reduziert, und zahlreiche Konzerne in China rüsten – unterstützt von der Regierung – für ihre weltweite Expansion, die ihnen Märkte, Marken und Know-how auf dem Alten Kontinent erschließen soll.

„Auf Europa schwappt eine Fusionswelle zu“, bestätigt in Hongkong der regionale Stratege bei Citigroup Smith Barney, Markus Rösgen. Er hat ausgerechnet, dass der Anteil der Nettoschulden am Eigenkapital bei Asiens Firmen – außerhalb Japans – nach der Finanzkrise bei 81 Prozent lag, dass dieser Wert aber bis Ende 2005 auf 15 Prozent fallen wird, um 2006 eine völlige Entschuldung zu erreichen. „Diese Firmen müssen viel Cash-Flow investieren“, sagt Rösgen, „zu Hause haben sie schwachen Konsum, während sie mit Engagements auf Auslandsmärkten häufig Handelsstreitigkeiten umgehen können“.

Bereits 2004 haben nicht nur chinesische Firmen auf sich aufmerksam gemacht, wie bei der Übernahme des PC- und Notebook-Geschäfts von IBM im Dezember durch Chinas Computerprimus Lenovo. Auch in Südkorea meldete das Finanzministerium bis Oktober eine Zunahme koreanischer Direktinvestitionen in Europa von 171 Prozent.

China führt als dynamischste Volkswirtschaft in Asien auch diesen Trend an. „Das ist erst der Anfang“, sagt der Präsident von Global Advisors in Kalifornien, Donald Straszheim. Was Straszheim nicht sagt, was aber an Asiens Börsen schon als Gewissheit gilt, ist der Zusammenhang zwischen dem Wechselkurs von Chinas Renminbi und dem Übernahmehunger. Sollte Chinas Regierung 2005 den Renminbi aufwerten, würde das die Kaufkraft chinesischer Firmen in Europa und den USA schlagartig erhöhen. Die Ratingagentur Standard & Poor’s bescheinigte Chinas Firmen schon im Sommer „wachsende Kreditqualität“, noch bevor der VW-Partner SAIC in Schanghai die geplante Übernahme von Rover bekannt gab und bevor jemand von dem IBM-Lenovo-Deal auch nur ahnte. Im November erwarb dann Cosco Pacific, der an Hongkongs Börse notierte Arm der größten chinesischen Reederei China Ocean Shipping, 25 Prozent der Anteile am neuesten Terminal im Hafen von Antwerpen. Auch der Chefstratege bei Credit Suisse Asset Management, Philipp Vorndran, betont: „China greift bald in Europa zu“.

Wohin es die Chinesen in Deutschland treiben wird, sagt in seiner neuesten Studie das Investmenthaus Alliance Bernstein, das vor Weihnachten einen Bericht über Chinas weltweite Expansionsgelüste mit der Frage überschrieb, „Ist die Welt wirklich vorbereitet?“. „Chinas Wachstum kreiert eine Reihe neuer Wettbewerber in globalen Industrien“, heißt es dort, „aufsteigende chinesische Firmen werden etablierte Märkte rund um den Globus durcheinander wirbeln“. Die größten Überraschungen für westliche Firmen sieht Alliance Bernstein mit einem zeitlichen Horizont von sieben Jahren für Hersteller langlebiger Konsumgüter, Kommunikationsausrüster, IT-Unternehmen sowie für Autohersteller und ihre Zulieferer. In Peking kursieren seit Monaten Gerüchte, wonach Lenovo nach seinem IBM-Deal auch in Deutschland mit einem regionalen Hauptquartier in Berlin Fuß fassen will. Und sollte sich Siemens von seiner schwierigen Handy-Sparte trennen, so berichten chinesische Brancheninsider, dann würden Interessenten aus dem Reich der Mitte nicht lange zögern. Namen werden freilich noch nicht genannt.

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