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24.01.2005

08:14 Uhr

Internationale Ölmultis sehen dagegen langfristige Perspektiven

BP meidet Projekte im Iran aus Sorge vor Druck der US-Regierung

VonThomas Wiede (Handelsblatt)

BP-Chef John Browne will aus Sorge vor politischem Druck aus den USA auch in Zukunft nicht im Iran investieren. „Im Augenblick wäre es ein Affront gegen die USA, im Iran Geschäfte zu machen, und daher nicht im Interesse von BP“, sagte der Chef des größten Ölkonzerns Europas am Freitag in London. BP ist der größte Öl- und Gasproduzent in den Vereinigten Staaten, die den Iran mit Sanktionen belegt haben.

BP sieht im Iran keine Perspektiven. Foto dpa

BP sieht im Iran keine Perspektiven. Foto dpa

HB DÜSSELDORF. Die US-Administration macht das zweitgrößte Förderland der Opec für die Verbreitung von Terrorismus verantwortlich und beschuldigt Iran, Atomwaffen zu entwickeln. Erst vergangene Woche hatte US-Vizepräsident Richard Cheney Iran an die Spitze aller Krisenherde in der Welt gesetzt. Auch Präsident George W. Bush verschärfte die Rhetorik gegenüber Teheran.

BP hatte im Iran in der Vergangenheit immer wieder Gespräche geführt. Zu Abschlüssen war es aber nie gekommen, auch wegen der Unzufriedenheit des Konzerns über die Konditionen der so genannten „buy-back“ Verträge, die Iran ausländischen Investoren anbietet.

Im Unterschied zu BP sieht der französische Konzern Total weiter eine Perspektive im Iran: „Wir haben in der Vergangenheit erfolgreich mit der nationalen iranischen Ölgesellschaft zusammengearbeitet und werden dies auch in Zukunft tun“, sagte eine Konzernsprecherin dem Handelsblatt. Die Nummer drei in Europa ist im Iran unter anderem an der Entwicklung des derzeit größten Gasfeldes der Welt beteiligt.

Auch Royal Dutch/Shell erkennt keinen Anlass, sich aus dem Iran zurückzuziehen. Ein Sprecher reagierte aber zurückhaltend: „Wir glauben an das langfristige Geschäftspotenzial im Iran. Bei Investitionsentscheidungen werden wir aber selbstverständlich die Meinung von Regierungen und von unseren Aktionären berücksichtigen“. Der Konzern gehört auch nicht zu den großen Investoren im Iran. Shell entwickelt ein Ölfeld und verhandelt als Teil eines Konsortiums mit Repsol über den Bau einer Anlage zur Gasverflüssigung. Iran verfolgt ein ehrgeiziges Programm, um seine Öl- und Gasförderung in den kommenden Jahren auszubauen. Vor allem Energiekonzerne aus Indien, Japan und China haben sich zu Investitionen in Milliarden-Höhe entschlossen – selbst wie im Fall des japanischen Konzerns Inpex gegen starken Druck aus den USA. Aber auch das US- Ölservice-Unternehmen Halliburton ist weiter im Iran aktiv.

BP macht wiederum die ersten Schritte im Nachbarland Irak, das nach Schätzungen der Internationalen Energieagentur (IEA) über die drittgrößten Ölreserven der Welt verfügt. BP wie auch die Nummer zwei in Europa, Royal Dutch/Shell, haben kürzlich eine Vereinbarung mit dem irakischen Ölministerium geschlossen. Die beiden Konzerne nehmen nun technische Studien an den beiden größten Ölfeldern im Zweistromland vor. Eine Garantie für spätere Förderrechte ist damit aber nicht verbunden. Analysten betrachten das Engagement der beiden Konzerne daher auch sehr zurückhaltend.

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