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27.06.2012

19:02 Uhr

Internes Schreiben

Eon hatte Kontakt zu Kreml-Lobbyisten

VonJürgen Flauger, Jan Keuchel

Eon soll für Russland-Geschäfte die Hilfe des Lobbyisten Andrey Bykov in Anspruch genommen haben. Das Thema ist heikel: Bykov steht im Mittelpunkt einer Affäre, die dem Energiekonzern EnBW schwer zu schaffen macht.

Eon-Zentrale in Essen: Das Schreiben sei rein persönlich. dapd

Eon-Zentrale in Essen: Das Schreiben sei rein persönlich.

DüsseldorfDie Mittler-Tätigkeit des russischen Lobbyisten Andrey Bykov im Beziehungsgeflecht zwischen deutschen Energieversorgen und russischen Geschäftspartnern war viel umfangreicher als bisher angenommen. So stand Bykov offenbar seit Jahren nicht nur in engem Kontakt mit EnBW - sondern auch mit Deutschlands größter Gasgesellschaft Eon Ruhrgas. Das belegt ein Schreiben, das dem Handelsblatt vorliegt.

In dem persönlich gehaltenen Brief von Februar 2011 betont der Russland-Vertreter von Eon Ruhrgas, Reiner Hartmann, nicht nur die 18 Jahre dauernde Zusammenarbeit mit Bykov. Er nennt zugleich ein konkretes gemeinsames Projekt, nämlich "Deine Vermittlung 1998 der 3,5% Beteiligung der Ruhrgas AG an der Gazprom, die 12 Jahre lang die Europäische Energielandschaft geprägt hat."

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Mit Millionen sollte Bykov für EnBW in Russland ein gutes Geschäftsklima schaffen.

Der Brief trägt den Briefkopf von Eon Ruhrgas, ist an Bykov adressiert und beginnt mit der Zeile "Lieber Andrey". Auf Anfrage aber teilt Eon Ruhrgas mit: "Geschäfte zwischen Herrn Bykov und E.ON oder E.ON Ruhrgas gab und gibt es nicht", stattdessen beschränke sich die in dem Schreiben erwähnte Zusammenarbeit "auf persönliche Kontakte zwischen Herrn Hartmann und Herrn Bykov." Einen Vermittlungsauftrag habe es nicht gegeben.

Das Thema ist heikel. Schließlich steht der Russe Bykov zurzeit im Mittelpunkt einer Affäre, die dem Karlsruher Energieversorger Energie Baden-Württemberg (EnBW) schwer zu schaffen macht. Seit Jahren streiten sich Bykov und EnBW vor drei Schiedsgerichten in Stockholm, Zürich und Berlin um rund 130 Millionen Euro. Die Auseinandersetzung basiert auf Verträgen aus den Jahren 2005 bis 2008, die rein inhaltlich drei kerntechnische Themen aufweisen: die Lieferung und Sicherung von Uran, ein System zur Kontrolle und Überwachung von Atomtransporten sowie Hilfe beim Rückbau des Kernkraftwerks Obrigheim.

Andrey Bykov und EnBW

Laufbahn

Andrey Bykov, gebürtiger Russe, wuchs in Berlin auf und arbeitete bis Anfang der 90er-Jahre für die UdSSR als Diplomat in Bonn. Seit dem Ausscheiden aus dem diplomatischen Dienst arbeitet der heute 50-Jährige als Lobbyist und verhalf vielen deutschen Unternehmen zu Geschäften in Russland. So fädelte er die Gründung von Wingas mit ein, Eon/Ruhrgas verhalf er zu einer Beteiligung an Gazprom. Für EnBW arbeitet Bykov seit rund 20 Jahren. Bykov ist Präsident der wohltätigen Stiftung "Heiliger Nikolaus, der Wundertäter". Sie kümmert sich nach eigenen Angaben um kirchliche Einrichtungen und soziale Projekte in Russland. Utz Claassen, von 2003 bis 2007 EnBW-Chef, erhielt im Bykovs Beisein im Juli 2005 als erster Nicht-Russe das Kreuz des Ordens des Heiligen Nikolaus.

Rechtsstreit

Seit Jahren streiten sich Bykov und die EnBW vor drei Schiedsgerichten in Stockholm, Zürich und Berlin um 130 Millionen Euro. Es geht um Verträge aus den Jahren 2005 bis 2008 zu kerntechnischen Themen, etwa die Lieferung und Sicherung von Uran. EnBW behauptet, Bykov habe die Leistungen nicht erbracht. Bykov dagegen sagt, die kerntechnischen Leistungen seien gar nicht gefragt gewesen. Die Verträge hätten nur dazu gedient, seine Lobbyisten-Dienste zu verschleiern. In Wahrheit habe er Geld dafür erhalten, der EnBW Zugang zu russischen Gasfeldern zu verschaffen.

EnBW behauptet, Bykov habe diese Leistungen nicht erbracht. Bykov dagegen verteidigt sich damit, dass dies auch so geplant und gewünscht war, da die Verträge nur den Zweck hatten, seine Lobbydienste zu verschleiern. In Wahrheit habe er Geld dafür erhalten, der EnBW Zugang zu russischen Gasfeldern zu verschaffen, sagte Bykov in einem Interview mit dem Handelsblatt. Dazu habe er das Geld in die "Stiftung des Heiligen Nikolaus, der Wundertäter" gesteckt und über diese zur "Klimapflege" in Russland Kirchen, Denkmäler und Schulen gebaut.

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