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28.10.2013

08:12 Uhr

Interview Daimler-Chef Zetsche

„Parteispenden sehen wir als staatsbürgerliche Pflicht“

ExklusivDaimler-Chef Dieter Zetsche zweifelt, dass bei den Elektro-Ambitionen des Konkurrenten BMW „Aufwand und Nutzen in Einklang zu bringen sind“. Er verteidigt, einen Spitzenpolitiker zu Daimler geholt zu haben.

Daimler-Chef Zetsche im Interview: Die nächste S-Klasse soll selbstständig überholen können. Andy Ridder für Handelsblatt

Daimler-Chef Zetsche im Interview: Die nächste S-Klasse soll selbstständig überholen können.

DüsseldorfDer Autobauer Daimler sieht sich bei der Elektromobilität vor der deutschen Konkurrenz. Daimler sei im Markt sehr präsent, sagte Vorstandschef Dieter Zetsche dem Handelsblatt (Montagausgabe). „Mit rund 40 Prozent Marktanteil sind wir Marktführer bei Batteriefahrzeugen in Deutschland.“ Diese Position beruhe vor allem auf den hohen Verkaufszahlen des Elektro-Smarts. Ab dem kommenden Jahr hat Daimler auch eine elektrische B-Klasse im Angebot, die auf Technik des US-Kooperationspartners Tesla zurückgreift.

Den Vorstoß des Münchener BMW, mit der i-Serie spezielle Elektrofahrzeuge zu entwickeln, hält Zetsche für mutig. Das sei ein teurer Weg. „Wir sehen aber nicht, dass Aufwand und Nutzen in Einklang zu bringen sind.“ Den Vormarsch von Google und anderer Internetfirmen in das Geschäft mit der Mobilität fürchtet der Daimler-Chef nicht. „Daimler hat in den vergangenen 127 Jahren den nachhaltigen Beweis erbracht, ein Vorreiter im Markt zu sein“, sagte er. Aber selbst Tesla müsse noch beweisen, dass die Firma nachhaltig am Markt bestehen könne.

Die zehn größten Autohersteller Europas

Platz 10

Nissan

Verkaufte Fahrzeuge: 0,35 Millionen (-2,8 Prozent gegenüber Vorjahr)

Platz 9

Toyota

Verkaufte Fahrzeuge der Marken Toyota und Lexus: 0,43 Millionen (- 2,0 Prozent gegenüber Vorjahr)

Platz 8

Daimler

Verkaufte Fahrzeuge der Marken Mercedes-Benz und Smart: 0,56 Millionen (+5,1 Prozent gegenüber Vorjahr)

Platz 7

Fiat Gruppe

Verkaufte Fahrzeuge der Marken Fiat, Lancia/Chrysler, Alfa Romeo, Jeep: 0,62 Millionen (- 8 Prozent gegenüber Vorjahr)

Platz 6

BMW Gruppe

Verkaufte Fahrzeuge der Marken BMW und Mini: 0,64 Millionen (+ 0,1 Prozent gegenüber Vorjahr)

Platz 5

Ford

Verkaufte Fahrzeuge: 0,75 Millionen (-4,8 Prozent gegenüber Vorjahr)

Platz 4

General Motors

Verkaufte Fahrzeuge der Marken Opel, Vauxhall, Chevrolet, GM: 0,8 Millionen (- 5,6 Prozent gegenüber Vorjahr)

Platz 3

Renault Gruppe

Verkaufte Fahrzeuge der Marken Renault, Dacia: 0,89 Millionen (+1,8 Prozent gegenüber Vorjahr)

Platz 2

PSA Gruppe

Verkaufte Fahrzeuge der Marken Peugeot und Citroën: 1,11 Millionen (-10,3 Prozent gegenüber Vorjahr)

Platz 1

Volkswagen

Verkaufte Fahrzeuge der Marken VW, Audi, Seat, Skoda: 2,49 Millionen (-2,6 Prozent gegenüber Vorjahr)

Quelle

Die umstrittene Berufung von Staatsminister Eckhart von Klaeden zum Cheflobbyisten des Stuttgarter Autobauers verteidigt Zetsche. Diese Debatte verstehe er nicht, sagte der Chef der Mercedes-Mutter. „Eigentlich sollte es selbstverständlich sein, dass unser Mann vor Ort in Berlin und Brüssel über ein gutes Netzwerk verfügen muss.“ Sonst könne der seinen Job nicht machen.

Klaeden hatte Ende Mai seinen Wechsel zu Daimler bekanntgegeben. In die Kritik geriet er, weil er als Staatsminister wiederholt an Treffen mit Vertretern der Autoindustrie teilgenommen hatte. Nach einer Anzeige prüft die Berliner Staatsanwaltschaft, ob Klaeden im Zusammenhang mit seinem Jobwechsel wegen „Vorteilsnahme“ und „Vorteilsgewährung“ ein Verfahren eingeleitet werden muss.

In dem Interview mit dem Handelsblatt wies Zetsche auch Kritik an Parteispenden zurück. Daimler spende regelmäßig an politische Parteien. „Wir sehen dies als staatsbürgerliche Pflicht und unseren Beitrag zur Entwicklung unserer parlamentarischen Demokratie an“, sagte der Daimler-Chef. Diese Spenden würden pflichtgemäß veröffentlicht. „Im Jahr 2013 erhielten CDU und SPD je 100.000 Euro von uns, FDP, Grüne und CSU je 40.000 Euro.“

Kommentare (12)

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Account gelöscht!

28.10.2013, 08:29 Uhr

Das hat der alte Flick auch gesagt - ein Schelm, wer boeses dabei denkt....

jos

Gast1001

28.10.2013, 08:45 Uhr

Womit er vollkommen Recht hat. Die einzelnen Buerger sind zu knickerik. Wollen nur HABEN!

eksom

28.10.2013, 08:50 Uhr

Wenn Sie die "korruptionsfördernden"- Spenden aus Ihrer eigenen privaten Tasche bezahlen, hat bestimmt keiner etwas dagegen! Aber, wenn die Spenden über die Fahrzeugpreise indirekt hereingeholt werden, dann habe ich etwas dagegen.

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