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20.07.2011

07:26 Uhr

Interview Firmenchef Jimenez

Wie Novartis dem Alptraum entkommen will

VonSiegfried Hofmann

ExklusivNovartis hat tolle Zahlen vorgelegt. Doch darauf will sich Joseph Jimenez nicht ausruhen: Der Chef des Pharmakonzerns erklärt im Gespräch mit dem Handelsblatt, wie er mit Zukäufen und neuen Produkten wachsen will.

Novartis-Chef Joe Jimenez. Quelle: dpa

Novartis-Chef Joe Jimenez.

FrankfurtEs ist der Albtraum vieler Pharmainvestoren: Patentabläufe und Nachahmer-Konkurrenz lassen das Geschäft der großen Arzneihersteller erodieren - zugleich können weder hohe Forschungsinvestitionen noch milliardenteure Zukäufe diesen Niedergang aufhalten.

Zumindest das Schweizer Pharmaunternehmen Novartis kann die nervösen Anleger beruhigen. Konzernchef Joseph Jimenez verspricht, Novartis werde nicht nur 2011 operativ zulegen, sondern auch in den Folgejahren - also dann, wenn mehrere wichtige Patente auslaufen.

"Wir gehen davon aus, dass Novartis dank unserer Neuentwicklungen und der neuen Wachstumsfelder auch während dieser Patentflaute weiter expandieren wird", sagte Jimenez im Gespräch mit dem Handelsblatt. Für 2011 stellt er ein Umsatzplus von etwa zehn Prozent und eine weitere Verbesserung der operativen Marge in Aussicht.

Novartis ist nach Pfizer der zweitgrößte Arzneihersteller. Wie die gestern vorgelegten Zahlen für das zweite Quartal zeigen, hat der Konzern bereits einige Vorarbeit für das versprochene Wachstum geleistet. Der Umsatz stieg um gut ein Viertel auf 14,9 Milliarden Dollar, der Nettogewinn legte trotz einiger Sonderbelastungen noch um zwölf Prozent auf 2,7 Milliarden Dollar zu. Der operative Kerngewinn erhöhte sich um knapp 30 Prozent auf 4,2 Milliarden Dollar. Bei diesem Wert sind Sonderfaktoren wie Restrukturierungskosten, Veräußerungsgewinne und Abschreibungen auf immaterielle Güter ausgeklammert.
Die Börse honorierte die überraschend starken Zahlen mit einem Kursplus von zeitweise mehr als drei Prozent. "Die Ergebnisse sind sowohl beim Umsatz als auch beim Gewinn besser als erwartet", kommentierten die Analysten von Jefferies. "Und es wurde - was noch wichtiger ist - die versprochene Margenverbesserung gebracht."

Novartis profitierte von der Abwertung des Dollars und der Integration des Augenheilkunde-Konzerns Alcon, den die Schweizer für 50 Milliarden Dollar übernommen haben. Bereinigt um diese Faktoren errechnet sich ein Umsatzplus von etwa sieben Prozent.
Interesse an Zukäufen.

Eine weitere Verbreiterung des Geschäfts sei für Novartis nicht zwingend erforderlich, sagte Jimenez. "Aber das schließt nicht aus, dass wir noch eine zusätzliche Säule etablieren könnten, wenn sich die richtige Gelegenheit bietet." Interesse an Zukäufen signalisiert der Novartis-Chef im Geschäft mit rezeptfreien Medikamenten, Generika, Tiermedizin oder Impfstoffen.

Ob er sich für die Tierarznei-Sparte von Pfizer interessiert, die der US-Konzern möglicherweise veräußern wird, lässt Jimenez offen. "Angesichts unserer Strategie der ergänzenden Zukäufe ist klar, dass wir uns jedes Objekt, das auf den Markt kommt, anschauen", sagte er. Im Kernbereich Pharma ziehe man Lizenzverträge mit Biotechfirmen Zukäufen vor.

Zudem sei Novartis mit eigenen Neuentwicklungen gut gerüstet. Jimenez verweist auf sieben Produktkandidaten in der Pipeline mit Potenzial für Milliardenumsätze, darunter zum Beispiel das bereits zugelassene Nierenkrebsmittel Afinitor, das jüngst auch gegen Brustkrebs sehr gute Daten lieferte.

Medikamente die Novartis seit 2007 neu auf den Markt brachte, lieferten im zweiten Quartal mehr als ein Viertel der Pharmaerlöse und verbuchten eine Umsatzsteigerung von 34 Prozent. Der Novartis-Chef wertet den Erfolg der Neuentwicklungen als einen Beleg dafür, dass Investitionen in die Pharmaforschung - entgegen manchen Zweifeln - weiterhin Wachstum generieren können. Anders als bei einigen US-Konzernen seien Kürzungen im F+E-Bereich daher kein Thema.

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