Handelsblatt

MenüZurück
Wird geladen.

04.05.2011

17:00 Uhr

Interview Johannes Teyssen

Eon-Chef geht bei Atomausstieg auf Konfrontation zu Merkel

ExklusivEon-Chef Johannes Teyssen hält, anders als die Regierung, einen schnellen Atomausstieg für unrealistisch. Dem Handelsblatt schildert der Strom-Manager, wie es aus seiner Sicht laufen muss.

Eon-Chef Teyssen: "Nicht nur ein Ziel formulieren, sondern auch einen Pfad dorthin". Quelle: dapd

Eon-Chef Teyssen: "Nicht nur ein Ziel formulieren, sondern auch einen Pfad dorthin".

DüsseldorfEon-Chef Johannes Teyssen hält einen Atomausstieg vor dem Jahr 2025 für unrealistisch. "Ich kann mir nicht vorstellen, dass ein Ausstieg vor 2025 mit Blick auf Klimaziele und volkswirtschaftliche Konsequenzen realistisch ist", sagte er im Gespräch mit dem Handelsblatt.

Damit widerspricht der Manager einen Tag vor der Hauptversammlung in Essen den Vorstellungen der schwarz-gelben Koalition, die zurzeit radikale Schritte zum Atomausstieg erwägt. In der Bundesregierung wird erwogen, vom bisherigen System der Reststrommengen abzukehren und ein festes Ausstiegsdatum festzulegen. Nach dem geltenden Verfahren hätten die Reaktoren die Mengen frei verbrauchen können - nun geht es um einen Ausstieg bis zum Jahr 2020, wie einflussreiche Koalitionspolitiker fordern.

Wie das Handelsblatt berichtete, haben Kanzlerin Angela Merkel mit Kanzleramtsminister Ronald Pofalla und Umweltminister Norbert Röttgen bereits den Plan eines Enddatums erörtert. Nach dem rot-grünen Ausstiegsplan würde die Kernenergie um die Jahre 2022/2023 auslaufen.

Der Eon-Chef plädiert nun immerhin dafür, nicht nur ein Mindestdatum für den Ausstieg festzulegen, sondern auch einen definierten, "ein Stück weit aber auch flexiblen Pfad mit verschiedenen Kontrollstationen". "Ich fände es sinnvoll, wenn wir nicht nur ein Ziel formulieren, sondern auch einen Pfad dorthin. Und wenn wir auf halber Wegstrecke einen Boxenstopp machen, um zu prüfen, ob wirklich alles wie geplant läuft", sagte Teyssen.

So könnte beispielsweise im Jahr 2016 geprüft werden, wie viele der 4000 Kilometer, die zusätzlich an Stromleitungen benötigt werden um die erneuerbaren Energien auszubauen, schon gebaut seien, oder wie die Strompreise bis dahin reagiert haben. Bei Bedarf könnte der Weg dann angepasst werden.

Kommentare (5)

Selber kommentieren? Hier zur klassischen Webseite wechseln.  Selber kommentieren? Hier zur klassischen Webseite wechseln.

Garfield

04.05.2011, 18:02 Uhr

Es gibt kein Vertrauensschutz auf Profite von Monopolisten in Bezug auf ein unkalkulierbares Restrisiko, das laut Atomgesetz fast nur die Steuerzahler tragen müssen, aber nicht die Oligopolisten!
Da kein Zwischenlager und kein altes AKW in D. gegen Terrorangriffe und Flugzeugabstürze baulich gesichert, dürften sie eigentlich nicht 1 Tag länger betrieben werden, denn das Risiko tragen dafür alle Steuerzahler, die in der Mehrheit die Atomkraft schon lange ablehnen!
Würden die Oligopolisten nur 50 % der Kosten eines GAU (über 2,5 Bio. Euro) versichern müssten, läge der Strompreis aus AKW über 1 Euro/kWh!

Morchel

04.05.2011, 20:01 Uhr

Haben diese Gesetze auch für Liquitatoren Gültigkeit du Spinner hoffe du bist einer der ersten die sich dann einfinden. Cäsium 137 ist immer noch 300 jahre aktiv in Bayern, war ein Gruss aus der UK. Bei mir wärst du schon 3 Wochen in Japan.

Alfred_H

04.05.2011, 20:16 Uhr

Wir dürfen eines nicht vergessen. Die Wirtschafts- und Energiekonzernbosse wollen nur ihre Geldgier befriedigen und ihre wirtschaftliche Macht demonstrieren. Sie werden sich nunmal nicht mit sinken Gewinnen und schon garnicht mit sinkenden Einkommen abfinden. Wenn also die vorausberechneten Gewinne sinken, dann wird vorsorglich der Energiepreis verteuert. Die Politiker werden es schweigend hinnehmen. Erstens sagen sie sich, dass der AKW-Gegner nunmal die Kosten für den Atomausstieg tragen muss. Denn er hat es ja so gewollt. Zweitens sitzen die Politiker mit in den Energiekonzern-Vorständen und wollen ja auch nach der Politiker-Karriere einen Frühstücksdirektoren-Job in einem Konzern haben. Und drittens bedeutet ein höherer Energiepreis auch höhere Steuereinnahmen. Der Verbraucher hat ja auch noch die Möglichkeit Energie zu sparen. Die Konzerne bekommen den Strom selbstverständlich vergünstigt. Merkel macht die Bosse reich. Der Verbraucher zahlt die Zeche. Dass es so kommt ist klar und die Schuld daran trägt der Verbraucher selbst.

Direkt vom Startbildschirm zu Handelsblatt.com

Auf tippen, dann auf „Zum Home-Bildschirm“ hinzufügen.

Auf tippen, dann „Zum Startbildschirm“ hinzufügen.

×