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31.03.2012

13:13 Uhr

Interview

„Mir fehlt eine sinnvolle Ordnungspolitik für den Energiemarkt“

VonJürgen Flauger, Wolfgang Reuter, Gabor Steingart

Eon-Chef Johannes Teyssen will die Energiewende, doch der fehlt es bislang an politischer Struktur. Deshalb steht Teyssen dem Atomausstieg derzeit skeptisch gegenüber, obwohl er technisch möglich ist.

Johannes Teyssen steht seit Mai 2010 an der Spitze von Eon. Reuters

Johannes Teyssen steht seit Mai 2010 an der Spitze von Eon.

Handelsblatt: Herr Teyssen, die Energiewende und der Atomausstieg spalten die deutsche Gesellschaft. Geht dieser Riss eigentlich auch durch Ihre Familie?

Johannes Teyssen: Einen Riss gibt es nicht. Aber durchaus unterschiedliche Meinungen, auch zur Kernenergie. Das war schon vor dem Reaktorunglück von Fukushima so. Ideologische Grabenkämpfe sind daraus nie entstanden, wohl aber fruchtbare Diskussionen. 
   

Hat Fukushima nicht auch Ihre Einstellung zur Kerntechnik erschüttert?

Natürlich habe ich mich gefragt, ob unsere Kernkraftwerke auch extremen Szenarien standhalten. Und ich vertraue dabei nicht einfach darauf, dass die Systeme, die in der Vergangenheit immer stabil waren, das notwendigerweise auch in der Zukunft sind. Aber wenn ich der Meinung wäre, der Betrieb unserer verbliebenen vier Kernkraftwerke sei nicht zu vertreten, würde ich sie vom Netz nehmen.

  Sie haben stets betont, Deutschland könne „nicht auf die Kernenergie verzichten, wenn die Stromversorgung bezahlbar bleiben soll“. Wie kommen Sie in der neuen Energiewelt zurecht?

Deutschland hat sich mit einer klaren Mehrheit für diesen Weg entschieden. Das müssen wir akzeptieren. Ich habe auch nie behauptet, dass es technisch nicht möglich ist, auf die Kernenergie zu verzichten – viele Länder hatten ja nie Kernkraftwerke. Ich bleibe aber dabei, dass wir so eine Entscheidung nicht umsonst bekommen. Die Energiewende wird den Strom definitiv verteuern. 
  

Jetzt geben Sie sogar freiwillig Ihre Pläne auf, gemeinsam mit RWE in Großbritannien Kernkraftwerke zu bauen. Sind Sie selbst nicht mehr davon überzeugt, dass die Kernkraft eine Zukunftstechnologie ist?

Das ist in keiner Weise eine grundsätzliche Absage an die Kernenergie, sondern ausschließlich eine Entscheidung über die Verwendung unserer Investitionsmittel. Wir sind zu dem Ergebnis gekommen, dass Investitionen in erneuerbare Energien, dezentrale Erzeugung und Energieeffizienz attraktiver sind – für uns ebenso wie für unsere britischen Kunden. 

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