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10.01.2009

09:00 Uhr

Interview mit: Günter Müller-Stewens

„Manager geraten in Misskredit“

VonBert Fröndhoff

Junge Menschen stehen Managern und der Wirtschaft im Allgemeinen zunehmend kritisch gegenüber. Günter Müller-Stewens, Professor für strategisches Management an der Universität St. Gallen, hält einen Strategie-Wechsel für Unternehmen unumgänglich - im Handelsblatt-Interview spricht er über das Fehlen gesellschaftlicher Werte und Verantwortung.

In den Augen junger Menschen haben Manager drastisch an Coolness verloren. Foto: PR

In den Augen junger Menschen haben Manager drastisch an Coolness verloren. Foto: PR

Handelsblatt: Herr Müller-Stewens, vor welchen strategischen Herausforderungen stehen Unternehmen?

Günter Müller-Stewens: Wie immer im Konjunkturabschwung müssen sich die Unternehmen nun intensiver mit ihren Kosten beschäftigen. Strategisch ist die Herausforderung, sich dadurch nicht die Zukunft zu verstellen. Doch Kosten sind nur ein kleiner Teil. Die Agenda für die Unternehmensführung war noch nie so lang wie heute. Wir stecken ja nicht nur in einer Finanzkrise. Die Wirtschaft selbst steckt auch in einer tiefen Sinnkrise. Das Management als Berufsstand hat in historischem Ausmaß an Reputation und Vertrauen verloren. Es ist in Misskredit geraten. Denken Sie nur an den trostlosen Auftritt der Chefs der Autokonzerne im US-Kongressausschuss. Dieses Bild sagte viel.

Woran liegt dieser Verlust?

Ein Teil der Wirtschaftselite hat das Augenmaß dafür verloren, was gesellschaftlich noch akzeptabel ist. Die Folge ist sinkendes Vertrauen. Junge Menschen sehen die Unternehmen zunehmend kritisch. Das trifft nicht nur die Vorstandsriegen, sondern die Wirtschaft als Ganzes. Man weiß nicht mehr, ob sie wirklich dem Gemeinwohl dienen will. Leider überdecken derzeit diese Entwicklungen die verantwortungsvolle Arbeit, die nach wie vor sehr viele Führungskräfte in den Unternehmen machen.

Bezieht sich Ihre Kritik vor allem auf die Managergehälter?

Die Gehälter sind nur eine Facette der Diskussion, aber dafür eine sehr plastische. Die wachsenden Differenzen zwischen den Einkommenssteigerungen von Top-Managern und "normalen" Mitarbeitern in einer ganzen Reihe von Großunternehmen sind für die meisten Menschen nicht nachvollziehbar. Es gibt Branchen, in denen der Durchschnittsmitarbeiter real heute nicht mehr verdient als vor zehn Jahren. Das Argument, eine solche Bezahlung sei im internationalen Rahmen üblich, hilft da nicht weiter.

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