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05.01.2009

07:09 Uhr

Interview mit Thomas Weber

Daimler-Vorstand: „Wir sehen beträchtliches Potenzial“

ExklusivZukunftsmarkt Batterietechnik: Der Autokonzern Daimler sucht mit seinen Lithium-Ionen-Batterien den direkten Wettbewerb mit großen Zuliefererkonzernen wie Bosch. "Mittelfristig ist auch der Verkauf an Dritte möglich", sagte der Daimler-Vorstand Thomas Weber. Im Interview erklärt Weber, warum er auch in der Krise in die Weiterentwicklung der Hochleistungsakkus investieren will.

Daimler-Vorstand Thomas Weber: "Wir gehen von einem Antriebsmix aus, der modernste Verbrennungsmotoren, Hybride, Brennstoffzellen- und Batteriefahrzeuge beinhalten wird." ap

Daimler-Vorstand Thomas Weber: "Wir gehen von einem Antriebsmix aus, der modernste Verbrennungsmotoren, Hybride, Brennstoffzellen- und Batteriefahrzeuge beinhalten wird."

Handelsblatt: Herr Weber, die Automärkte brechen weltweit ein. Eines der wenigen Wachstumssegmente sind kleinere Autos. Braucht Daimler rasch mehr sparsame Modellvarianten?

Thomas Weber: Mit unserem Produktportfolio sind wir gut aufgestellt. Der Smart Smart ist mit 88 g/km CO2-Champion und weltweit das meist verkaufte 3-Liter Auto. Und was viele nicht wissen: Fast jeder dritte Mercedes-Benz Pkw gehört heute schon zur Kategorie der Fünf-Liter-Autos. Unser Ansatz ist bestimmt nicht, zukünftig nur noch kleine Autos zu bauen. Wir setzen vielmehr auf innovative Technologien, um den Verbrauch unserer gesamten Produktpalette konsequent weiter zu senken, zum Nutzen unserer Kunden und der Umwelt. Und zwar vom Smart bis zur S-Klasse.

Sie haben ab 2009 jedes Jahr ein neues Hybridmodell angekündigt. Anfang Januar stellen Sie in Detroit die neue E-Klasse vor. Wird es von diesem Modell auch eine solche Version geben?

Definitiv. Wir bringen 2009 unsere neue E-Klasse mit einem komplett neuen Benzin- und Diesel-Motorenprogramm auf den Markt. Der 4-Zylinder Benziner wird dabei erstmalig auch mit einer neu entwickelten, innovativen Eco-Start-Stopp Funktion kombiniert. Mit dem S 400 BlueHYBRID mit Lithium-Ionen Batterie kommt im nächsten Jahr unser erstes Hybrid-Modell. Und von 2012 an, werden wir in allen Standard-Baureihen ab C-Klasse aufwärts unseren Kunden wahlweise Hybrid-Technik anbieten.

Im Dezember haben Sie Ihre Beteiligung an der Li-Tec GmbH und die Gründung eines gemeinsamen Joint-Ventures mit Evonik bekannt gegeben. Warum dieser Schritt?

Mit unserer Beteiligung an Li-Tec wollen wir unsere Kompetenz auf dem Gebiet der alternativen Antriebe noch weiter ausbauen. Und mit Evonik haben wir hier einen Partner an unserer Seite, der unser Know-how hervorragend ergänzt und mit dem wir gemeinsam die Forschung, Entwicklung und Fertigung von Batteriezellen vorantreiben werden. Darüber hinaus werden wir ein Joint-Venture gründen, mit klarem Fokus auf der Entwicklung und Produktion von Batterien für automobile Anwendungen. An diesem Joint-Venture hält Daimler 90 Prozent und Evonik 10 Prozent. Die dort produzierten Lithium-Ionen Batterien werden dann sowohl im Pkw- als auch im Nutzfahrzeug-Bereich verbaut. Mittelfristig ist auch der Verkauf an Dritte möglich. Wir sehen hier ein beträchtliches Potenzial im Upstream-Geschäft. Nicht zuletzt, weil wir der einzige Automobilhersteller sind, bei dem Forschung, Entwicklung und Fertigung von Lithium-Ionen Zellen und Batterien in einer Hand liegen.

Aber muss in der aktuellen wirtschaftlichen Situation nicht gerade gespart werden? Was bedeutet diese Kooperation für den Standort Deutschland?

Wir werden auch weiterhin konsequent in relevante Zukunftstechnologien investieren. Denn gerade in schwierigen Zeiten ist ein intelligentes Management gefragt. Es gilt genau zu priorisieren, aber ohne dabei die langfristigen Ziele außer Acht zu lassen. Unsere Beteiligung an Li-Tec und die Gründung des Batterie Joint-Ventures sind die richtigen Schritte zur richtigen Zeit - denn damit legen wir einen weiteren Meilenstein für die Serienfertigung von emissionsfreien Fahrzeugen und damit für die Zukunftsfähigkeit unseres Unternehmens. Wir schreiben damit aber auch ein Stück deutsche Industriegeschichte, denn wir holen die Batterie-Technologie zurück nach Deutschland.

Die Autohersteller geben derzeit Milliarden Euro aus, um neue Antriebstechnologien zu entwickeln. Welche Technik hat Ihrer Meinung nach die besten Chancen, sich in naher Zukunft neben dem Verbrennungsmotor zu etablieren?

Wir gehen von einem Antriebsmix aus, der modernste Verbrennungsmotoren, Hybride, Brennstoffzellen- und Batteriefahrzeuge beinhalten wird. Die Elektrifizierung von Fahrzeugen ist der Schlüssel zu nachhaltiger Mobilität. Der effiziente und saubere Verbrennungsmotor wird uns dabei noch eine ganze Weile begleiten. Hier ist jedoch ein klarer Trend zur Hybridisierung zu verzeichnen. In Ballungsräumen hingegen werden wir zunehmend emissionsfreie Batterie- und Brennstoffzellenfahrzeuge sehen. Wer im globalen Markt erfolgreich sein will, muss sich auf diesen Technologiemix einstellen.

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