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21.11.2011

06:39 Uhr

Interview mit VW-Chef

Winterkorn verspricht Rekord-Erfolgsbeteiligung

VonGabor Steingart, Martin-W. Buchenau, Mark C. Schneider

ExklusivGute Nachricht für die deutschen VW-Mitarbeiter. Sie bekommen die höchste Erfolgsbeteiligung aller Zeiten. Außerdem macht VW-Chef Winterkorn im Gespräch mit dem Handelsblatt seinem Ärger über die EU Luft.

VW-Mitarbeiter können sich über einen Bonus freuen. dpa

VW-Mitarbeiter können sich über einen Bonus freuen.

WolfsburgVom Erfolg des Autobauers Volkswagen profitiert die Kernbelegschaft dank höherer Erfolgsbeteiligung stärker als je zuvor in der Geschichte des Unternehmens. „Der Erfolgsbonus wird für 2011 ein neues Rekordniveau erreichen“, sagte Volkswagens Vorstandschef Martin Winterkorn im Interview mit dem Handelsblatt.

Der Konzern schüttet zehn Prozent des operativen Ergebnisses der Marke Volkswagen an die rund 100 000 Beschäftigten in Deutschland aus. Insgesamt beschäftigt Europas größter Autobauer nach Übernahme des Lastwagen-Herstellers MAN erstmals mehr als eine halbe Million Mitarbeiter, sagte Winterkorn.

Glänzende Zahlen legte VW in diesem Jahr vor - davon profitieren auch die Mitarbeiter. ap

Glänzende Zahlen legte VW in diesem Jahr vor - davon profitieren auch die Mitarbeiter.

Im Hinblick auf die im Frühjahr 2012 anstehenden Tarifverhandlungen gab der Chef von VW ein erstes Signal: „Angesichts der sich abzeichnenden konjunkturellen Probleme streben wir mindestens einen Inflationsausgleich an, und müssen dann sehen, ob wir uns darüber hinaus noch etwas leisten können.“ Die Tarifverhandlungen beim Autobauer starten Anfang kommenden Jahres.

Sorgen macht sich der Automanager angesichts der Staatsschuldenkrise in Europa. „Keine Frage: 2012 wird wesentlich härter, vor allem in Europa und da speziell in den hochverschuldeten Ländern wie Italien oder Spanien“, sagte der Automanager.

VW und Porsche FAQ

Was ist das Ziel von VW und Porsche?

Die beiden Seiten wollen einen „integrierten Automobilkonzern“ formen, mit Porsche als zehnter Marke unter dem Volkswagen-Dach. VW ist Europas größter Autobauer. Die Partner erhoffen sich von ihrem Zusammengehen 700 Millionen Euro Einsparungen pro Jahr.

Was ist die Vorgeschichte der heutigen Probleme?

Porsche hatte noch vor der Wirtschaftskrise den Plan gefasst, den viel größeren VW-Konzern zu übernehmen. Die Schlacht war lang und schmutzig - und im Sommer 2009 hatte Porsche den ungleichen Kampf verloren. Die Schwaben hatten sich mit ihren ambitionierten Plänen verhoben, die Dachgesellschaft Porsche Automobil Holding SE stand mit 11,4 Milliarden Euro Schulden da. Ex-Porsche-Chef Wendelin Wiedeking und sein Finanzvorstand Holger Härter nahmen ihren Hut. VW drehte den Spieß um - Porsche soll nun unter das Dach von VW schlüpfen.

Welche Hürden gibt es auf dem Weg?

Die misslungene Übernahme hat gehörige Altlasten hinterlassen: So dauern juristische Streitigkeiten an. Kläger sind etwa verschiedene Fondsgesellschaften. Ihre milliardenschweren Forderungen laufen in zwei getrennten Fällen: Auf bundesstaatlicher Ebene in den USA wird darum gerungen, ob die US-Gerichte überhaupt zuständig sind. Ebene zwei ist ein Verfahren in New York, wo es auch um Zuständigkeitsfragen geht.

Gibt es auch anderswo Probleme?

Die Staatsanwaltschaft Stuttgart ermittelt seit 2009. Wiedeking und Härter wird zum einen Marktmanipulation vorgeworfen. Sie sollen zwischen 2007 und 2009 im Zuge der geplanten VW-Übernahme die Öffentlichkeit teilweise gar nicht und in anderen Fällen nur unzureichend über ihre Pläne informiert haben. Zudem besteht gegen die beiden Ex-Porsche-Manager Untreueverdacht. Hintergrund: Die ehemaligen Vorstände könnten für die geplante Übernahme mit Aktienkurssicherungsgeschäften existenzgefährdende Risiken für Porsche eingegangen sein.

Außerdem wurde gegen Härter und zwei weitere Verantwortliche des Porsche-Finanzbereichs ein Verfahren wegen des Verdachts auf Kreditbetrug eingeleitet. Sie werden verdächtigt, bei Verhandlungen über die Refinanzierung von Krediten der Porsche-Dachgesellschaft falsche oder unvollständige Angaben gemacht haben. Die weiteren Ermittlungen sind nach Angaben der Staatsanwaltschaft „äußerst aufwendig und zeitintensiv“ und werden nicht mehr 2011 abgeschlossen. Dem Vernehmen nach könnten sie sich bis weit ins nächste Jahr hineinziehen.

Welche Folgen hat das konkret?

Die ursprünglich für 2011 geplante Verschmelzung der VW AG und der Dachgesellschaft Porsche SE ist geplatzt. Dies war die Wunschlösung. Unter dem Dach der Porsche Holding sind die Mehrheit der Anteile am Porsche-Sportwagengeschäft (Porsche AG) gebündelt und die mehr als 50 Prozent, die die Stuttgarter an VW halten. Die Grundlagen für die Verschmelzung hatten die beiden Autobauer bereits im Sommer 2009 vereinbart. Grund für das Scheitern: VW sieht in den ungelösten juristischen Auseinandersetzungen der Stuttgarter ein unkalkulierbares Risiko - das wollen sie sich nicht ins Haus holen.

Wie könnten die Partner alternativ zusammenfinden?

Die Verschmelzung ist nicht komplett vom Tisch, sie könnte auch noch später durchgezogen werden. Allerdings müssten dafür neue Verträge abgeschlossen werden, die alten wären nicht mehr gültig. Außerdem haben sich die Autobauer bereits vor zwei Jahren einen Plan B zurechtgelegt. Von Mitte November 2012 bis Ende Januar 2015 gibt es vier vertraglich festgelegte Zeitfenster, in denen VW das Porsche-Sportwagengeschäft für den Preis von 3,9 Milliarden Euro komplett übernehmen kann. Bisher halten die Wolfsburger 49,9 Prozent.

Der Vorteil:

Volkswagen könnte sich das komplette operative Porsche-Sportwagengeschäft sichern, ohne die ungelösten Probleme der Porsche SE am Hals zu haben. Der Nachteil: Diese Variante wäre aus gesetzlichen Gründen erst ab Mitte 2014 steuerfrei. In den nächsten Wochen wollen beide Unternehmen nach alternativen Wegen suchen. Wie diese aussehen könnten, ließen sie zunächst offen.

Wenig Verständnis zeigt Winterkorn dafür, dass sich die EU-Kommission mitten in der Euro-Krise erneut um das VW-Gesetz kümmern will – und kündigt für diesen Fall Gegenwehr an. „Warum das gerade jetzt hoch kommt, weiß ich nicht. Es gibt in Europa sicherlich wichtigere Dinge zu lösen“, so der Chef von Volkswagen. „Ich bin aber sicher, dass solch ein Vorhaben auf Widerstand treffen wird.“

Das VW-Gesetz legt unter anderem fest, dass im Fall von Volkswagen die Sperrminorität, mit der wichtige Entscheidungen blockiert werden können, bereits bei einem Stimmrechtsanteil von 20 Prozent greift. In anderen Konzernen sind dafür 25 Prozent nötig. Von dieser Regelung profitiert das Land Niedersachsen, das gut 20 Prozent der VW-Stimmen hält. Bundesregierung, Land Niedersachsen und die Arbeitnehmervertreter des Autobauers wollen das VW-Gesetz verteidigen.

Im Streit mit dem japanischen Autobauer Suzuki will Winterkorn nicht nachgeben und setzt notfalls auf einen Führungswechsel. „Unseren Anteil an Suzuki in Höhe von 19,9 Prozent verkaufen wir nicht“, bekräftige der VW-Chef. „Unsere Ziele verfolgen wir langfristig. Wenn bei Suzuki die aktuelle Führungsmannschaft nicht mit uns zusammen arbeiten will, dann will es vielleicht die nächste Generation“, sagte Winterkorn dem Handelsblatt.

Kommentare (2)

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SlingShot

21.11.2011, 08:09 Uhr

das nenne ich einen guten Standpunkt. Keine politische Korrektheit, nur klare Tatsachen.
Das passt eigentlich gar nicht in die deutsch-euro-politische Landschaft.
Da werden sich bestimmt einige Leute der Rotfront gross aufblasen!!!

Worldwatch

21.11.2011, 11:16 Uhr

"... Außerdem macht VW-Chef Winterkorn im Gespräch mit dem Handelsblatt seinem Ärger über die EU Luft. ..."

Wo, wie? Ich habe nicht einmal ein Lueftchen verspuert.

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