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01.02.2011

08:03 Uhr

Investition in Deutschland

Französischer Energieriese wächst und wächst

VonHolger Alich

Der französische Energiekonzern GDF Suez baut sein Geschäft in Deutschland aus. Mit der Übernahme von fünf Gasspeichern von Shell und Exxon schwingt sich der größte Energieanbieter der Welt auch zur Nummer Eins bei der Gasspeicherung in Europa auf. Und Konzern-Chef Mestrallet gibt im Handelsblatt-Interview weitere Ziele vor.

Gasrohr (Symbolbild): GDF Suez übernimmt in Deutschland fünf Gasspeicher. Reuters

Gasrohr (Symbolbild): GDF Suez übernimmt in Deutschland fünf Gasspeicher.

PARIS. Der französische Energiekonzern GDF Suez, größter Energieanbieter der Welt, will in Deutschland weiter wachsen. Gestern teilte das Unternehmen mit, fünf Gasspeicher von Shell und Exxon zu kaufen. "Damit werden wir Marktführer bei Gasspeicherung in Europa", sagte Konzern-Chef Gérard Mestrallet dem Handelsblatt (s. Interview unten).

Zum Kaufpreis machte er keine Angaben. Aus Branchenkreisen heißt es, die Transaktion habe ein Volumen von knapp einer Milliarde Euro. Mit dem Kauf baut GDF Suez seine Speicherkapazität von bisher elf auf insgesamt 12,5 Milliarden Kubikmeter aus. In Deutschland vervierfachen die Franzosen ihren Marktanteil bei der Gasspeicherung von 2,5 auf zehn Prozent.

Der Kauf von Speicherkapazität ist für die Franzosen in doppelter Hinsicht interessant. Zum einen kann der Konzern dank der Speicher Gas in Niedrigpreis-Phasen kaufen und einlagern, um es dann in Hochpreis-Phasen zu verkaufen.

Gerade der Kauf von Speichern in Deutschland ist für GDF Suez sinnvoll, denn die Franzosen haben sich an der Ostsee-Pipeline Northstream beteiligt, aus der russisches Gas nach Deutschland fließen soll. "Der Kauf passt daher perfekt zu unserer Deutschland-Strategie", erklärt Mestrallet.

Zum anderen helfen Gasspeicher GDF Suez beim Stromgeschäft. Denn die Franzosen betreiben gasbetriebene Stromkraftwerke. Dank größerer Gasspeicher kann der Konzern nun verstärkt diese Kraftwerke nutzen, um teuren Strom für die Verbrauchsspitzen zu produzieren. "Das ist, als könnten wir Strom speichern", erklärt Mestrallet.

Vergangenes Jahr hatten die Franzosen die britische International Power per Aktiva-Tausch übernommen. Mit einem Umsatz von rund 84 Milliarden Euro und einer Produktionskapazität von 100 Gigawatt stieg GDF Suez damit zum größten Energieanbieter der Welt auf und verdrängte Eon auf Platz zwei. Dank International Power bauten die Franzosen vor allem ihre Präsenz in Wachstumsregionen wie Südamerika und Asien aus.

Mit dem Kauf untermauert GDF Suez nun seinen Anspruch, dass auch Deutschland für den Konzern ein Schlüsselmarkt ist. Und das, kurz nachdem Baden-Württembergs Ministerpräsident Mappus den Rivalen EDF gezwungen hat, seine Anteile an EnBW zu verkaufen. Allerdings hat auch schon GDF Suez Erfahrungen mit politischem Widerstand in Deutschland gemacht. Der Konzern wollte die Stadtwerke in Leipzig kaufen, scheiterte aber an einem Veto der Bevölkerung, die das Geschäft per Volksentscheid mehrheitlich ablehnte.

Kommentare (1)

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Beobachter

01.02.2011, 10:52 Uhr

....tja, es ändert sich also nichts an den bekannten Gegebenheiten. Speicher werden benutzt, um billig einzukaufen und dann teuer zu verkaufen. Und, wenn bedarfsspitzen entstehen kann man diese ja besser hochpreisig an Kunden abgeben, als dem Verbraucher im Umkehrschluss auch mal billigere Energie zur Verfügung zu stellen. ich glaube, das nennt man Profitmaximierung.....Was anderes kommt diesen Herrschaften ja wohl auch nicht in den Sinn, als Shareholdern, denen das Geld ohnehin schon aus den Ohren quillt, noch mehr Profit zu verschaffen zu Lasten des "kleinen Mannes von der Straße"...

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