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22.11.2013

15:41 Uhr

Investitionsoffensive

Volkswagens 100-Milliarden-Euro-Plan

Der Absatzflaute in Europa zum Trotz hält Volkswagen das Investitionstempo hoch. Bis 2018 will das Unternehmen über 41 Milliarden Euro alleine in neue Automobile und Varianten stecken.

Innovationen wie im XL1 sollen Volkswagen die Weltspitze sichern, hofft VW-Chef Martin Winterkorn. dpa

Innovationen wie im XL1 sollen Volkswagen die Weltspitze sichern, hofft VW-Chef Martin Winterkorn.

HamburgMit Investitionen von rund 100 Milliarden Euro für die nächsten fünf Jahre will sich Volkswagen seinen Weg an die Weltspitze ebnen. Europas größter Autobauer steckt von 2014 an bis ins Jahr 2018 gut 84 Milliarden Euro in moderne Standorte und neue Technologien. Inklusive China, wo VW mit Partnern unterwegs ist und die Ausgaben gemeinsam stemmt, steigt die Gesamtsumme sogar auf gut 102 Milliarden Euro an. Diesen Plan billigte der VW-Aufsichtsrat am Freitag in Wolfsburg bei seinen Etatberatungen, wie VW berichtete.

Ein Großteil der Summen soll bis 2018 in spritsparende Autotechnik und moderne, energieeffiziente Fabriken und Gebäude fließen. Vor allem die Entwicklung von Hybrid- und Elektromotoren soll vorangetrieben werden.

In einigen Teilbereichen gab es jedoch auch Kürzungen, um der Absatzkrise in Europa zu begegnen. So werden etwa einige Bauvorhaben hinausgezögert. „Es wird manchmal ein bisschen wehtun, aber insgesamt glaube ich ist es der richtige Kurs“, sagte VW-Vorstandschef Martin Winterkorn. Von Sparen könne bei der Gesamtsumme keine Rede sein. „Wir geben gezielt aus.“ VW-Betriebsratschef Bernd Osterloh bemühte ein Bild zur Erklärung: „Wir sind ja kurz vor Weihnachten und nicht allen Marken werden ihre Wünsche sofort erfüllt. Aber es kommt ja noch einmal Weihnachten und dann wird man in der nächsten Planungsrunde sehen, wie man mit dem Thema umgeht.“ Winterkorn meinte: „Bei der Summe braucht sich keiner im Konzern beklagen.“

Die VW-Sparten im Überblick

Volkswagen Pkw

Die Kernmarke des Volkswagen-Konzerns litt im Jahr 2013 unter der Absatzschwäche. Mit 4,7 Millionen verkauften Fahrzeugen schrumpfte der Absatz um 2,2 Prozent. Der Umsatz ging sogar um 4,4 Prozent zurück. Immerhin erwirtschaftet die Kernmarke noch ein operatives Ergebnis von 2,9 Milliarden Euro.

Audi

Die Premiumtochter aus Ingolstadt konnte die Verkäufe steigern. Mit 1,35 Millionen verkauften Fahrzeugen steht unterm Strich ein Plus von 3,85 Prozent. Auch der Umsatz legte leicht auf 49,88 Milliarden Euro zu. Unter Strich steht trotzdem ein deutlicher Rückgang beim Profit um rund 6,3 Prozent auf 5,03 Milliarden Euro.

Skoda

Mit günstiger VW-Technik konnte die tschechische Tochter in den vergangenen Jahren die Kunden locken. Im Jahr 2013 lief es schlechter. Mit 719.000 verkauften Fahrzeuge ging der Absatz um 1,2 Prozent zurück. Der Umsatz fiel es ebenfalls leicht schlechter aus und beträgt nun 10,32 Milliarden Euro. Beim operativen Ergebnis hat das deutliche Spuren hinterlassen. Der Gewinn beträgt 522 Millionen Euro und damit satte 26,7 Prozent weniger.

Seat

Das spanische Sorgenkind kommt bei den Verkaufszahlen wieder auf die Bein 459.000 Fahrzeuge verkauften die Spanier im Jahr 2013 - ein Plus von rund sieben Prozent. Auch der Umsatz legt um rund sechs Prozent auf 6,87 Milliarden Euro zu. Unterm Strich steht aber immer noch ein Verlust von 152 Millionen Euro, der immerhin um vier Millionen reduziert wurde.

Porsche

Die Profitmaschine aus Zuffenhausen treibt erstmals das operative Ergebnis des VW-Konzerns an. Seit der Integration im August 2012 hat der Sportwagenbauer einen Profit von 1,46 Milliarden Euro erwirtschaftet. Der Umsatz beträgt nun 7,03 Milliarden Euro. Der Absatz von Porsche wurde auch 78.000 Fahrzeuge taxiert.

Bentley

Bald soll die Luxus-Autoschmiede einen Nobel-SUV an den Start bringen. Dieses Jahr legt der Absatz um 21 Prozent auf 11.000 verkaufte Fahrzeuge. Auch beim Umsatz steht bei 1,68 Milliarden Euro ein Plus von 15,5 Prozent. Der Gewinn der britischen Nobeltochter legt um satte 68 Prozent auf 168 Millionen Euro zu.

VW Nutzfahrzeuge

Die Nutzfahrzeugsparte des Konzerns schwächelt weiter. Der Absatz stagniert bei 436.000 verkauften Fahrzeuge. Der Umsatz schrumpft ebenfalls leicht auf 9,37 Milliarden Euro. Das operative Ergebnis legt dagegen um 6,4 Prozent zu auf 448 Millionen Euro.

Scania

Die schweren Schweden verkaufen wieder mehr. Mit 80.000 verkauften Lkws stieg der Absatz um 19,4 Prozent, auch der Umsatz legt um 11,2 Prozent auf 10,36 Milliarden Euro zu. Mit 974 Millionen Euro ist das operative Ergebnis rund 4,7 Prozent besser als im Vorjahr.

MAN

Mit einem Beherrschungsvertrag sitzt VW längst auch bei den Münchenern am Steuer. Der Absatz des Lkw-Bauers legte im Gesamtjahr 2013 leicht auf 140.000 verkaufte Fahrzeuge zu. Der Umsatz sinkt dagegen leicht auf 15,86 Milliarden Euro. Beim operativen Ergebnis steht unterm Strich ein Gewinn von 319 Millionen Euro - ein Rückgang um satte 61 Prozent.

VW Finanzdienstleistungen

Mit einem Umsatzplus von 10,8 Prozent leistet die Finanztochter des VW-Konzerns mittlerweile einen ordentlichen Beitrag zum Konzernergebnis. Das operative Ergebnis legte im Jahr 2013 um 17,5Prozent auf 1,86 Milliarden Euro zu.

Mit dem Etatvorhaben ergibt sich pro Jahr ein Teilbetrag von mehr als 20 Milliarden Euro. „Ich bin überzeugt: Dies wird uns die nötige Schubkraft auf dem Weg an die Spitze geben“, erklärte Winterkorn. Noch bauen Toyota und General Motors mehr Autos als die Wolfsburger.

Ende 2012 hatte VW bekanntgegeben, binnen drei Jahren (2013 bis 2015) 50,2 Milliarden Euro Investitionen in den Autobereich zu stecken. Ein Vergleich mit der neuen Summe der 84,2 Milliarden Euro ist schwierig. Aber rechnerisch auf Basis des alten Dreijahresplans hätte sich bei konstantem Tempo für die fünf Jahre ein Betrag von 83,7 Milliarden Euro ergeben - VW liegt nun also minimal darüber.

Im Vorfeld der Aufsichtsratssitzung hatte der Konzern Disziplin bei den Kosten angemahnt und dabei auf die anhaltende Absatzkrise in Europa verwiesen. Dem trägt die neue Etatplanung nun auch Rechnung: Die sogenannten Sachinvestitionen etwa in Anlagen und Gebäude liegen mit 63,4 Milliarden Euro im Jahresdurchschnitt rund eine halbe Milliarde Euro unter der im Vorjahr verabschiedeten Dreijahresplanung.

Kommentare (1)

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DEUFRA2011

22.11.2013, 17:51 Uhr

Das eine gewisse Grösse eine Bedingung ist für einen nachhaltigen Erfolg auf dem weltweiten Automarkt, das steht ja außerhalb jeder Diskussion. Aber muss man unbedingt "Der Grösste" sein? Langfristig wäre es sicher doch auch nicht schlecht, eínmal wieder in die Qaulität zu investieren und etwas weniger in die Menge. Dann hätte ich sicher bessere Erfahrungen gemacht mit meinem VW.

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