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26.01.2006

15:08 Uhr

Investmentfonds als Hobby

Mr. Ferrari und die Sofas

VonKatharina Kort

Ferrari-Chef Luca Cordero di Montezemolo investiert über seinen Investmentfonds in Hersteller von Luxusmöbeln. Für die Zukunft träumt der Manager bereits von gemeinsamen Show-Rooms seiner Edelmarken.

MAILAND. Vier Designer-Sessel und ein Plastik-Kaktus schmücken die Bühne. Vom Stehpult aus bewundert eine der schillerndsten Persönlichkeiten der italienischen Wirtschaft die Kreationen, die das Ergebnis seiner Investitionen sind: Luca Cordero di Montezemolo, Ferrari-Chef und Fiat-Präsident. Der aristokratische Mann im grauen Zweireiher mit dunkler Krawatte hat über seinen Private-Equity-Fonds Charme in die Creme della Creme der Möbelproduzenten investiert.

Mit Blick auf die edlen Sitze gerät der schlanke Manager ins Schwärmen und sagt Sätze wie „Luxus ist die Bewunderung des Schönen“. Dabei streicht er sich mit schmalen Händen über die grauen Schläfen, und das Publikum im Saal der Mailänder Börse hängt an seinen Lippen.

Denn Montezemolo ist nicht irgendwer. Er ist der verlängerte Arm der Agnelli-Dynastie – der Fiat-Gründerfamilie, der Kennedys Italiens. Montezemolo ist ein Mann, wie ihn sich der verstorbene Gianni Agnelli wohl als Sohn gewünscht hätte: ähnlich exzessiv in seiner Jugend wie der Patriarch – er fuhr unter falschen Namen Autorennen, heiratete eine Soft-Porno-Darstellerin –, aber später vernünftig und einflussreich. Wenn Montezemolo den Mund aufmacht, lauscht Italien. Dabei hat er in letzter Zeit auch mit Kritik an der Regierung von sich reden gemacht – so sehr, dass über seinen Eintritt in die Politik spekuliert wird.

Doch hier in Mailand widmet er sich ganz Drehstühlen, Autositzen und Sofas. Mit Charme investiert „Mr. Ferrari“ in Möbel und Mode der Luxuklasse. Der Cashmere-Hersteller Ballantyne gehört ihm, und unter dem Dach von „Poltrona Frau“ hat Montezemolo ein kleines Möbel-Imperium zusammengekauft, das nach eigenen Angaben Weltmarktführer im oberen Segment ist, mit Marken wie Gufram, Gebrüder Thonet Vienna und Cassina – bekannt für Design-Ikonen wie die Chaiselongue LC4 von Le Corbusier. Sitze von Poltrona Frau zieren das EU-Parlament in Strasburg.

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