Handelsblatt

MenüZurück
Wird geladen.

27.09.2011

16:40 Uhr

Investor-Forderung

Jenoptik soll Sparten verkaufen

Jenoptik soll nach dem Willen des britischen Investmentfonds Hermes das Kerngeschäfts ausbauen - und sich von etlichen Sparten trennen. Unter den Großaktionären sorgt der Vorschlag für Diskussionen.

Fokus auf die Optischen Systeme: Jenoptik könnte die Strategie ändern. ap

Fokus auf die Optischen Systeme: Jenoptik könnte die Strategie ändern.

Wacket/BerlinDer britische Investmentfonds Hermes dringt nach Angaben aus dem Eigentümerkreis auf eine neue Strategie beim Technologiekonzern Jenoptik . Neben dem Ausbau des Kerngeschäfts Optische Systeme werbe er auch für den Verkauf von Sparten des Unternehmens, sagten Aktionärsvertreter am Dienstag der Nachrichtenagentur Reuters. Hermes selbst wollte dies nicht bestätigen, verwies aber auf die Investmentprinzipien des mit gut drei Prozent an Jenoptik beteiligten Fonds. Diese sehen eine aktive Rolle mit eigenen Konzepten für die Beteiligung an Unternehmen vor. 

Unter den Eigentümern löste der Vorstoß Diskussionen aus: Der größte Jenoptik-Aktionär, die österreichische ECE, bestätigte: „Es ist richtig, dass wir mit Hermes Gespräche geführt haben“, sagte Jenoptik-Aufsichtsrat Heinrich Reimitz Reuters. „Es geht dem Fonds im Wesentlichen um einen Ausbau des Kerngeschäftes.“ Weitere Details zum Hermes-Konzept wollte er nicht nennen. ECE hält 14 Prozent und stellt mit Rudolf Humer auch den Vorsitzenden des Aufsichtsrats. Andere größere Aktionäre lobten den Vorstoß ausdrücklich: „Wir halten die Vorschläge von Hermes schon für sehr überlegenswert.“ Gegen Ende des Jahres werde eine Strategiedebatte mit dem Vorstand geführt werden. 

Jenoptik ist unter Leitung von Vorstandschef Michael Mertin in den vergangenen Jahren auch durch Personalabbau wieder profitabel geworden, die Schulden wurden deutlich gesenkt. In diesem Jahr wird ein Umsatz von über 510 Millionen Euro und ein Betriebsgewinn von 40 Millionen Euro erwartet. 

Nach Angaben aus dem Umfeld der Eigentümer geht es Hermes zum einen um einen möglichen Verkauf einzelner Sparten wie etwa der Industriellen Messtechnik. Sie liefert der Autoindustrie bei der Motorenentwicklung zu und profitiert von der starken Konjunktur der Branche. Ein Verkauf könnte daher kurzfristig hohe Erlöse bringen. Zum anderen sei auch deutlich geworden, dass von Jenoptik für 2011 eine Dividende erwartet werde, die über viele Jahre ausgefallen war. „Es geht auch um Attraktivität für andere Anleger. Sehr viele legen auch auf eine Dividende wert“, hieß es im Eigentümerkreis. 

Reimitz von ECE sagte, für ihn gehöre die Industrielle Messtechnik nicht zwangsläufig zum Kerngeschäft. Grundsätzlich verfolge Hermes jedoch eine ähnliche Strategie wie der Vorstand und wolle zum Nachdenken anregen. Dem Fonds fehle aber die Kenntnis des Unternehmens von innen. 

Jenoptik besteht im Kern aus drei Sparten: Laser, Mess- und Verkehrstechnik (Blitzgeräte) sowie Militärtechnik. Auch mit der Wehrtechnik, die zwar stabile aber vergleichsweise geringe Renditen liefert, sei Hermes unzufrieden, hieß es. 

In der Thüringer Landesregierung, die mit rund elf Prozent zweitgrößter Aktionär ist, räumte man dem Verstoß von Hermes wenig Chancen ein. Man habe nicht den Eindruck, dass Hermes sich hier durchsetzen könne. „Es ist aber notwendig, dass jetzt eine Langfriststrategie für das Unternehmen entwickelt wird“, sagte ein Regierungsvertreter. 

Thüringen hatte seinen Jenoptik-Anteil kürzlich ECE abgekauft. ECE betonte aber, ein kompletter Rückzug stehe nicht an: „Wir sind nach wie vor größter Aktionär und wollen es auch bleiben. Wir sind glücklich mit dem Unternehmen“, sagte Reimitz. Ein Zeichen dafür sei, dass man gerade erst den Vertrag mit Jenoptik-Vorstandschef Mertin um fünf Jahre verlängert habe. Mertin will an der Konzernstruktur festhalten und plant Zukäufe in den Kerngeschäftsfeldern vor allem in den USA und Asien.

Von

rtr

Direkt vom Startbildschirm zu Handelsblatt.com

Auf tippen, dann auf „Zum Home-Bildschirm“ hinzufügen.

Auf tippen, dann „Zum Startbildschirm“ hinzufügen.

×