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18.06.2016

16:55 Uhr

Irkut und Co.

Russische Flugzeugbauer wollen auf den Weltmarkt zurück

Früher einmal flogen Flugzeuge aus Russland in aller Welt. Heute gibt es kaum noch Maschinen „made in Russia“. Nun will das Land seinen Anteil am Himmel zurückerobern. Müssen Airbus und Boeing die Konkurrenz fürchten?

Der russische Ministerpräsident bei der Präsentation des neuen Jets. dpa

Dmitri Medwedew

Der russische Ministerpräsident bei der Präsentation des neuen Jets.

MoskauMit viel Pomp präsentiert Russland sein neuestes Flugzeugmodell, im Scheinwerferlicht rollt die Irkut MS-21 durch den Hangar. Als Ehrengast ist Regierungschef Dmitri Medwedew bei der Show vor wenigen Tagen in der sibirischen Großstadt Irkutsk dabei. Die 21 steht bei der Maschine stolz für „21. Jahrhundert“. Sie soll bei Leistung und Wirtschaftlichkeit mit den neuen Modellen Boeing B737 MAX 200 und dem Airbus A320 Neo mithalten können. Das Flugzeug sei „schlicht das beste der Welt“, jubelte das kremltreue Boulevardblatt „Komsomolskaja Prawda“.

Das Novum für Passagiere: Im breiten Mittelgang sollen tatsächlich zwei Fluggäste oder ein Gast und ein Getränketrolley aneinander vorbeipassen. Geplant sind zwei Flugzeugtypen, die je nach Bestuhlung 132 bis 211 Passagiere befördern können.

Nur geflogen ist der Prototyp der MS-21 noch nicht, das ist bis Jahresende geplant. 2018 sollen die ersten Maschinen ausgeliefert werden. Flugzeugbauer Irkut spricht von 175 Festbestellungen. Die meisten Maschinen – 50 Stück – habe die Staatslinie Aeroflot geordert.

Früher flogen sowjetische Passagierflugzeuge in aller Welt. Von der DDR bis China, von Angola bis Kuba – wer mit der Sowjetunion verbündet war, der kaufte auch Flieger mit den berühmten Firmennamen Tupolew, Iljuschin oder Jakowlew. Doch mit dem Ende der kommunistischen Supermacht vor 25 Jahren zerfiel auch ihr ziviler Flugzeugbau. Die westlichen Branchenriesen Boeing und Airbus teilten den Markt in Russland, im größten Land der Erde, unter sich auf.

Die Tupolew Tu-204, Erstflug 1989, war ein Kind des Übergangs von der Sowjetunion zu Russland. Sie sollte die alternden Tu-154 ersetzen, die Arbeitspferde der sowjetischen Luftfahrt. Doch die Nachfrage kam über wenige dutzend Stück nicht hinaus. Auch die Turboprop-Maschine An-140, entwickelt im Antonow-Werk in der ukrainischen Hauptstadt Kiew, ist ein Nischenprodukt geblieben.

Nun will die einstige Konstrukteurs-Großmacht Russland nach mehreren erfolglosen Anläufen mit neuen Flugzeugen wieder auf den Weltmarkt, trotz Wirtschaftskrise und Rezession. Die größten Hoffnungen setzt Moskau auf den Mittelstreckenjet MS-21 – auf Kyrillisch MC-21. Erstmals öffentlich präsentiert wurde der Flieger kurz vor dem St. Petersburger Wirtschaftsforum, bei dem sich Präsident Wladimir Putin wie jeden Sommer mit der Firmenelite aus dem In- und Ausland trifft.

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