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26.01.2007

14:57 Uhr

Isländer auf Expansionszug

Actavis will Merck-Generikasparte kaufen

Der isländische Generikahersteller Actavis will für die Generikasparte des Pharma- und Spezialchemiekonzerns Merck bieten. Damit meldet bereits das zweite ausländische Unternehmen Interesse an den Darmstädtern an.

HB FRANKFURT. Nach dem indischen Wettbewerber Ranbaxy hat sich damit bereits ein zweites Unternehmen der Branche aus der Deckung gewagt und Interesse angemeldet. „Wir bereiten uns auf ein Gebot vor“, sagte Actavis-Chef Robert Wessman der „Financial Times Deutschland“. Man sei auf eine Prüfung der Bücher des Geschäfts (Due-Diligence) vorbereitet. Auch die Finanzierung für ein Angebot für das Geschäft mit den Nachahmermedikamenten hat Actavis bereits auf die Beine gestellt. Actavis-Chef Robert Wessman sagte am Freitag, der Konzern habe drei Banken ausgewählt, mit deren Hilfe eine Übernahme finanziert werden könne. Wessman bestätigte damit den Bericht der FTD.

Bekäme Actavis den Zuschlag, entstünde wahrscheinlich der weltweit drittgrößte Konzern für Nachahmermedikamente. Derzeit ist Actavis Experten zufolge die Nummer Sieben der Branche.

Actavis-Chef Wessman hatte bereits wiederholt gesagt, das Unternehmen halte Ausschau nach weiteren Zukäufen. Dabei hatte er auch den Bad Vilbeler Generikahersteller Stada als attraktiven Kandidaten bezeichnet. Actavis hatte zuletzt den kleineren US-Generikaspezialisten Abrika Pharmaceuticals übernommen. Davor hatten sich die Isländer einen monatelangen Übernahmekampf mit dem US-Konzern Barr um die kroatische Pliva geliefert, aus dem Actavis aber als Verlierer hervorging. Den Zuschlag für Pliva erhielten die Amerikaner.

Merck hatte Anfang des Monats mitgeteilt, einen Verkauf des Generika-Geschäftes zu prüfen, dessen Wert in Branchenkreisen auf etwa vier Mrd. Euro geschätzt wird. Eine Entscheidung, ob sich der Konzern von der Sparte trennen will, soll im ersten Halbjahr fallen. Branchenkreisen zufolge sind bereits die Beteiligungsfirmen TPG, Permira und Cinven an einer Übernahme interessiert. Novartis-Chef Daniel Vasella hatte unlängst nur schwaches Interesse signalisiert. Die Schweizer sind mit ihrer Generikatochter Sandoz weltweit die Nummer zwei der Generikabranche. Analysten halten es für möglich, dass auch die französische Sanofi-Aventis und die israelische Teva das Merck-Geschäft auf dem Radar haben.

Merck könnte mit einem Verkauf der Sparte seine wegen der Serono-Übernahme drastisch gestiegene Schuldenlast reduzieren. Merck setzte im Geschäft mit Nachahmermedikamenten 2006 rund 1,82 Mrd. Euro um. Damit erwirtschaftete die Sparte mehr als ein Viertel des Konzernumsatzes von 6,3 Mrd. Euro. Die Darmstädter sind derzeit die Nummer vier der Branche. Primus war zuletzt Teva vor Sandoz und dem US-Konzern Barr Pharmaceuticals. Die Merck-Sparte ist in mehr als 90 Ländern vertreten. Stark aufgestellt ist sie unter anderem in Frankreich und Portugal, aber auch in Großbritannien sowie im lukrativen US-Markt. Im pazifischen Raum ragen Australien und Neuseeland heraus.

Die im Nebenwerteindex Mdax notierte Merck-Aktie lag am Freitagvormittag leicht mit 0,17 Prozent im Minus bei 89,67 Euro.

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