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28.07.2015

23:59 Uhr

Italcementi im Visier

Heidelberg-Cement bietet Milliarden für Konkurrenten

Die Zementbranche ist im Umbruch. Nach der Elefantenhochzeit von Holcim und Lafarge bahnt sich nun ein neuer Riesendeal an. Deutschlands größter Hersteller Heidelberg-Cement buhlt um seinen italienischen Konkurrenten.

Mit den beiden Hauptprodukten Zement und Zuschlagstoffe konnte der Gewinn gesteigert werden. dpa

Stammwerk von Heidelberg-Cement in Leimen

Mit den beiden Hauptprodukten Zement und Zuschlagstoffe konnte der Gewinn gesteigert werden.

FrankfurtDeutschlands größter Zementhersteller Heidelberg-Cement greift nach dem italienischen Rivalen Italcementi und will damit den Rückstand auf den neuen Branchengiganten Lafarge-Holcim wieder verkürzen. Heidelberg-Cement bietet 3,7 Milliarden Euro für Italcementi, die Nummer fünf in der Zementbranche weltweit, wie das Unternehmen am Dienstagabend in Heidelberg mitteilte. „Kein anderes Unternehmen der Branche ergänzt unser operatives Geschäft so gut wie Italcementi“, sagte Vorstandschef Bernd Scheifele. „Das ist der richtige Deal zur richtigen Zeit.“

Mit dem wichtigsten Aktionär der Italiener, der Italmobiliare-Holding der Familie Pesenti, ist man sich bereits einig. Sie soll knapp die Hälfte des Preises für ihre 45-Prozent-Beteiligung in Aktien bekommen und dadurch mit bis zu 5,3 Prozent zweitgrößter Aktionär von Heidelberg-Cement werden.

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Heidelberg Cement hat 2014 unter dem Strich weniger verdient, sich finanziell und operativ aber trotzdem verbessert. Chef Scheifele will die Strategie nun anpassen – auch im Hinblick auf den neuen großen Konkurrenten.

Mit Italcementi greift Heidelberg-Cement zum ersten Mal seit der Finanzkrise auf dem Zementmarkt wieder groß an. Die vor kurzem vollzogene Elefantenhochzeit von Holcim aus der Schweiz mit der französischen Lafarge zu Lafarge-Holcim hatte die Branche unter Zugzwang gesetzt.

Einschließlich Schulden müsste der Heidelberger Konzern 6,7 Milliarden Euro für Italcementi in die Hand nehmen. Das wäre die mit Abstand größte Übernahme, die ein deutsches Unternehmen in diesem Jahr stemmt. Mit dem Kauf könnte Heidelberg-Cement seine Position als weltweite Nummer zwei bei Zement festigen und bei Zuschlagstoffen wie Sand, Kies und Schotter sogar den größeren Konkurrenten überholen. Mit 46 Werken und einer Kapazität von 71 Millionen Tonnen pro Jahr ist die 151 Jahre alte Italcementi die Nummer fünf auf dem Zementmarkt.

Mit der Übernahme setzt Scheifele voll auf eine Erholung der Baukonjunktur in Südeuropa. Die in Italien, Frankreich und in Spanien starke Italcementi hat jahrelang Verluste geschrieben und eine harte Sanierung hinter sich. Für dieses Jahr erwartet Italcementi zum ersten Mal auch unter dem Strich wieder einen Gewinn, operativ (Ebitda) soll er bei 850 Millionen Euro liegen. 2014 erwirtschafteten die Italiener mit einem Umsatz von 4,1 Milliarden Euro ein Ebitda von 649 Millionen. „Italcementi hat seine Hausaufgaben gemacht“, sagte Scheifele. Ein Anstieg des Ebitda auf eine Milliarde Euro sei bis 2017 realistisch, wenn der Zementmarkt in Südeuropa nicht unerwartet wieder einbräche, sagte Finanzvorstand Lorenz Näger.

Für den fusionierten Konzern rechnet er bis 2019 mit einem Umsatz von 20 Milliarden Euro, drei Milliarden mehr als bisher geplant. Der operative Gewinn soll bis dahin auf fünf statt auf vier Milliarden Euro steigen. Die Aktionäre müssten bei der Dividende keine Abstriche machen.

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