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05.05.2012

17:57 Uhr

„Italo“ gegen die Staatsbahn

Ein Ferrari auf Italiens Gleisen

VonKatharina Kort

Erst seit kurzem schießt der neue „Italo“ über Italiens Gleise. Dahinter steckt nicht nur Ferrari-Präsident Montezemolo, sondern auch andere namhafte Investoren. Es ist ein Rennen von Luxusunternehmen gegen den Staat.

Der „Italo“ von NTV. dpa

Der „Italo“ von NTV.

Mailand/BolognaStazione Porta Garibaldi in Mailand. „Hier gibt es keine Fahrkarten für den Italo“, grummelt der grauhaarige Herr in grüner Uniform hinter der Scheibe. „Die haben ihren eigenen Ticketschalter.“ Wo der zu finden ist? „Keine Ahnung.“ Am Fahrkartenautomaten kann man ebenfalls keine Tickets für den neuen, privaten Hochgeschwindigkeitszug von NTV (Nuovo Trasporto Viaggiatori) kaufen. Auch in der Bahnhofsapotheke weiß keiner, wo es die Fahrkarten gibt: „Italo? Noch nie gehört.“ Letztlich kann die Dame an der Espressomaschine im Schnellrestaurant Bracco Cafè weiterhelfen: „Da müssen Sie runter ins Kellergeschoss. Da stehen die Automaten.“

Verbannt in die Schmuddelecke im Tiefgeschoss macht NTV das Beste draus. Das moderne Ambiente mit roten Ledersitzen hat nichts vom klassischen Wartesaal: in der Mitte ein runder Empfang ohne jede Verglasung, an den Wänden Tische zum Ausklappen mit Strom und Internet-Verbindung. An meterhohen Touch-Screens können die Kunden ihre Fahrkarten kaufen. Überall bieten junge Damen und Herren in dunkelroten Jacken zur grauen Hose ihre Hilfe an. Auch außerhalb des Wartesaals geleiten sie die Reisenden fast bis zum Zug, damit sie auch das Gleis 16 finden - am hinteren Ende des Bahnhofs.

Der Angreifer

Die Investoren

Hinter NTV steht ein Konsortium aus dem Ferrari-Präsidenten Luca Cordero di Montezemolo, dem Tod'-Chef Diego della Valle, und dem Handelsunternehmer Gianni Punzo, das ein Drittel hält. Die restlichen Anteile halten die Bank Intesa Sanpaolo (20 Prozent), der Versicherer Generali (15 Prozent) und die französische Staatsbahn SNCF (20 Prozent) und kleinere Investoren. Sie haben eine Milliarde Euro investiert.

Die Ziele

NTV will bis Ende 2014 den Break-Even schaffen. Für dieses Jahr peilen sie bis zu 1,5 Millionen Kunden an. Bis 2014 soll die Zahl der Reisenden auf acht Millionen steigen.

„Italo“ gegen „Frecciarossa“ von der Staatsbahn Trenitalia. Das ist auch ein Rennen von Luxusunternehmen gegen den Staat. Denn hinter NTV stehen nicht irgendwelche Investoren, sondern der Ferrari-Präsident Luca Cordero di Montezemolo, der auch als Präsident von NTV firmiert, und Diego della Valle, der Chef des Edelschuhhersteller Tod's. Beteiligt sind auch die Großbank Intesa Sanpaolo, der Versicherer Generali und die französische Staatsbahn SNCF. Gemeinsam haben sie 1,1 Milliarden Euro investiert, den Großteil davon in Alstom-Züge. Der Break-Even ist Ende 2014 geplant.

NTV will vor allem mit Komfort und Service punkten. Um 17:19 Uhr geht es pünktlich los Richtung Neapel. Die dunkelblauen Sessel in der ersten Klasse riechen nach neuem Leder. An der Rückenlehne ist das Logo von „Poltrona Frau“ eingraviert, der Edelmöbelhersteller, den der Luxusfonds „Charme“ der Familie Montezemolo kontrolliert. In der gehobenen „Club“-Klasse gehört auch ein Monitor zur Ausstattung, mit dem man ins Internet kommt und Sky-Fernsehen empfängt. In der ersten und zweiten, etwas enger bestuhlten „Smart“-Klasse braucht man den eigenen Computer.

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