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15.10.2016

15:21 Uhr

Jaguar-Land-Rover-Chef Ralf Speth

„Wir können nicht jede Nische besetzen“

VonLukas Bay

Kein Hersteller in Europa wächst derzeit schneller als Jaguar Land Rover. Im Interview verrät der JLR-Chef Ralf Speth, wie er auch in Zukunft im Konkurrenzkampf mit Audi. BMW und Mercedes bestehen will.

Ralf Speth zeigt sich erstaunt über den Erfolg von Jaguar.

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Ralf Speth zeigt sich erstaunt über den Erfolg von Jaguar.

DüsseldorfDem deutschen Automanager Ralf Speth ist gelungen, was kaum einer geglaubt hätte. Er hat die britische Premiummarke Jaguar Land Rover (JLR) wieder erfolgreich gemacht. Jahr für Jahr können die Briten im Absatz zulegen, nun bauen sie ihr erstes Werk in Kontinentaleuropa. Im Interview mit dem Handelsblatt spricht der Jaguar-Chef über den Wettbewerb mit den deutschen Premiumriesen, das Potential der Elektromobilität und den Brexit.

Land Rover ist seit Jahren sehr erfolgreich. Doch mit dem neuen SUV F-Pace wächst auch Jaguar schneller als alle anderen Marken in Europa - allein im September um 74 Prozent. Wann werden beide Marken gleich stark sein?
Jaguar schließt in der Tat auf. Wenn Sie die Zuwachszahlen gerade anschauen, sind wir selbst erstaunt über diesen Erfolg. Man muss aber auch vorsichtig sein: Relativ gesehen sieht das fantastisch aus. Aber wenn die absoluten Zahlen betrachten, haben wir natürlich noch ein Riesenabstand zu anderen Premiummarken. Wir holen auf, aber unser Marktanteil ist im Vergleich noch sehr gering. Aktuell liegen wir bei Größenordnungen von drei bis vier Prozent im Premiumsegment. Damit sind wir im Vergleich zu Audi, BMW und Mercedes ein kleiner Hersteller. Sie sehen keinen Jaguar dreimal in einer Straße.

Mit ausgefallenen Modellen wie dem Range Rover Evoque Cabrio wagen Sie sich auch in die Nische vor. Wie breit kann Ihre Produktpalette werden?
Wir können nicht jede Nische besetzen. Wir haben das Glück, zwei sehr kreative Designer zu haben: Gerry McGovern und Ian Callum. Beides ganz unterschiedliche Charaktere, aber beide herausragende Designer. Sie entwickeln mit ihren Teams Ideen, die uns die Möglichkeit geben, Konzepte zu vergleichen, zu bewerten und dann eine Entscheidung zu treffen. Das machen wir sehr bewusst. Wir haben in ganz wenigen Segmenten mehr als ein Modell.

Ist das Wachstum mehr als ein Strohfeuer? Oder warum glauben Sie, dass Jaguar nachhaltig weiter wachsen wird?
Ganz simpel zunächst einmal deswegen, weil wir gute Produkte haben. Es macht einfach enorm viel Spaß damit zu fahren. Aber das ist natürlich nicht alles. Wir müssen auf allen Ebenen ein gutes Gesamtpaket anbieten. Dazu brauchen wir nicht nur Produkte, sondern ein flächendeckendes Händlernetz und einen gut organisierter Service. Daran arbeiten wir weiterhin mit Hochdruck.

Wie viele Kunden gewinnen Sie von den anderen Premiumherstellern?
Als wir die Marke wiederbelebt haben, kamen 90 Prozent unserer Kunden von anderen Marken. Mittlerweile gelingt es uns aber auch, die Kunden der ersten Stunde zu überzeugen, wieder einen Jaguar oder Land Rover zu kaufen. Das spielt unserer derzeitiger Erfolg mit rein. Erfolgreiche Marken werden auch gerne gekauft.

Reichen die Produktionskapazitäten denn noch? Mittlerweile muss ein Kunde in Deutschland fünf Monate bis zu fünf Monate auf ihr SUV Jaguar F-Pace warten.
Die Nachfrage nach Fahrzeugen ist so groß wie noch nie. Darum brauchen wir Kapazitäten. Wir haben gerade den Grundstein zu unserem neuen Werk in Nitra in der Slowakei gelegt. Das ist der nächste Schritt. Natürlich können wir auch die Kapazitäten bei Magna in Graz nutzen. Da gibt es bestehende Produktionsstätten, die nicht vollständig ausgelastet sind.

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