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28.10.2014

13:53 Uhr

Japanischer Zulieferer

US-Sammelklage gegen Airbaghersteller Takata

Nach vier Toten und dutzenden Verletzten durch platzende Airbags, ist in den USA eine Sammelklage gegen den japanischen Autozulieferer Takata eingereicht worden. Betroffen waren über 7 Millionen Fahrzeuge.

Auf den Hersteller defekter Airbags, den japanischen Autozulieferer Takata, kommen in den USA mit einer Sammelklage empfindliche Schadensersatzforderungen zu. ap

Auf den Hersteller defekter Airbags, den japanischen Autozulieferer Takata, kommen in den USA mit einer Sammelklage empfindliche Schadensersatzforderungen zu.

New YorkDer japanische Autozulieferer Takata muss wegen des Skandals um defekte Airbags mit hohen Schadensersatzforderungen rechnen. Verbraucher reichten am Montag bei einem Bezirksgericht in den USA eine Sammelklage ein, in der auch mehrere Autobauer beschuldigt werden, wichtige Informationen zurückgehalten zu haben.

Sollte der Klage in Florida stattgegeben werden, könnte Takata zu einer größeren Schadensersatzsumme verurteilt werden, als wenn einzelne Autohalter klagen würden. Sammel- oder Gruppenklagen sind in den USA verbreitet. Mit ihnen haben Verbraucher mit Hilfe von spezialisierten Anwälten bereits mehrfach von Unternehmen aus verschiedenen Branchen hohe Summen erstritten.

Die Klage gegen Takata ist mindestens die dritte seit die amerikanische Behörde für Fahrzeugsicherheit (NHTSA) vergangene Woche die Zahl der betroffenen Autos in den USA deutlich nach oben korrigierte. Die beiden anderen stammen von Einzelpersonen.

Seit 2013 mussten 7,8 Millionen Fahrzeuge wegen der Gefahr platzender Luftkissen in die Werkstätten beordert werden, rund ein Drittel mehr als bislang angenommen. In Deutschland wurden wegen der Takata-Airbags seit 2013 gut eine halbe Million Fahrzeuge zurückgerufen. Der größte Teil entfiel mit 450.000 auf BMW.

Das Rückruf-Debakel von General Motors

13. Februar 2014

GM ruft in Nordamerika die ersten 778.000 Wagen wegen Problemen mit den Zündschlössern zurück. Der Schlüssel kann bei voller Fahrt in die „Aus“-Position zurückspringen. GM berichtet von sechs Toten bei Unfällen.

25. Februar 2014

GM weitet den Rückruf auf weltweit 1,6 Millionen ältere Wagen aus. In Europa sind einige Tausend Roadster Opel GT betroffen. Das Unternehmen räumt erste Versäumnisse ein. Nun ist die Rede von 13 Unfalltoten. Verbraucherschützer kommen auf weit höhere Zahlen.

12. März 2014

Aus internen Vermerken geht hervor, dass GM-Ingenieure schon 2001 während der Fahrzeugentwicklung über Probleme mit den Zündschlössern berichteten.

6. März 2014

Barra leitet eine interne Untersuchung ein. Zuvor war bekanntgeworden, dass die US-Sicherheitsbehörde NHTSA überprüft, ob GM den Rückruf verschleppt hat. In US-Medien häufen sich Geschichten von Unfallopfern.

17. März 2014

GM ruft weitere Autos wegen anderer Defekte zurück, etwa wegen Airbag-Ausfällen. Auch aktuelle Modelle sind nun betroffen. Wegen der Zündschlösser gehen die ersten Klagen von Unfallopfern und Autobesitzern ein, die den Wert ihrer Wagen geschmälert sehen.

19. März 2014

Die US-Regierung bestraft Toyota wegen der Pannenserie 2009/2010. Die Japaner müssen 1,2 Milliarden Dollar zahlen. Auch hier lautet der Vorwurf, der Konzern habe die Probleme zunächst vertuscht.

29. März 2014

GM ruft nun auch 1 Million Fahrzeuge neuerer Baujahre wegen der defekten Zündschlösser zurück. Damit steigt die Gesamtzahl für diesen Defekt auf 2,6 Millionen.

31. März 2014

Der nächste Ruf startet wegen ausfallender Servolenkungen. GM beordert nun wegen diverser Mängel insgesamt 6,3 Millionen Wagen in die Werkstätten. Die Kosten schnellen auf 750 Millionen Dollar hoch, später veranschlagt das Unternehmen 1,3 Milliarden Dollar.

2. April 2014

Bei zwei Anhörungen im US-Kongress wird Barra scharf angegangen. Antworten auf die Kernfrage, warum GM so lange mit dem Rückruf der Zündschlösser zögerte, hat sie jedoch nicht.

10. April 2014

GM beurlaubt zwei Ingenieure wegen der Zündschlösser. Zwei Wochen später wird die Entwicklungsabteilung umgebaut und deren Chef scheidet aus. Zwischenzeitlich gehen auch die Personalchefin und der Kommunikationschef.

23. April 2014

GM erklärt, die ersten Ersatzteilpakete mit Zündschlössern versandt zu haben. Nun starten die Reparaturen.

30. Juni 2014

Ein weiterer Rückruf betrifft 8,4 Millionen Wagen weltweit, die meisten davon in den USA. GM zufolge hätten diverse Wagen Defekte. „Unsere Kunden verdienen mehr als das, was wir ihnen mit diesen Wagen geboten haben“, erklärte Firmenchefin Mary Barra in Detroit.

Die Airbags können auch ohne Aufprall platzen und Fahrzeuginsassen mit umherfliegenden Metallteilen verletzen. In den USA gab es deshalb schon vier Tote bei Unfällen. Dutzende Menschen wurden verletzt.

In der Sammelklage werden neben Takata unter anderem Toyota und Honda beschuldigt. Zu den insgesamt zehn betroffenen Autoherstellern, die mit Airbags von Takata beliefert wurden, zählen neben allen großen japanischen Herstellern und BMW auch die Autobauer Chrysler, Ford und General Motors. Die US-Verkehrssicherheitsbehörde überprüft Airbags, die von 2000 bis 2007 hergestellt worden sind.

Von

rtr

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