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15.10.2015

17:20 Uhr

Jetzt spricht der VW-Chef zu Dieselgate

„Von Revolution halte ich nichts“

VonLukas Bay

Volkswagen will in Europa 8,5 Millionen Diesel-Fahrzeuge zurückrufen. VW-Chef Matthias Müller schwört die Führungskräfte schon mal auf den neuen Krisenkurs ein. Radikal verändern will er den Konzern lieber nicht.

Matthias Müller wollte vor den VW-Führungskräften Zuversicht verbreiten – ohne die Erwartungen zu hoch zu schreiben. AFP

VW-Chef

Matthias Müller wollte vor den VW-Führungskräften Zuversicht verbreiten – ohne die Erwartungen zu hoch zu schreiben.

WolfsburgEin Besuch in Leipzig war für den neuen VW-Chef Matthias Müller eigentlich immer ein angenehmer Ausflug. Als Porsche-Chef konnte Müller hier die Produktion der beiden SUVs Cayenne und Macan begutachten – zwei absolute Bestseller, die den Sportwagenbauer zur Gewinnmaschine des VW-Konzerns gemacht haben. Bei seinem heutigen Besuch in Sachsen geht es für Müller um eine schwierigere Aufgabe. Er muss den Verantwortlichen im Wolfsburger Riesenreich erklären, wie der Konzern die Krise nach dem Abgas-Skandal bewältigen will.

Die Stimmung ist angespannt: Zuletzt hatte der „Spiegel“ berichtet, dass 30 Führungskräfte in den Skandal involviert seien. Der Konzern dementierte umgehend. Dann hatte das Kraftfahrt-Bundesamt (KBA) wenige Stunden vor Müllers Rede den Zwangsrückruf von 2,4 Millionen VW-Dieselmodellen angeordnet – und damit die freiwillige Lösung des Konzerns abgelehnt. Wenig später gibt der Konzern per Pressemitteilung bekannt: Europaweit müssen 8,5 Millionen Diesel-Fahrzeuge zurück in die Werkstatt. Müller will in Leipzig Zuversicht verbreiten – ohne die Erwartungen zu hoch zu schrauben. „Falls Sie von mir erwarten, dass ich Ihnen heute, in meiner dritten Arbeitswoche, fertige Konzepte präsentiere, muss ich Sie enttäuschen“, beginnt Müller seine Rede, die dem Handelsblatt vorliegt. Volkswagen sei keine „One-Man-Show“.

So könnte VW die „Dieselgate“-Kosten schultern

Kann sich der Konzern das leisten?

Der Abgas-Skandal kratzt nicht nur am Image des Volkswagen-Konzerns - er dürfte vor allem sehr teuer werden. Die wichtigsten Fragen und Antworten zu den Kosten des Skandals und wie VW sie stemmen könnte.

Quelle: dpa

Mit welchen Kosten muss VW rechnen?

Darüber rätseln Beobachter derzeit. Bislang bekannt ist: Volkswagen hat 6,5 Milliarden Euro für Kosten aus dem Abgas-Skandal zurückgelegt. Das Geld ist aber wohl in erster Linie für eine technische Umrüstung der Autos mit Manipulations-Software bestimmt, wie Finanzchef Hans Dieter Pötsch laut dem Fachblatt „Auomobilwoche“ kürzlich vor VW-Managern erklärte. Unklar ist, welche Strafzahlungen auf VW zukommen. Dazu dürften noch mindestens drei andere mögliche Kostenblöcke kommen: Strafzahlungen, Schadenersatzforderungen, Anwaltskosten. Wie hoch diese Ausgaben sein werden, lässt sich derzeit nur grob schätzen. Die Landesbank Baden-Württemberg rechnet derzeit mit einem Schaden von 47 Milliarden Euro für den Konzern. Ein möglicher Imageverlust und damit verbunden ein Rückgang der Autoverkäufe ist dabei noch nicht eingerechnet. Allerdings werden die Kosten wohl nicht auf einmal anfallen, sondern sich über Jahre verteilen.

Wie viel Geld hat VW auf der hohen Kante?

Vergleichsweise viel. VW hat sich in den vergangenen Jahren ein stattliches Kapitalpolster zugelegt. Zur Jahresmitte hatte der Konzern rund 18 Milliarden Euro Bargeld auf dem Konto. Das ist mehr als ganze Dax-Konzerne wie Adidas oder Lufthansa einzeln an der Börse wert sind. „Über den Daumen gepeilt kann VW davon die Hälfte verwenden, um mögliche Kosten zu begleichen“, sagt Nord-LB-Analyst Frank Schwope. Dazu kommen bei VW noch schnell veräußerbare Wertpapiere über 15 Milliarden Euro und Schätzungen zufolge mindestens 5 Milliarden Euro aus dem Verkauf der Beteiligungen am ehemaligen Partner Suzuki und an einer niederländischen Leasingfirma.

Könnte VW durch den Abgasskandal pleitegehen?

Das ist sehr unwahrscheinlich. VW könnte sich über Anleihen und Kredite Geld leihen, auch wenn einige Ratingagenturen ihre Bewertungen der Kreditwürdigkeit des Konzerns zuletzt angepasst hatten. Wenn es irgendwann hart auf hart käme, könnte Volkswagen immer noch sein Tafelsilber verkaufen. Am einfachsten ließen sich wohl die Luxusmarken Bentley, Bugatti und Lamborghini aus dem Konzern herausnehmen. Nord-LB-Analyst Schwope schätzt den möglichen Verkaufserlös für die drei Marken und den Motorradhersteller Ducati auf 5 bis 10 Milliarden Euro. Durch einen Verkauf der Lastwagenbauer MAN und Scania ließen sich nach seinen Berechnungen sogar 30 bis 35 Milliarden Euro erzielen. Das wertvollste Juwel in der Sammlung, den Sportwagenbauer Porsche, dürften die VW-Anteilseigner kaum abgeben wollen.

Könnte sich Volkswagen über eine Kapitalerhöhung Geld besorgen?

Nur begrenzt. Eine Kapitalerhöhung - also die Ausgabe neuer Aktien - ist bei VW nicht so leicht wie in anderen Konzernen. Damit die Familien Porsche und Piëch sowie das Land Niedersachsen als Anteilseigner ihre Macht im Konzern nicht verlieren, darf sich deren jeweiliger Anteil an den Stammaktien nicht stark verringern. Vor allem Niedersachsen dürfte aber derzeit kaum ein Interesse daran haben, weitere Stammaktien zu kaufen und Geld in den VW-Konzern zu stecken. VW könnte deshalb wohl höchstens neue Vorzugsaktien ausgeben, das sind Aktien ohne Stimmrecht auf der Hauptversammlung des Konzerns. Laut Aktiengesetz darf die Zahl dieser Vorzugsaktien die Zahl der Stammaktien allerdings nicht übersteigen. VW könnte deshalb höchstens rund 114 Millionen neue Aktien ausgeben und damit auf Basis derzeitiger Kurse rund 11 Milliarden Euro einsammeln.

An welchen Stellen kann VW für die Bewältigung der Krise sparen?

In der Regel setzen Sparmaßnahmen bei großen Konzernen zuerst bei den Mitarbeitern an: Weniger Gehalt, Einstellungsstopps, bis hin zu Stellenstreichungen und Entlassungen. Bei Volkswagen wäre das allerdings nicht so einfach. Die Arbeitnehmervertreter haben in Wolfsburg deutlich mehr Macht als in anderen Konzernen. Einfacher wäre die Kürzung geplanter Investitionen. Hier hatte Volkswagen angepeilt, bis 2019 eine Summe von mehr als 100 Milliarden Euro in Standorte, Modelle und Technologien zu stecken. Laut Experte Schwope könnte VW hier den Rotstift ansetzen und so 2 Milliarden Euro jährlich sparen, vor allem bei den Ausgaben für Forschung und Entwicklung. Nur: Dann besteht die Gefahr, von der Konkurrenz abgehängt zu werden. Der Zeitpunkt wäre denkbar ungünstig - die Autoindustrie steht durch Digitalisierung und Elektroantriebe vor einem Umbruch.

Das ist auch ein klares Signal an die Belegschaft. In den vergangenen Wochen war die öffentliche Kritik am hierarchischen Führungsstil seiner Vorgänger, Martin Winterkorn und Ferdinand Piëch, immer lauter geworden. Es gebe großen Veränderungsbedarf in der Kommunikation untereinander, dem Führungsverständnis und dem Umgang mit Fehlern, gibt auch Müller zu. Er wolle die Strukturen, die Führungskultur und die Strategie neu anpassen.

„Eine neue Konzernstruktur ist überfällig“, so Müller. Künftig soll das Riesenreich über eine Holdingstruktur gesteuert werden. Der Konzernumbau war bereits vor Monaten – und damit weit vor dem Diesel-Skandal – angestoßen worden, vor drei Wochen hatte der Aufsichtsrat die Pläne bestätigt. Künftig sollen die Marken unabhängiger von der Zentrale in Wolfsburg agieren. Bei ihren Produkten sollen die Marken heute eigene Wege gehen können. „Ob eine Frontscheibe ein Grad steiler steht oder nicht – damit will und werde ich mich nicht befassen“, so Müller.

Kommentare (3)

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Herr Marc Otto

15.10.2015, 18:09 Uhr

Als sich derzeit Herr Dr. Piech vom Rohrkrepierer Wiko distanziert hatte, konnte ich überall lesen, was doch der Wiko für ein fähiger Mann ist und wie geil seine Autos sind. Selbst hier bei den Leser gab es so einen Freinherr von Stetiger Dummheit, der mir erzählen wollte, was Wiko doch für ein fähiger Typ ist.

Dann platze die Bombe, aber das Vergessen war groß. Der Feinherr von Stetiger Dummheit wußte nix mehr davon, was er mal gesagt hatte. Osterloh, BR hatte vergessen, wie er den Wiko gestützt hat und auch Weil vom Land Niedersachsen wußte plötzlich nichts mehr von seiner Fehlentscheidung.

Und jetzt sind die Verantwortlich für diese Tat der Dummheit noch immer in Amt und Würden. Weil ist imemr noch MP, Osterloh belehrt noch immer das Management von VW und der einfälltige Herr Posche schiebt sich noch immer in Rampenlicht. Und wieder fangen diese Vetreter des Mismanagements damit an, dass sie mehr Demokratie und Kommunikation wollen.

Wow, Volkswagen wird wieder so ein lahmer Betrieb und Übernahmekandidat, wie vor 1992, wo Piech das Ruder übernahm. Mir soll es egal sein, denn die ATZ wartet und ich muss mich um den Aktienhandel kümmern.

Herr Peter Delli

15.10.2015, 20:01 Uhr

wo Piech das Ruder übernahm ??? Wo laufen sie den?

Account gelöscht!

16.10.2015, 12:51 Uhr

JETZT SPRICHT DER VW-CHEF ZU DIESELGATE
„Von Revolution halte ich nichts“


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Die revolution ist schon geschehen !!! UND FÜR VW VERLOREN !!!!

Herr Wiedeking wollte VW bei Porsche eingliedern ?

Machte dabei die VW-Aktie zu 1200 Euro Aktie und somit kurzzeitig VW zum Teuersten Weltunternehmen ?

Nun ist VW in PORSCHE HAND ZU 52 % .......und auf dem absteigender Ast !


Man stampfte PORSCHE nicht...JETZT STAMPFT PORSCHE DAS GANZE UNTERNEHMEN ???

DIE KORKEN DER SEKT FLASCHEN bei andere WELTWEITEN KONNKURRENTEN hören nicht auf aufzugehen.

VW UNTER PORSCHE IST VW´s UNTERGANG !

Aber niemanden versteht es richtig zu erkennen ?

ALSO DANN SCHNELL ZU DAIMLER GEHEN...

DORT ALLE AKTIEN AUFKAUFEN....

UND SCHNELL EINEN NEUEN 180er IN DEN MARKT ETABLIEREN...

Als auch an AUDI und VW noch schneller konkurrenz machen und die volle Marktanteile zu DAIMLER und BMW anziehen....

damit DEUTSCHLAND und das Europäischer Kontinent nicht zum Opfer fallen !!!!

GENÜGEN DER EU GANZE 30 MILLIONEN EU-DAUER-ARBEITSLOSEN NICHT AUS ???

EU WOLLT IHR MEHR ???

Dann macht nichts und glaubt an Wunder dass etwa VW den schaden von selber beheben kann. ;-)))


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