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11.04.2006

07:35 Uhr

Jobangebot

Ford wollte Zetsche

Der neue Vorstandsvorsitzende von Daimler-Chrysler, Dieter Zetsche, hatte im Frühjahr vergangenen Jahres auch ein Angebot, Chef des US-Autokonzerns Ford zu werden. Wohl nicht zuletzt dank dieser Trumpfkarte kam es zum überraschenden Wechsel an der Daimler-Spitze.

Dieter Zetsche hätte auch Ford-Chef werden können, entschied sich aber für Daimler-Chrysler. Foto: dpa

Dieter Zetsche hätte auch Ford-Chef werden können, entschied sich aber für Daimler-Chrysler. Foto: dpa

HB DÜSSELDORF. Die Job-Offerte haben Unternehmenskreise dem Handelsblatt auf Anfrage bestätigt. Von Ford war hierzu keine Stellungnahme zu erhalten. Am Mittwoch dieser Woche eröffnet Zetsche in Berlin seine erste Hauptversammlung als Vorstandsvorsitzender von Daimler-Chrysler. Das Ford-Angebot an Zetsche sei ein wichtiger Grund für den überraschenden Rückzug von Daimler-Chrysler-Chef Jürgen Schrempp Mitte vergangenen Jahres gewesen, hieß es in den Kreisen.

Die Familie Ford, die 40 Prozent des Kapitals am gleichnamigen Autokonzern hält, dachte im Frühjahr 2005 angesichts anhaltend hoher Verluste an eine Führungswechsel. Unternehmenschef William „Bill“ Ford habe auf einem Familientreffen im April 2005 seinen Rücktritt angeboten, wenn ein externer Nachfolger gefunden werde, erfuhr das Handelsblatt aus Unternehmenskreisen. Zwei Kandidaten seien in die engere Wahl gekommen: Nissan-Chef Carlos Ghosn und Dieter Zetsche, damals Chef von Chrysler. Ghosn habe abgelehnt, weil er kurz davor stand, auf den Chefposten bei der Nissan-Mutter Renault zu rücken. Zetsche dagegen habe Interesse bekundet und diesen Trumpf dann im Rennen um den Daimler-Chrysler-Chefsessel genutzt.

Schrempp hatte am 28. Juli 2005 angekündigt, zum Jahresende den Vorstandsvorsitz an Zetsche zu übergeben und den Konzern nach über 44 Jahren zu verlassen. Von 1995 bis 2005 führte Schrempp das Unternehmen. 1998 fusionierte er Daimler-Benz mit dem US-Hersteller Chrysler.

Nachfolger Zetsche krempelt den Konzern derzeit um. Er geht dabei wesentlich radikaler zu Werke als es sein Vorgänger wohl jemals gewagt hätte. Daimler-Chrysler kommt beim Stellenabbau in seiner Pkw-Sparte Mercedes gut voran. Sechs Monate nach dem Start des Programms seien „etwa 90 Prozent des Anpassungsziels“ erreicht, teilte Daimler-Chrysler vergangene Woche mit. Insgesamt will die Mercedes Car Group bis September 2006 rund 8500 Stellen streichen.

Konzernchef Dieter Zetsche hatte im vergangenen Sommer das Programm verkündet, um die Kosten in der Mercedes-Gruppe zu senken. Betroffen sind vor allem die Werke in Sindelfingen und Bremen. Weil für die deutschen Mitarbeiter bis 2012 eine Beschäftigungssicherung gilt, kommt nur ein freiwilliges Ausscheiden in Frage. Die Kosten für das Personalabbauprogramm werden mit 950 Mill. Euro beziffert.

Der Sparkurs Zetsches trifft aber nicht nur die Beschäftigte in den deutschen Mercedes-Werken, sondern auch Verwaltung und Management des Gesamtkonzerns. Bis 2008 sollen weltweit 6 000 von 30 000 Mitarbeitern und Managern in der Verwaltung gehen. Dafür hat der Konzern 2 Mrd. Euro bereitgestellt. Auch Führungspersonal muss im großen Stil gehen.

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