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31.07.2013

13:08 Uhr

Joe Kaeser löst Löscher ab

Jetzt kommt ein „echter Siemensianer“

VonDana Heide

Finanzchef Joe Kaeser leitet ab morgen Siemens. Er löst Peter Löscher ab, der nicht lieferte, was er versprach. Auch die jüngsten Zahlen sind schlecht. Kaeser muss vieles besser machen, um Löschers Schicksal zu entgehen.

Nach Löschers Abgang

Siemens: Kaeser ist die Zukunft

Nach Löschers Abgang: Siemens: Kaeser ist die Zukunft

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MünchenUnd dann geht alles ganz schnell: Siemens-Chef Peter Löscher ist Geschichte. Derjenige, der jahrelang an seiner Seite die Finanzen des Konzerns betreute, hat ihn vom Thron gestoßen. Joe Kaeser, 56 Jahre alt und pures Eigengewächs des Industriekonzerns. Der Aufsichtsrat habe die Ernennung Kaesers mit Wirkung zum 1. August einstimmig beschlossen, teilte das Unternehmen am Mittwoch in München mit. Ein Nachfolger für Kaeser werde demnächst benannt, hieß es.

Kaeser dürfte einen weitaus besseren Start als sein Vorgänger haben, wenn er am Donnerstag sein Amt antritt. Löscher war über eine Serie von Rückschlägen und zuletzt über die zweite Gewinnwarnung innerhalb von nicht einmal drei Monaten gestürzt. Auch am Tag seines Abgangs musste Siemens abermals einen Gewinneinbruch vermelden. Im abgelaufenen dritten Quartal sei der Gewinn aus dem fortgeführten Geschäft binnen Jahresfrist um 13 Prozent auf eine Milliarde Euro geschrumpft, teilte das Unternehmen am Mittwoch mit. Der Umsatz ging demnach um zwei Prozent auf knapp 19,3 Milliarden Euro zurück.

Die Ära Löscher: Wie sich Siemens verändert hat (Teil 1)

Abgang

Peter Löscher war der erste Siemens-Boss, der von außen kam. Schon zu seinem Amtsantritt warnten Aktionärsschützer, es werde dem Manager schwerfallen, eine Hausmacht in dem komplexen Konzern aufzubauen. Doch seine Erfolge überdeckten alle Zweifel - zumindest in der ersten Halbzeit. Deutlich vor seinem Vertragsende 2017 musste der Fußballfan Löscher im Jahr 2013 vom Platz.

Quelle: dpa

Seine Aufgabe

Siemens-Aufsichtsratschef Gerhard Crommee präsentierte 2007 überraschend den in Deutschland unbekannten Pharmamanager Peter Löscher als Nachfolger von Klaus Kleinfeld. Löscher beginnt seinen Job am 1. Juli 2007. Vor allem muss er die milliardenteure Schmiergeldaffäre in den Griff bekommen. Dabei geht es um eine Reihe von Korruptionsvorwürfen, die seit 2006 rund um schwarze Kassen in dreistelliger Millionenhöhe von der Staatsanwaltschaft aufgedeckt worden waren.

Eine neue Struktur

5. Oktober 2007: Der neue Chef verpasst dem Konzern eine neue, schlankere Struktur, die auf den drei Säulen Infrastruktur, Energie und Gesundheit beruht. Darüber installiert er einen kleineren Vorstand.

Gewinneinbruch

30. April 2008: Löscher muss gleich für sein erstes komplettes Geschäftsjahr die Jahresprognose nach einem Gewinneinbruch im zweiten Quartal kassieren. Am 8. Juli setzt Löscher den Rotstift an und streicht fast 17.000 Stellen im Konzern, mehr als 5.000 davon in Deutschland. Er will die Kosten um 1,2 Milliarden Euro senken.

Die Schmiergeldaffäre

15. Dezember 2008: Siemens einigt sich mit den US-Behörden auf ein Strafmaß für die Schmiergeldaffäre - damit ist der größte Brocken des Skandals aus dem Weg geräumt. Ein weiteres Jahr später einigt sich Siemens mit früheren Managern auf millionenschweren Schadenersatz für die Schmiergeldaffäre und schließt dieses Kapitel damit weitgehend ab.

Gewinnwarnung, Stellenstreichung und Rekordwerte

29. April 2009: Anders als zunächst erhofft muss Löscher angesichts ausbleibender Aufträge in der Krise doch die Gewinnprognose für das Geschäftsjahr kappen.

28. Januar 2010: Nach einem überraschend guten Start ins Jahr schockt Löscher die Belegschaft mit neuen Plänen für Stellenstreichungen. 2000 Jobs in Deutschland sollen wegfallen.
11. November 2010: Löscher kann für das Geschäftsjahr 2009/2010 Rekordwerte präsentieren. Er selbst kassiert in diesem Jahr fast 9 Millionen Euro Salär.

Siemens wird umgebaut

25. Januar 2011: Auf der Hauptversammlung loben Aktionäre Löscher für den Konzernumbau und seine Politik insgesamt. Es ist vermutlich das erfreulichste Aktionärstreffen für den Manager.
29. März: Löscher baut weiter um und will einen vierten Sektor für Infrastruktur und Städte schaffen, die Lichttochter Osram soll an die Börse gebracht werden.
27. Juli: Der Aufsichtsrat von Siemens verlängert den Vertrag mit Löscher vorzeitig bis 2017 - vor allem wegen der Erfolge, die der Manager beim Umbau des Konzerns erzielt hat.
4. September: Angesichts von Turbulenzen an den Aktienmärkten verschiebt Siemens den geplanten Börsengang von Osram.

Löschers Ablösung galt in den vergangenen Tagen bereits als sicher. Kaeser ist schon seit 33 Jahren im Konzern. "Ein echter Siemensianer", lobt ein Kollege aus der Führungsetage. Als er mit 23 Jahren sein BWL-Studium abschloss, war das Münchener Unternehmen seine erste Anlaufstelle.

Peter Löscher hingegen hatte vor seinem Amtsantritt als Siemens-Chef im Juli 2007 vor allem im Gesundheitsbereich gearbeitet – so leitete er die Gesundheitssparte von General Electric, zuvor war er beim Chemie- und Pharmakonzern Hoechst tätig. Bei Siemens musste er gleich mit den Aufräumarbeiten im Zuge des Korruptionsskandals beginnen.

Auch Kaeser war im Zuge des Schmiergeldskandals beschuldigt worden, von den Bestechungen gewusst zu haben. Er hatte jedoch stets seine Unschuld beteuert und war schließlich unbescholten aus dem Skandal herausgekommen.

Kommentare (7)

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wolfi

31.07.2013, 12:30 Uhr

bei Siemens kann man sehr gut erkennen, was Juristen, Schauspieler / Schwätzer und Erbsenzähler gemeinsam mit Beratern an der Spitze eines Technologieunternehmens anrichten können
in ein paar Jahren ist Siemens Geschichte

Account gelöscht!

31.07.2013, 13:09 Uhr

Ich lese im Web, dass Peter Löscher als Abfindung mal 6,7 oder 9 oder 15,7 Mio. bekommen soll. Die Neiddebatte kann also weitergehen.

oadla

31.07.2013, 13:22 Uhr

Das ausgerechnet derjenige Nachfolger vom Löscher wird, der die Gewinnprognosen revidiert hat, ist schon ein Hammer. Aber bekanntermassen wird ja immer der Überbringer der schlechten Botschaften geköpft.....

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