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16.05.2011

10:00 Uhr

Joghurtbecher aus Mais

Wie Öko-Produkte die Rohstoffpreise in die Höhe treiben

VonChristoph Kapalschinski, Regine Palm

Grüne Produkte wie Joghurtbecher aus Mais sind nachhaltig - doch sie sorgen dennoch für Kritik, denn sie können die Preise für Lebensmittel in die Höhe treiben. Und biologisch abbaubar sind sie auch nicht immer.

Maispflanzen in einem Schaugarten: Unternehmen die auf nachhaltige Produkte setzen, geraten ungewollt in die Schusslinie. Quelle: picture-alliance/ ZB

Maispflanzen in einem Schaugarten: Unternehmen die auf nachhaltige Produkte setzen, geraten ungewollt in die Schusslinie.

DüsseldorfDer ganze Stolz von Andreas Ostermayr ist ein Joghurtbecher. Ein ziemlich normaler, zumindest rein äußerlich. Das Besondere des Bechers, den der Deutschland-Chef von Danone in einem Konferenzraum am Münchener Stadtrand in den Händen hält, liegt in seinen inneren Werten. Ostermayrs Becher ist aus Biokunststoff. Das Rohmaterial ist Mais, nicht Erdöl.

Zukünftig will Danone einen wachsenden Teil seiner Puddings, Quarks und Fruchtjoghurts in den neuen Bechern verkaufen. Das sei ein Schritt zu mehr Nachhaltigkeit, betont das Unternehmen. Die Bündel an Informationsbroschüren, die Ostermayr vor sich ausgebreitet hat, zeigen aber: Danone hat die Sorge, falsch verstanden zu werden. Und das zu Recht.

Unternehmen wie der Joghurthersteller befinden sich in einer Zwickmühle. Einerseits wollen sie ökologisch orientierte Kunden locken, indem sie bei ihren Produkten auf Agrarrohstoffe statt Rohöl setzen. Andererseits geraten sie genau dadurch in die Schusslinie. Denn je mehr Mais und Palmöl in Verpackungen und Produkten steckt, umso weniger steht für die Ernährung der Welt zur Verfügung.

„Die Abnehmer von Agrargütern konkurrieren miteinander“, bestätigt Axel Herlinghaus, Rohstoffexperte der DZ Bank. Auf der einen Seite steht die Verwendung als Nahrungs- und Futtermittel, auf der anderen Seite der industrielle Einsatz, etwa für Verpackungen – aber auch für Biosprit.

Jüngstes Beispiel ist der Treibstoff E10, der in Internetforen die alte Diskussion „Tank oder Teller“ wiederbelebt hat. Der Riss geht quer durch alle Branchen. In vielen Unternehmen ist eine Diskussion entbrannt, ob beim Kampf um eine grüne Zukunft die Prioritäten noch stimmen.

Etwa beim Konsumgüter-Multi Unilever: „Bereits heute beeinträchtigt die Nachfrage nach landwirtschaftlichen Ausgangsmaterialien für Biokraftstoffe die Verfügbarkeit von Rohstoffen und treibt die Preise in die Höhe“, sagt ein Sprecher. Es bestehe die Gefahr, dass die weltweite Versorgung mit Nahrungsmitteln destabilisiert werde. Anbauflächen für Biokraft- und Kunststoffe dürften Nahrung nicht verdrängen. Auch Nestlé-Chef Paul Bulcke forderte zuletzt im Handelsblatt-Interview, den Trend zu hinterfragen.

Zwar wächst der Markt für Biokunststoffe mit zweistelligen Raten, insgesamt ist er aber noch sehr klein. Weltweit wurden im letzten Jahr 250 Millionen Tonnen Plastik verbraucht, der Anteil der Biokunststoffe beträgt daran bisher weniger als ein Prozent. „Das hat noch keinen Einfluss auf die fundamentale Situation“, bestätigt Markus Mezger vom Rohstoffspezialisten Tiberius Asset Management.

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