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06.05.2011

15:03 Uhr

Jubiläum

Wie sich Coca-Cola zum 125. Geburtstag herausputzt

VonKatja Ridderbusch

Coca-Cola zelebriert am Firmensitz in Atlanta eine perfekte Jubiläumsshow. Und Firmenchef Muhtar Kent zeigt, warum er "The Bulldozer" genannt wird.

Coca-Cola-Chef Kent: "wie bei den Vereinten Nationen".

Coca-Cola-Chef Kent: "wie bei den Vereinten Nationen".

AtlantaEr fühle sich "wie bei den Vereinten Nationen", sagt Muhtar Kent, als er, begleitet von wummernden Bässen, die Bühne des großen Auditoriums am Firmensitz von Coca-Cola in Atlanta betritt. 200 Medienvertreter aus 26 Ländern hat der US-Konzern zu seinem 125. Geburtstag eingeladen.

Sie alle sind gespannt auf Kent, den Mann an der Spitze des weltgrößten Getränkeherstellers. Mit seinen 1,90 Meter Größe, dem dunklen Maßanzug und den schwarzen Augen unter den dichten Brauen strahlt er eine wuchtige Präsenz aus.

Kent, 58, hat einen türkischen und einen amerikanischen Pass. Zum Anlass des Jubiläums der braunen Brause singt er das Hohelied auf die Globalisierung. Mit tiefer Stimme, gelassen und routiniert, heißt er die Journalisten in Atlanta, "dort, wo unsere Geschichte begann", willkommen. "Aber eigentlich", sagt er mit einer weit ausladenden Geste, "ist unsere Heimat überall dort, wo es Coca-Cola gibt: Mumbai, Montreal oder Mombasa. Wir führen unser Geschäft lokal - aber unser Denken ist immer global".

Bei Coca-Cola versteht man sich auf die perfekte Inszenierung. Die Farbe der Sessel im Auditorium ist - was sonst - leuchtend rot. Auf der Leinwand hinter dem Redner flackern Werbevideos und ein Geburtstagsbanner, weiße Lettern auf rotem Grund: "125 Years of Happiness." Auf dem Podium steht, klein, aber unübersehbar, eine rote Coke-Flasche aus Aluminium, aus der Kent ab und zu einen tiefen Schluck nimmt.

Nicht zufällig trägt der Manager, der seit 1978 für Coca-Cola arbeitet und 2008 das Ruder übernahm, den Spitznamen "The Bulldozer". Er ist ein Mann, der Veränderung vorantreibt, ein Mann der klaren Worte. Sein Motto: "Wir müssen immer konstruktiv unzufrieden bleiben."

Und so spricht Kent über die Zukunftsstrategie seines Konzerns, die "Vision 2020". Die werde bestimmt von einer rasant wachsenden Mittelklasse, von kraftvoll aufsteigenden Märkten in Osteuropa, Asien und Afrika, von begrenzten Energieressourcen und einem neuen Konsumententyp, "der weltweit und vernetzt kommuniziert, der sich einmischt und auch den moralischen Wert des Unternehmens beurteilt".

Die Wahrheit über Coca-Cola

Unglaubliche Mengen

Kein Wunder: Jedes Jahr werden auf der Welt 145 Milliarden Liter Cola-Produkte getrunken. Das entspricht der Menge an Kraftstoff, die der Ölriese Shell verkauft, oder der doppelten Menge an Abwässern, die die Stadt Düsseldorf jährlich produziert (inklusive Regenwasser).

Die Zähne

Cola-Junkies erkennt man am Gebiss. Das Getränk gehört zum Schlimmsten, was man seinen Zähnen antun kann. In einem Liter sind 106 Gramm Zucker, so viel wie 35 Würfel.

Warum Zähneputzen nichts hilft

Der Anteil an Phosphorsäure macht alles schlimmer, denn die Substanz greift die Zähne an. Putzen hilft kaum, vor allem nicht direkt nach dem Genuss. Denn dann ist der Zahnschmelz schwach, die Bürste schabt ihn ab, Karies hat freie Bahn.

Wer wie viel trinkt

Deutsche trinken jährlich 40 Liter davon, Amerikaner 200 Liter.

Legendenbildung

In 125 Jahren, die das Getränk auf dem Buckel hat, ist ein wahrer Katalog an Märchen, Legenden und Fabeln entstanden, vom physikalischen Unsinn bis zur Verschwörungstheorie. Angesichts des gewaltigen Ausstoßes und der großen, mit Koffein und Zucker aufgeputschten Zielgruppe ist klar, dass nicht alles stimmt, was über Cola kursiert.

Zersetzt Cola Fleisch?

Quatsch ist zum Beispiel, dass die Brühe in der Lage sei, Fleisch zu zersetzen – und also auch die Magenwand auflöst. Zahlreiche Experimente von interessierten Nutzern haben gezeigt, dass selbst nach nächtelangem Einlegen das Fleisch noch da ist. Wenn auch weniger appetitlich als vor der Behandlung (aufgedunsen und grau).

Explosive Mischung

Richtig ist hingegen, dass Mentos und Cola eine explosive Mischung machen. Auch hier haben geschätzte zehn Millionen Versuche mit anschließender Sauerei eine klare Kausalität offen gelegt: Schmeißt man Mentos rein, schießt Cola raus. Allerdings handelt es sich weniger um einen chemischen, als vielmehr einen physikalischen Prozess. An der runden Oberfläche des Kaubonbons lagert sich Kohlensäure ab, bis die Fontäne spritzt (mit Cola Light funktioniert’s besser, weil mehr Kohlensäure drin ist).

Schwache Knochen

Es stimmt auch, dass Cola die Knochen schwächt. Manche sagen, es liegt am Phosphat, andere sagen, es liegt am Koffein. Eine Studie der Uni Harvard hat gezeigt, dass Sportlerinnen sich fünfmal so oft die Knochen brechen, wenn sie viel Cola trinken. Auch in Zukunft wird Coca-Cola also nicht nur das Geschäft der Zahnärzte, sondern auch der Orthopäden fördern. Experten von Goldman Sachs rechnen jedenfalls mit weiter wachsenden Geschäften des Konzerns. Cola-Junkies wird's freuen.

Darauf reagiert Coca-Cola mit einem ehrgeizigen Ziel: Bis 2020 will der Konzern seinen Umsatz verdoppeln - und eine Balance herstellen: zwischen etablierten, westlichen und hungrigen, aufsteigenden Märkten. Zwischen sprudelnden und stillen Getränken. "Balance, das ist der Schlüssel", sagt Kent und greift zu einer Flasche "Smart Water", die neben der Cola steht. Derzeit machen die kohlensäurehaltigen Getränke noch 70 Prozent im Portfolio aus.

Der Aufbau der Weltmarke Coca-Cola sei jedenfalls nichts für die Zaudernden, die Zartbesaiteten gewesen, sagt "The Bulldozer".

Kommentare (2)

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Account gelöscht!

06.05.2011, 19:55 Uhr

Pro Liter Cola werden ca. 100 gr. Zucker verwendet. Da macht es Sinn über Cola Light als Alternative nachzudenken. Wenn Coca Cola die beiden Light Varianten billiger anbieten würde, würden die Verbraucher vermehrt zu diesen Artikeln greifen. Das wäre besonders für die Gastronomie mit ihren Mixgetränken interessant (Spezi, Bacardi Cola etc.) Auch Fast Food Ketten können bei ihren Menüs ausschließlich Light Produkte anbieten. Es sollten Marktest gemacht werden. Bei weniger Zuckerverbrauch wird auch entsprechend weniger Anbaufläche benötigt. Dieses wäre auch ein Beitrag zum Thema Nachhaltigkeit/Naturschutz. Ich hoffen meine Gedanken sind richtig und auch verstanden worden.

Nachwuchs

07.05.2011, 11:18 Uhr

Light schmeckt mir persönlich noch süsser. Wie wäre es, man lässt die Zuckerchemie weg und senkt ganz normal den Zuckerinhalt um 50%?

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