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13.12.2012

10:57 Uhr

Jubiläumsfeier abgesagt

Opel kneift vor Demonstranten

Trotz der für 2016 angekündigten Schließung des Bochumer Opel-Werks wollte das Unternehmen am Samstag das 50-jährigen Bestehen der Fabrik feiern. Doch jetzt wird das Fest abgesagt – aus Sicherheitsgründen.

Ein Schild am Opel-Werk in Bochum. dpa

Ein Schild am Opel-Werk in Bochum.

DüsseldorfDie Feier zum 50-jährigen Jubiläum des Opel-Werks Bochum ist abgesagt. Bis zu 20.000 Besucher waren für Samstag auf dem Werksgelände erwartet worden – doch angesichts der in dieser Woche verkündeten Schließung des Standorts im Jahr 2016 hat das Unternehmen das Fest jetzt abgesagt, bestätigte ein Sprecher der Stadt Bochum. Es seien deutlich mehr Besucher erwartet worden als ursprünglich angenommen, sagte er.

Nach Gesprächen mit der Stadt sei die Veranstaltung aus „Sicherheitsgründen“ abgesagt worden, berichtete unter anderem der Radiosender WDR2. Offensichtlich befürchtete das Unternehmen, dass der Aufruf von Gewerkschaften zu einer Solidaritätskundgebung den Rahmen gesprengt hätte und zu viele Menschen auf das Werksgelände hätten strömen können. Bei der Absage handele sich um einen „unglaublichen Vorgang“, kommentierte Rainer Einenkel, Betriebsratschef des Bochumer Werks die Entscheidung, wie die WAZ berichtete.

Opel in Bochum

1962

Das Werk entsteht nach ungefähr zwei Jahren Bauzeit auf dem Gelände der ehemaligen Zeche Dammbaum. Das erste Auto, das vom Band rollt, ist ein Kadett A. Das Werk ist für 10.000 Beschäftigte konzipiert, viele der damaligen Arbeiter kommen aus dem Bergbau.

1967

Der Mittelklassewagen Olympia kommt ins Programm. Drei Jahre später sind es der Ascona und der legendäre Manta, die ab 1970 in dem Werk vom Band rollen.

1979

Höchststand bei der Beschäftigung: Zum Jahresende arbeiten mehr als 20 000 Menschen im Bochumer Opel-Werk.

1991

Der Astra löst den Kadett ab. Bis 2004 wird das Fahrzeug gefertigt, ab 1999 der Siebensitzer Zafira.

2004

Die Konzernmutter General Motors legt einen drastischen Sparplan für die europäische Tochter auf, bei der bis 2006 rund 10 000 Stellen gestrichen werden sollen. Opel beschäftigt in Bochum noch etwa 9000 Mitarbeiter.

2005

Betriebsrat und Management unterschreiben einen „Zukunftsplan“, der die Existenz des Bochumer Werks sichern soll. In dem Jahr kommt ein neues Zafira-Modell nach Bochum.

80er und 90er Jahre

Der Personalstand schwankt nach Angaben der Bochumer Werksleitung zwischen 15 000 und 17 000.

2009

GM kündigt einen weiteren drastischen Stellenabbau von Opel in ganz Europa an, rund 9000 der noch 55 000 Stellen sollen wegfallen.

2011

Seit dem Jahr wird der Zafira Tourer in Bochum gebaut. Es ist vermutlich die letzte Produktionslinie an dem Standort.

2012

Opel beschäftigt noch rund 3200 Menschen in Bochum. Seit Bestehen wurden in dem Werk 13,5 Millionen Autos gebaut. Das Werk besteht nun seit 50 Jahren.

2013

Die Bochumer Belegschaft sagt Nein zu einem neuen Sanierungsplan, der die Autoproduktion bis Ende 2016 vorsieht. Der Opel-Aufsichtsrat beschließt darauf das Aus für das Werk. Nur ein Warenverteilzentrum soll erhalten bleiben.

„Das Bochumer Werk muss bleiben“, unterstrich der Betriebsrat des Werks erneut. Die Belegschaft hatte bei dem geplanten Familienfest am Samstag eigentlich zeigen wollen, „wie wichtig das Bochumer Werk für die Region ist.“ Tausende von Besuchern seien erwartet worden. „Die Enttäuschung über das Verhalten von Opel ist groß“, beklagte die Arbeitnehmervertretung.

Die Stadt habe Nachbesserungen am Sicherheitskonzept für die Feier verlangt, erläuterte der Sprecher. „Daraufhin hat Opel abgesagt“. Oberbürgermeisterin Ottilie Scholz (SPD) bedaure dies sehr. Bei Opel in Rüsselsheim war keine Stellungnahme zu erhalten.

Ursprünglich hatte die Feier bereits Ende Oktober stattfinden sollen, doch die Hängepartie um die Zukunft des Werkes dürfte der Grund für die Verlegung in den Dezember gewesen sein. Opel hatte am Montag angekündigt, das Bochumer Automobilwerk mit 3365 Beschäftigten dichtzumachen.

Die Entscheidung begründete Interimschef Thomas Sedran mit dem dramatisch geschrumpften Automarkt in Westeuropa und den hohen Überkapazitäten in der gesamten Branche. „Gemeinsam mit den Menschen der Region, Gewerkschaften, Künstlern, Initiativen und vielen Persönlichkeiten des öffentlichen Lebens werden wir jetzt eigenständig eine große Veranstaltung organisieren“, kündigte der Betriebsrat an. „Diese Veranstaltung werden wir uns von Opel nicht verbieten lassen.“

Die europäischen Opel-Werke im Überblick

Die Ausgangslage

Opel leidet unter sinkendem Absatz und teuren Überkapazitäten. Nun will der Autobauer in seinem Werk in Bochum keine Autos mehr bauen. Eine Übersicht über die Fertigungsstätten.

Bochum

In Bochum laufen der Astra Classic und der Zafira Tourer vom Band. Ende 2014 läuft die Produktion aus. Danach soll die Autoproduktion eingestellt werden.

Rüsselsheim

Am Stammsitz Rüsselsheim werden der Insignia sowie ein Astra-Modell (5-Türer) gefertigt. 13 800 Mitarbeiter sind am Standort beschäftigt, davon 3500 in der Produktion und 7000 im Bereich Entwicklung und Design.

Eisenach

In Eisenach bauen knapp 1600 Beschäftigte den Corsa.

Kaiserslautern

In Kaiserslautern bauen knapp 2700 Beschäftigte Komponenten, Motoren und Achsen.

Gleiwitz (Polen)

In Gleiwitz läuft seit 2011 nur noch der Astra (bis 2010 auch der Zafira) vom Band; in Polen sind rund 3500 Menschen beschäftigt.

Saragossa (Spanien)

Am Standort Saragossa fertigen rund 6100 Mitarbeiter den Corsa, den Meriva und den Combo. Ab 2014 soll auch der Mokka in Spanien gebaut werden.

Ellesmere Port (England)

Etwa 2100 Mitarbeiter bauen für die Opel-Schwester Vauxhall in Ellesmere Port Astra-Modelle. Dort konnte das Management zuletzt rigide Sparmaßnahmen durchsetzen.

Luton (England)

In Luton wird der Transporter Opel Vivaro von 1100 Beschäftigten gefertigt.

Sonstige

Motoren und/oder Getriebe werden zudem in Szentgotthárd (Ungarn/660 Mitarbeiter) und Aspern (Österreich/1700) sowie in einem Joint Venture in Tychy (Polen) hergestellt. In Rüsselsheim und Turin hat der Hersteller Entwicklungszentren.

Bereits geschlossen wurde das Werk Antwerpen mit zuletzt mehreren tausend Mitarbeitern.

Kommentare (4)

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APO-Man

13.12.2012, 09:27 Uhr

Dieser weiteren Bestätigung des Opel Missmangements hätte es nun wirklich nicht bedurft.
(Trotzdem werde ich mir wohl nächstes Jahr einen Zafira Sports Tourer mit Flex-fix Fahrradträgersystem und Biturbo-Diesel zulegen, möglichst aus deutscher Produktion (welches Auto wird schon noch in Deutschland gebaut!?), in der Hoffnung, dass Opel an ein fähigeres Unternehmen verkauft wird. Denn die Produkte sind nicht schlecht, nur die Führung/Eigentümer!)

Account gelöscht!

13.12.2012, 09:52 Uhr

ich bin auch auf der suche, nach einen Insignia Sportstourer...

Account gelöscht!

13.12.2012, 12:14 Uhr

Vielleicht wäre es billiger für GM, wenn es alle Werke in Deutschland schließt und den "Mitarbeitern" dafür ihr Gehalt bis zum Lebensende weiterbezahlt. Aber auf diese Idee kommen die unverschämten Phantasten von Opel bestimmt auch selber noch. Allerdings werden sie diese Rente auch noch für ihre unverheirateten Töchter verlangen, denn Opel-Mitarbeiter sind ja was Besseres als andere Angestellte, die entlassen werden.

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