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12.09.2014

17:06 Uhr

Kältemittel-Streit

EU will Verfahren gegen Deutschland vorantreiben

Nächste Runde im Kältemittel-Streit: Daimler weigert sich aus Sicherheitsgründen auch weiterhin, das Kältemittel 1234yf einzusetzen. Die EU hält das für illegal – und treibt nun ein Verfahren gegen Deutschland voran.

Der deutsche Autobauer Daimler nutzt R1234yf nicht, weil das Unternehmen die Substanz für feuergefährlich hält. dpa

Der deutsche Autobauer Daimler nutzt R1234yf nicht, weil das Unternehmen die Substanz für feuergefährlich hält.

StuttgartDer Streit Deutschlands mit der EU über Kältemittel in Mercedes-Klimaanlagen steuert auf eine Auseinandersetzung vor Gericht zu. Die Kommission werde auf ihrer Sitzung am 24. September voraussichtlich beschließen, das Verfahren gegen Deutschland weiter voranzutreiben, erklärte eine mit dem Vorgang vertraute Person der Nachrichtenagentur Reuters am Freitag. Daimler weigert sich aus Sicherheitsgründen, in Neuwagen das klimaschonendere Kältemittel 1234yf einzusetzen, das derzeit allein nach geltendem EU-Recht zulässig ist. Mercedes-Modelle fahren weiter mit dem bisherigen Mittel 134a – nach Ansicht der Kommission ist das illegal.

Nach Eröffnung des Verfahrens im Januar verteidigte die Bundesregierung dieses Vorgehen. Die Argumente hätten die Kommission aber nicht überzeugt, erklärte ein Mitarbeiter der Behörde weiter. Die Kommission werde der Bundesregierung erneut eine Stellungnahme schicken. Dann läuft eine letzte Frist, in der die Regierung Daimler zur Umstellung auf das neue Mittel zwingen müsste.

Der ehemalige Industriekommissar Antonio Tajani hatte im Januar zudem von einem Rückruf von 130.000 Autos gesprochen. Geschieht das nicht, reicht die Kommission die Klage beim Europäischen Gerichtshof ein, der eine Geldstrafe verhängen könnte. Bis zu einem Urteil vergehen ein bis zwei Jahre.

Wissenswertes rund um Autokältemittel

Der komplizierte Name

R1234yf ist ein organsicher, fluorierter Stoff (Summenformel C3H2F4). Die international genormte Bezeichnung des neuen Kältemittels ist R1234yf. Das R steht für den englischen Begriff für Kältemittel (Refrigerant).

Warum neue Kältemittel für Autoklimaanlagen?

Um die Erdatmosphäre zu schonen. Bisher wurde in Fahrzeugklimaanlagen als Kältemittel das fluorierte Treibhausgas Tetrafluorethan (R134a) eingesetzt. Die Richtlinie 2006/40/EG über Emissionen aus Klimaanlagen in Kraftfahrzeugen verbietet den Einsatz dieses Stoffes in neuen Typen von Pkw und Pkw-ähnlichen Nutzfahrzeugen.

Als mögliche alternative Kältemittel  wurden Kohlendioxid (CO2) und ein fluorierter Stoff, 2,3,3,3‑Tetrafluorpropen (R1234yf), von der Automobilindustrie betrachtet. Aus Klimaschutzgründen favorisiert das Umweltbundesamt CO2 als Kältemittel für Automobilklimaanlagen.

Welche Fristen gelten?

Die EU-Kommission gibt vor: Ab 1. Januar 2011 müssen alle neuen Typen bei Pkw- und Pkw- ähnlichen Nutzfahrzeugen mit einem Kältemittel ausgestattet werden, das einen GWP von 150 oder geringer hat.

Ab dem 1. Januar 2017 müssen alle neuzugelassenen Pkw mit einem Kältemittel ausgestattet werden, das einen GWP von 150 oder geringer hat.

Was bedeutet GWP?

GWP steht für global warming potential (deutsch: Treibhauspotential). Ein GWP-Wert von 1430 (wie beim Kältemittel R134a) bedeutet, dass ein Kilogramm R134a eine 1430 mal stärkere Wirkung auf die Erhöhung des Treibhauseffektes hat als ein Kilogramm Kohlendioxid (CO2). Für die Treibhauswirkung von CO2 wurde ein GWP von 1 festgelegt.

1234yf - Eigenschaften

R1234yf ist als Kältemittel ein relativ neuer Stoff. R1234yf ist brennbar bzw. leicht entzündlich und bildet an heißen Oberflächen und beim Verbrennen Fluorwasserstoff. Im Fall eines Fahrzeugbrandes, der in Deutschland etwa 20.000 bis 30.000 mal pro Jahr vorkommt, entsteht aus dem Kältemittel auch Flusssäure, die bei Menschen schwere Verätzungen hervorrufen kann. Die Bildung von anderen sehr giftigen Gasen wie Carbonyldifluorid (COF2) wird vermutet.

R1234yf hat ein für die Erfüllung der EU-Richtlinie ausreichend niedriges Treibhauspotential, das früher mit 4 und mittlerweile mit 1 angegeben wird. Nachteilig ist aber, neben der Brennbarkeit, die technische Möglichkeit, in Fahrzeugklimaanlagen mit 1234yf das klimaschädliche R134a nachzufüllen, warnt das Umweltbundesamt. Außerdem zerfällt R1234yf in der Atmosphäre in die algengiftige und kaum abbaubare Trifluoressigsäure (kurz TFA), die sich in Gewässern anreichert. .

Kohlendioxid

Kohlendioxid ist deutlich weniger klimaschädlich als der zuvor benutzte Stoff R134a, es unterbietet ihn sogar um mehr als das Tausendfache. Außerdem ist Kohlendioxid  weder brennbar noch giftig, wenn auch nicht komplett ungefährlich. Und im Gegensatz zu R1234yf, das einzig von den Chemiekonzernen Honeywell und Dupont vertrieben werden darf, ist es preiswert und als industrielles Nebenprodukt leicht verfügbar.

Bei stationären Klimaanlagen wird CO2 bereits seit längerer Zeit eingesetzt. Im Auto jedoch sind entsprechende Klimaanlagen noch nicht serienreif. Hersteller und Zulieferer arbeiten seit Jahren daran, hatten die Entwicklung nach der Branchenentscheidung für R1234yf jedoch nicht mehr forciert.

Größtes Problem der CO2-Technik ist, dass sie mit höheren Drücken arbeitet als die bisher gängigen Systeme und deshalb neue, daran angepasste Klimaanlagen benötigt. Die Entwicklung und Serieneinführung der Anlage ist für den Hersteller mit höheren Investitionskosten verbunden.

Linkliste

Das Bundesverkehrsministerium war für eine Stellungnahme nicht zu erreichen. Ein Sprecher der EU-Kommission wollte keinen Kommentar abgeben. Ein Daimler-Sprecher erklärte, das Unternehmen unterstütze die Behörde mit Informationen, falls das notwendig sei.

Kommentare (1)

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Herr Wolfgang Trantow

12.09.2014, 18:59 Uhr

Und wieder kämpft die EU gegen Deutschland. Sie will unbedingt tote Deutsche sehen! Politiker, die Deutsche schützen wollen, würden kämpfen für deutsche Menschen. Was macht aber unsere Kanzlerin Merkel??????

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