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23.09.2012

17:26 Uhr

Kampf auf den Gleisen

Eisenbahner ringen um neue Aufträge

VonDieter Fockenbrock

Das Wachstum in der Eisenbahn-Branche lässt nach – umso härter wird der Kampf um neue Aufträge ausfallen. Denn die Zeit der Haus- und Hoflieferanten ist vorbei. Siemens, Alstom und Bombardier bringen sich in Stellung.

Ein ICE von Siemens im Produktionsprozess. APN

Ein ICE von Siemens im Produktionsprozess.

BerlinHans-Jörg Grundmann, seit zehn Jahren der Chefeisenbahner bei Siemens, trat überraschend ab. Im Oktober wird der Manager das Compliance-Ressort des Münchener Technologiekonzerns übernehmen. Seinem Nachfolger Jochen Eickholt übergibt er ein mit 13 Milliarden Euro prall gefülltes Orderbuch. Und die Querelen mit der Deutschen Bahn um die verspätete Auslieferung von 16 ICE-Zügen für den internationalen Verkehr sind weitgehend beigelegt. Siemens baut auf eigene Kosten einen 17. Zug.

Aber Grundmann hinterlässt auch ein Problem. Das seit Jahren ungebrochene Wachstum der Branche ist vorbei. Das jedenfalls prognostizieren die Experten der Beraterfirma SCI Verkehr. "Die Zeit teurer Prestigeobjekte mit geringem verkehrlichen Nutzen ist vorbei", sagt SCI-Geschäftsführerin Maria Leenen. Die leeren öffentlichen Kassen zwängen zur Bescheidenheit. Viel schlimmer aber: Dort, wo der Markt noch wächst - in den Schwellenländern und beim Güterverkehr - seien die Industriepartner in Zukunft oftmals chinesische oder lokale Hersteller, nicht aber die Technologieführer aus Europa und Japan, sagt die Expertin voraus.

Die Folge: Der Weltmarkt für Bahntechnik wird laut SCI zwar jährlich um 3,3 Prozent auf knapp 168 Milliarden Euro im Jahr 2016 wachsen. Siemens und seine härtesten Konkurrenten Alstom oder Bombardier müssten sich jedoch auf Konsolidierung einstellen. Umso härter dürfte der Kampf um neue Aufträge auf den etablierten Märkten in Westeuropa geführt werden. Zumal die Zeit der Haus- und Hoflieferanten vorüber ist. Grund dafür sind die Ausschreibungsrichtlinien der EU, die öffentlichen Auftraggebern Direktvergaben weitgehend verbieten.

Beispiel Hamburg: Dort steht die Entscheidung über einen Großauftrag an. Drei Bewerber sind nach Brancheninformationen für die Fahrzeuge im Rennen: Bombardier, die spanische Construcciones y Auxiliar de Ferrocarriles (CAF) und Hitachi aus Japan. Das Volumen beträgt mindestens 250 Millionen Euro. Es können bis zu 600 Millionen werden.

Kommentare (5)

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bahnkunde

23.09.2012, 17:46 Uhr

Wenn der Kunde zum Betatester wird, da werden sich alle Anbieter warm anziehen müssen künftig.
Gut, dass ein polnisches Unternehmen mit Unternehmergeist künftig die deutsche Bahn beliefern wird, glaubt man den Meldungen.

Entbürokratisierung.

Ladies hierzulande: nun wird es ernst damit.
Also nicht klagen wegen ausbleibender Mittel, sondern die Ärmel aufkrempeln: da ist es scheißegal ob "aufgestellt" oder nicht.

Und das ist gut so!

was_fuer_Firmen_konkurrieren

23.09.2012, 19:01 Uhr

Wenn die spanische Firma den Zuschlag bekommt, dann hat man sich eine neue Elbphilharmonie in Eisenbahnversion zugelegt. Das wird dann nämlich die grösste Pleite, die man sich vorstellen kann, wobei weder die gelieferte Technik mit dem übereinkommt, was man versprochen hat, noch werden irgendwelche Zeitplanungen eingehalten.

Und dass Alstom überhaupt noch existiert, grenzt an ein Weltwunder. Ach ja, es gibt ja frz. Sozialisten.

Account gelöscht!

23.09.2012, 20:15 Uhr

Siemens - ist das nicht die Firma, die das Endkundengeschäft in hart umkämpften Branchen aufgegeben hat (Handys - Siemens Mobile - BenQ, Computer - FujitsuSiemens - heute nur noch Fujitsu) und sich auch aus anderen margenschwachen Bereichen zurückgezogen hat (Siemens Halbleiter - Infineon und Qimonda, Siemens Bauelemente - heute die japanische TDK)? Und die sich ganz auf das Geschäft mit Großkunden konzentrieren wollte - und auf die Megatrends Energie, Verkehr und Umwelt? Und was kommt demnächst? Divesifizierung? Weniger korruptionsanfälliges Consumergeschäft? Die nächste BWL-Mode? Bin mal gespannt ...

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