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08.08.2016

09:33 Uhr

Kampf gegen Krebs

Der 35-Milliarden-Dollar-Rückschlag

VonSiegfried Hofmann

Ein heftiger Rückschlag im Kampf gegen Lungenkrebs hat am Freitag 35 Milliarden Dollar Börsenwert bewegt. In der hochgelobten Krebsimmuntherapie schlummern kommerzielle Risiken – auch für Anbieter wie die deutsche Merck.

Die Krebsimmuntherapie ist für die Pharmahersteller keineswegs eine sichere Bank. dpa

Krebsforschung

Die Krebsimmuntherapie ist für die Pharmahersteller keineswegs eine sichere Bank.

FrankfurtSeit gut vier Jahren sorgt die Krebsimmuntherapie für Furore in der Pharmabranche. Wirkstoffe, die das Immunsystem gegen Tumorzellen aktivieren, lieferten überraschende gute Ergebnisse in diversen klinischen Studien, und heizten damit sowohl die Investitionen der Pharmafirmen als auch die Erwartungen der Analysten an.

Nun jedoch erlebte das Konzept seinen ersten großen Rückschlag: Eine große Studie des US-Konzerns Bristol-Myers Squibb (BMS) mit seinem Wirkstoff Opdivo verfehlte bei der Behandlung von Patienten mit Lungenkrebs das Ziel, den Krankheitsfortschritt stärker zu verzögern als die Standardtherapie. Das Ergebnis wirkte auf Investoren wie ein Schock, die BMS-Aktie verlor am Freitag knapp 16 Prozent. Das entspricht rund 20 Milliarden Dollar Verlust an Börsenwert.

Formen der Krebs-Therapie

Operation

Bei einer Operation wird der Tumor entfernt, häufig auch die umliegenden Lymphknoten um eine Streuung zu vermeiden. Eine Operation allein reicht meist nicht aus.

Quelle: Bayerische Krebsgesellschaft

Chemotherapie

Dabei kommen bestimmte Medikamente, sogenannte Zytostatika, zum Einsatz. Sie können bösartige Tumoren zerstören oder zumindest ein weiteres Wachstum verhindern. Die Medikamente greifen in den Zell-Stoffwechsel ein. Weil sie aber nicht zwischen gesunden Zellen und Tumorgewebe unterscheiden können, kommt es zu Nebenwirkungen, etwa Haarausfall, Erbrechen, Immunschwäche. Weil sich das Normalgewebe aber schneller regeneriert, wirkt die Chemotherapie auf Krebszellen stärker.

Strahlentherapie

Der Tumor wird vor, nach oder anstelle einer Entfernung mit energiereicher Strahlung beschossen. Die Bestrahlung kommt nur lokal zum Einsatz und kann das Wachstum des Tumors bremsen, indem die Tumorzellen zerstört werden.

Molekularbiologische Therapie

Es handelt sich um einen jungen Therapieansatz, auch "targeted therapy" (zielgerichtete Therapie) genannt. Hierunter fällt die in der US-Studie erforschte Blockierung des Ral-Proteins. Spezifische Wirkstoffe sollen zielgenau die Krebszellen angreifen.

Hormontherapie

Hierbei werden Antihormone gegeben. Sie können vor allem Tumoren der Geschlechtsorgane und Brustkrebs im Wachstum stoppen oder verlangsamen.

Hyperthermie

Hierunter versteht man die Überwärmung des Körpers oder einzelner Körperteile. Dies kommt beispielsweise ergänzend zu einer Strahlentherapie zum Einsatz, und kann ihre Wirkung verstärken.

Hintergrund sind die bislang enormen Erwartungen für das Umsatzpotenzial des Wirkstoffs. BMS gilt als Pionier und bisher führendes Unternehmen im Bereich der Krebsimmuntherapie und Opdivo als Top-Wirkstoff in dieser Produktklasse. Das Mittel ist bereits gegen Hautkrebs sowie in der so genannten Zweitlinientherapie gegen Lungen- und Nierenkrebs und gegen bestimmte Formen von Lymphdrüsenkrebs zugelassen. Das heißt, es darf dort eingesetzt werden, soweit andere Therapien nicht wirken.

Große Hoffnungen ruhten indessen darauf, dass Opdivo auch zum Mittel der ersten Wahl bei Lungenkrebs werden könnte. Das sollte die so genannte Checkmate-Studie belegen, die nun aber scheiterte.

Bankexperten gingen nach Daten der Analysefirma Evaluate Pharma bisher im Schnitt davon aus, dass Opdivo Ende des Jahrzehnts mehr als acht Milliarden Dollar Umsatz erzielen könnte, manche kalkulierten sogar mit Spitzenumsätzen in zweistelliger Milliardenhöhe. Diese Prognosen müssen nun voraussichtlich um etliche Milliarden nach unten korrigiert werden.

Der Fehlschlag zeigt, dass es auch auf dem Gebiet der Krebsimmuntherapie nicht immer gradlinig vorangeht und einige klinische Risiken auf dem Feld schlummern. Wissenschaftler weisen seit längerem bereits darauf hin, dass die Mittel letztlich nur bei etwa 30 Prozent der Patienten wirken – was allerdings in vielen Bereich als enormer Fortschritt gegenüber den bisherigen Therapien gilt.

Kommentare (9)

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Herr Renatus Isenberg

08.08.2016, 09:55 Uhr

Genau wie die Industrie mit Impfstoffen ist die Anti-Krebs Industrie nur durch Illusion und Lügen am Laufen gehalten. Es geht schliesslich um riesige Investitionen für Investoren, die Profite sehen wollen.Unabhängige amerikanische Ärzte schätzen, dass weniger als 3% der Patienten bei Krebstherapien Erfolg haben. Genau wie die Lüge des Zyka Virus, das angeblich Deformationen des Kopfes herbei führen soll, während in Wirklich die Missbildungen auf den Gebrauch von Chemikalien in der Landwirtschaft zurück zu führen sind, phantasiert sich die Pharma Industrie die Krebstherapie schön. Dieser Rückfall wird bald vergessen sein und Prinzip Hoffnung wird die Aktien der Pharma Firmen wieder pushen.

Herr Roland Müller

08.08.2016, 09:55 Uhr

Die 35 Milliarden Dollar waren offensichtlich nur allgemeiner Goldgräberstimmung geschuldet, ohne realen Hintergrund in der Sache. Niemand von den Spekulanten hat es offenbar für nötig gehalten, auf die Ergebnisse der Forschung und Entwicklung zu warten. Selber schuld kann man da nur sagen.

Herr Toni Ebert

08.08.2016, 10:58 Uhr

Was würde die Pharma und die Ärzte nur machen, wenn die Menschen plötzlich (von alleine) gesund werden?

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