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19.06.2014

14:22 Uhr

Kampf um Alstom

GE legt im Kampf mit Siemens nach

GE reagiert auf die verbesserte Offerte von Siemens und legt Alstom ein neues Angebot vor. Derweil ätzt der Chef des französisches Mischkonzerns stärker denn je gegen die Deutschen - und auf seine Regierung.

Großes Interesse an Alstom: GE will sich offenbar am Donnerstag mit einem neuen Angebot an die Regierung in Paris und die Gewerkschaften wenden. AFP

Großes Interesse an Alstom: GE will sich offenbar am Donnerstag mit einem neuen Angebot an die Regierung in Paris und die Gewerkschaften wenden.

ParisEs ist womöglich ein vorentscheidender Tag im weltweit viel beachteten Poker um Alstom - bestätigte Neuigkeiten gibt es zwar noch nicht, aber reichlich spannende Gerüchte: So stehe die französische Staatsbank BPI offenbar bereit, sich am künftigen Alstom -Konzern zu beteiligen. Das gelte unabhängig davon, welcher der beiden Bieter den Zuschlag für Alstom bekomme, sagte eine mit den Plänen vertraute Person der Nachrichtenagentur Reuters. Der Alstom-Verwaltungsrat soll sich bis Montag zwischen der 12,4 Milliarden Euro schweren Offerte des US-Konzerns General Electric und einem Gegengebot eines Konsortiums aus Siemens und der japanischen Mitsubishi Heavy entscheiden.

Sollte Alstom mit GE eine Verbindung eingehen, würde sich die Staatsbank an der übrig bleibenden Transportsparte beteiligen, sagte der Insider weiter. Falls Alstom mit Siemens und Mitsubishi einig werde, strebe BPI einen Anteil an Alstom als Ganzem an.

Alstom -Chef Patrick Kron macht aus seiner Ablehnung des Siemens -Angebots weiter keinen Hehl. "Sie wollen unser Gasgeschäft und wir sollen ihr Transportgeschäft übernehmen, nun ja, sie dürfen träumen", sagte Kron einer Investorenkonferenz, wie die Analysten der französischen Bank Exane BNP Paribas in einem Marktkommentar am Donnerstag schreiben. "Am Ende des Tages, auch wenn es gelegentlich anders aussieht, werden die Aktionäre entscheiden", sagte der Firmenchef weiter in Anspielung auf die Versuche der französischen Politik, die Übernahme zu beeinflussen. Eine Alstom-Sprecherin wollte sich dazu nicht äußern. Kron sagte laut Exane BNP weiter, das Gremium werde beide Gebote auf ihre Wirtschaftlichkeit, Machbarkeit und auf Risiken prüfen und die Ansichten der Aktionäre dabei berücksichtigen.

Die Schlacht um Alstom

Um wen dreht sich der Kampf?

Objekt der Begierde ist die französische Industriegruppe Alstom, deren Energiesparte Kraftwerke, Turbinen und Stromnetze baut, während die Transportsparte Züge wie den Hochgeschwindigkeitszug TGV herstellt. Konzernchef Patrick Kron will sich künftig auf das Schienengeschäft konzentrieren und daher die Energiesparte verkaufen, die für 70 Prozent des Konzernumsatzes steht.

Wer hat Interesse an Alstom?

General Electric legte Ende April nach diskret geführten Verhandlungen mit Alstom ein Angebot für die Energiesparte vor und will 12,35 Milliarden Euro zahlen. Unmittelbar nach Bekanntwerden der Offerte stieg GE-Konkurrent Siemens in den Ring: Der Konzern aus München erklärte ebenfalls sein Interesse an der Alstom-Energiesparte und bot an, bei einem Geschäft seine Zugsparte - den Bau des ICE, von Straßen- und U-Bahnen - an die Franzosen abzutreten. Dann kündigte Siemens überraschend an, sich mit dem japanischen Konkurrenten Mitsubishi Heavy Industries zusammengeschlossen zu haben. Und auch Hitachi schlug sich auf Siemens' Seite.

Welches Geschäft schwebt Siemens, Mitsubishi und Hitachi vor?

Siemens möchte das Alstom-Geschäft mit Gasturbinen kaufen; Mitsubishi würde die gleiche Summe für die Alstom-Dampfturbinen hinblättern und sich zu diesem Zwecke mit dem ebenfalls japanischen Hitachi-Konzern zusammenschließen. Das Siemens Bahn-Geschäft könnte mit dem entsprechenden Bereich bei Alstom zusammengelegt werden.

Warum wagt Siemens keinen Alleingang?

Zunächst einmal hat Siemens zusammen mit Mitsubishi mehr Mittel, um gegen den US-Giganten GE anzutreten. Ein Grund könnten zudem kartellrechtliche Bedenken sein: Laut deutschen Zeitungen würde Siemens Probleme bekommen, wenn der Konzern das Stromtrassen-Segment von Alstom schluckt, denn die Deutschen gehören auf dem Gebiet bereits zu den weltweiten Marktführern.

Welche Rolle spielt die französische Regierung?

Die sozialistische Regierung reagierte sauer, als sie mitbekam, dass Alstom hinter ihrem Rücken mit General Electric verhandelt hatte. Sie trat sofort auf die Bremse und machte sich für einen Deal zwischen Alstom und Siemens stark, Wirtschaftsminister Arnaud Montebourg warb offen für eine europäische Lösung.

Inzwischen beteuert die Regierung, sie habe was die Konkurrenten im Bieterkampf angeht „keine Präferenz“. Sie will aber möglichst viele Zugeständnisse bei Arbeitsplätzen, Standorten und Unabhängigkeit bei der Energieversorgung erhalten. Inzwischen hat sich Paris per Dekret ein Veto-Recht bei ausländischen Investitionen in Frankreich etwa in den Branchen Energie und Transport gesichert.

Derweil hat sich GE-Chef Jeff Immelt am Nachmittag mit Wirtschaftsminister Arnaud Montebourg getroffen. Außerdem steht noch eine Besprechung mit Vertretern von Gewerkschaften an und eine Pressekonferenz. Immelt hat das Angebot für Alstoms Energiesparte aufgebessert. Unter dem Druck der Rivalen Siemens und Mitsubishi bieten die Amerikaner den Franzosen an, ihre Eisenbahn-Signaltechnik an die Alstom-Verkehrssparte abzugeben, berichtete "Le Figaro". Alstom solle zudem am Stromnetzgeschäft beteiligt bleiben, wenn GE das gesamte Energiegeschäft von Alstom übernehme. GE in Frankreich wollte sich zu dem Bericht nicht äußern.

Immelt hatte vor einem Monat angeboten, die Firmenzentrale für das Netzgeschäft, die Wasser- und Windkraft sowie Dampfturbinen in Frankreich anzusiedeln. Immelt hatte zudem bereits angedeutet, GE erwäge einen Zusammenschluss der Signaltechnik, die unter Alstom-Kontrolle kommen solle.

Alstom: Siemens-Plan "zu kompliziert"

Und noch ein Gerücht - allerdings aus für gewöhnlich gut informierter Quelle: Alstom hat den Siemens-Plan in einer ersten Bewertung als zu kompliziert eingestuft, wie die Nachrichtenagentur Bloomberg berichtet. So betrachte der Konzern etwa die von Siemens vorgeschlagene Auftrennung des Gas- und Dampfturbinengeschäfts als nicht praktikabel.

Der Plan sei “in seiner Struktur hochkomplex”, was aus betrieblicher Sicht vermutlich noch sehr viel deutlicher zum Tragen kommen würde, schrieb der New Yorker Analyst Nicholas Heymann von William Blair & Co. in einer Studie am 17. Juni. “Die Aufspaltung in Gas- und Dampfturbinen ist möglicherweise nicht durchführbar.”

An Teilen von Alstom sind auch Siemens und Mitsubishi Heavy Industries aus Japan interessiert. Der deutsche Konzern möchte dem Unternehmen die Gaskraftwerksparte abkaufen, während Mitsubishi bei Alstom einsteigen will. Die französische Regierung hält die Offerten sowohl von GE als auch von Siemens und Mitsubishi für unzureichend.

Von

rtr

Kommentare (6)

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19.06.2014, 12:57 Uhr

Siemens sollte sich tunlichst aus dem Bieterverfahren mit GE heraushalten. Es würde bei den verkrusteten Konzernstrukturen eine Art europäische VEB Energie oder VEB Transport entstehen. Es ist auch fraglich, ob die EU-Wettbewerbsbehörde einen entsprechenden Spartenzusammenschluss billigen würde. Siemens sollte erst einmal seine eigenen Probleme im Zusammenhang mit der Auslieferung dann hoffentlich funktionierender ICE 3 Züge an die Deutsche Bahn AG lösen. Das scheint wohl ein Mammutwerk zu sein. Und eins sei dem Siemens-Vorstand noch auf die Fahnen geschrieben: Die Kapazitäten sind nicht unendlich; falls Ihr versteht, was ich damit meine!

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19.06.2014, 13:00 Uhr

Siemens sollte hier weiterhin sehr vorsichtig agieren ... im Zweifelsfall kann man aus einem Merger von GE und Alstom eher profitieren, indem man Kunden abwirbt und organisch wächst ... Siemens in Verbindung mit den Brands "German Engineering" und "Made in Germany" ist nach wie vor ein nicht zu unterschätzendes Asset im weltweiten Geschäft ...

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19.06.2014, 13:25 Uhr

Wetten, wir bekommen bald einen neuen Alstom-Chef ??

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