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26.01.2004

19:11 Uhr

Kampf um Konkurrent Aventis eröffnet

Fondsmanager fordern besseres Sanofi-Angebot für Aventis

In Börsenkreisen wird spekuliert, andere Größen der Pharmabranche könnten Kaufangebote für Aventis vorlegen und damit eine Übernahmeschlacht auslösen.

ali/shf/mm/sce PARIS. Der Pariser Pharmakonzern Sanofi-Synthélabo will den Konkurrenten Aventis übernehmen. Sanofi-Chef Jean-François Dehecq legte den Aventis-Aktionären am Montag ein Angebot mit einem Volumen von 47,8 Mrd. Euro vor. Aventis lehnte die Offerte umgehend ab. Sie sei feindlich, zu niedrig und mit Risiken behaftet. Bei einem Zusammenschluss entstünde der weltweit drittgrößte Pharmakonzern. Sanofi-Aktien verloren gestern knapp 6 %, Aventis-Papiere legten um knapp 3 % zu.

Sanofi-Chef Dehecq begründete den Vorstoß mit dem Hinweis, lange Verhandlungen über einen Zusammenschluss im gegenseitigen Einvernehmen wären Zeitverschwendung. Zwar könne Aventis nach einem weißen Ritter Ausschau halten, er hoffe jedoch, die Aventis-Aktionäre in den „nächsten Tagen, Wochen und Monaten“ überzeugen zu können. Aventis-Chef Igor Landau kritisierte, Sanofi habe es nicht einmal für nötig befunden, vorher mit Aventis über eine Fusion zu sprechen. Neben dem Aventis-Vorstand empfahlen auch der Aufsichtsratschef Jürgen Dormann und sein Stellvertreter Jean-René Fourtou dem Aufsichtsrat, das Kaufangebot zurückzuweisen.

Sanofi bietet fünf Aktien und 69 Euro in bar für sechs Aventis-Aktien. Das bewertet Aventis mit 47,8 Mrd. Euro. Sanofi erklärte, das Angebot liege um 15,2 % über der Durchschnittsnotierung der letzten drei Monate. Aventis ist mit einem Umsatz von 20,6 Mrd. Euro zwar deutlich größer als Sanofi (8 Mrd. Euro Umsatz), beide Unternehmen sind aber an der Börse etwa gleich bewertet, weil Sanofi bei vergleichbaren Gewinnen nach Einschätzung von Branchenexperten günstigere Perspektiven hat. Nach einem Zusammenschluss wären die beiden Unternehmen in Europa die Nummer zwei, weltweit die Nummer drei hinter dem US-Konzern Pfizer und der britischen Glaxo-Smithkline-Gruppe.

Nach Ansicht von Fondsmanagern muss Dehecq sein Angebot noch aufstocken, um den Konkurrenten Aventis in die Knie zwingen zu können. „Aus Sicht von Sanofi macht die feindliche Übernahme sehr viel Sinn, für Aventis’ Aktionäre gilt das allerdings nicht“, sagte Markus Manns, verantwortlich für die Biotechnologie- und Pharmafonds von Union-Investment, der Fondsgesellschaft der Genossenschaftsbanken. Union ist den Daten der Nachrichtenagentur Bloomberg zufolge der elftgrößte Aventis-Anteilseigner. Auch Holger Geissler, Fondsmanager bei der Fondstochter der Deutschen Bank DWS, hält das Sanofi-Angebot für deutlich zu niedrig. Beide Fondsmanager gehen davon aus, dass Sanofi noch genug finanzielle Luft für eine Aufstockung des Angebots hat. Von einem möglichen Gegenangebot von Aventis für Sanofi halten beide wenig. Nach Manns Meinung sollten sich beide Parteien schnell an den Verhandlungstisch setzen.

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