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31.08.2012

14:05 Uhr

Kampf um Rhön-Klinikum

Asklepios will zweite Fresenius-Offerte verhindern

Asklepios will seine Anteile am Rhön-Klinikum auf mindestens 10,1 Prozent aufstocken und so einen zweiten Übernahmeversuch von Fresenius abblocken. Der Machtkampf um das Rhön-Klinikum geht damit in die nächste Runde.

Asklepios hält bereits Anteile in der Höhe von fünf Prozent am Rhön-Klinikum und will jetzt eine Sperrminorität erwerben. Reuters

Asklepios hält bereits Anteile in der Höhe von fünf Prozent am Rhön-Klinikum und will jetzt eine Sperrminorität erwerben.

FrankfurtIm Machtkampf um den Klinikbetreiber Rhön-Klinikum will Asklepios eine zweite Offerte des Medizinkonzerns Fresenius mit aller Macht verhindern. „Asklepios hat eine Voranfrage über eine Minderheitsbeteiligung an der Rhön-Klinikum AG angemeldet“, sagte ein Sprecher des Bundeskartellamtes am Freitag der Finanz-Nachrichtenagentur dpa-AFX. Wie dpa-AFX aus Kreisen erfuhr, will Asklepios wissen, welche Konsequenzen eine Aufstockung in Höhe von 10,1 Prozent und mehr haben könnte.

Asklepios könnte mit einer Sperrminorität wichtige Entscheidungen wie Kapitalmaßnahmen oder Satzungsänderungen bei dem MDax-Konzern blockieren, denn laut Satzung ist dafür die Zustimmung von mehr als 90 Prozent des vertretenen Kapitals notwendig.

Das Familienunternehmen, das bereits mehr als fünf Prozent an Rhön hält, hat nach Aussagen von Insidern dem Rhön-Vorstand bereits mitgeteilt, den Anteil an dem fränkischen Unternehmen ausbauen zu wollen. „Asklepios hat beim Kartellamt eine Voranfrage gestellt, ob das Unternehmen seinen bisherigen Anteil auf 10,1 Prozent und mehr aufstocken darf“, erfuhr dpa-AFX am Freitag aus mit der Transaktion vertrauten Kreisen.

Fresenius Stärken und Schwächen

Stabile Gewinne, hohe Verschuldung

Vieles läuft gut bei Fresenius - zumindest auf den ersten Blick: Die Gewinne sprudeln konstant und erwartbar. Doch angesichts der vielen Zukäufe gibt es da eben auch Risiken. Ein Blick auf die Stärken und Schwächen des Konzerns.

Stärke: Zunehmende Diversifikation

Haben die Aktionäre bei Fresenius lange Zeit vor allem auf die Entwicklung der Dialysetochter Fresenius Medical Care (FMC) geschaut, so liefert Fresenius dank der Zukäufe der vergangenen Jahre inzwischen seine eigene Börsenstory. Sorgte FMC im Jahr 2004 noch für 69 Prozent der Umsätze, lag der Anteil im vergangenen Jahr nur noch bei 56 Prozent.

Stärke: Unabhängiger von FMC

Zum Konzernergebnis, das allerdings nur anteilig in Höhe der Beteiligung von Fresenius an FMC bei dem Mutterkonzern einfließt, trug FMC 2004 noch 71 Prozent bei. Aktuell sind es noch 33 Prozent. Das margenstarke Geschäft von Kabi mit intravenös zu verabreichenden Medikamenten sorgt mittlerweile für mehr als die Hälfte des Nettogewinns. Auch der Klinikkonzern Helios steuert mehr als 163 Millionen Euro bei.

Stärke: Das Klinikgeschäft

Der nur in Deutschland agierende Klinikkonzern Helios braucht Zukäufe, um Umsatz und Gewinn langfristig steigern zu können. Denn im deutschen Krankenhausmarkt sind die Kostenerstattungen gedeckelt und die Patientenzahlen nicht beliebig steigerbar.

Stärke: Helios boomt

Helios hat es geschafft, sich in den vergangenen Jahren bei der Marge vor die Wettbewerber Rhön-Klinikum Asklepios und Sana zu setzen, was allerdings nicht nur ein Verdienst des Managements ist. Helios hat auch vergleichsweise viele große Krankenhäuser im Portfolio, die medizinisch schwerere Fälle behandeln. Damit fließen dem Unternehmen tendenziell höhere Erstattungssummen zu als Anbietern, die kleine Krankenhäuser der Grundversorgung betreiben.

Stärke: Besser als die Konkurrenz

Allerdings ist Helios Vorreiter in Sachen Qualitätsberichte. Für jedes Krankenhaus wird die medizinische Leistung schon seit Jahren transparent dokumentiert. Während Helios 2011 eine Ebitda-Marge von 13,8 Prozent ausweist, erreichen die Konkurrenten Rhön-Klinikum und Sana 12,8 Prozent und 9,3 Prozent. Auch bei der Ebit-Marge liegt Helios mit 10,1 Prozent deutlich vor den anderen privaten Klinikkonzernen.

Schwäche: Mieses Rating

Zwar hat die Ratingagentur Standard and Poor's unlängst das Rating von Fresenius von BB auf BB+ angehoben, das ändert aber nichts dran, dass alle drei Agenturen dem Unternehmen eine Bonitätsbewertung im Ramschbereich geben.

Schwäche: Hohe Verschuldung

Wegen der Akquisitionen des vergangenen Jahres ist der Verschuldungsgrad des Konzerns - gemessen am Verhältnis der Finanzverbindlichkeiten zum operativen Ergebnis vor Abschreibungen (Debt to Ebitda) - von 2,6 auf 2,8 gestiegen. Die 25 Dax-Industriekonzerne kommen im Durchschnitt auf 2,2 Prozent.

Schwäche: Neue Belastungen

Geht der Kauf von Rhön-Klinikum wie geplant über die Bühne, erhöht sich der Verschuldungsgrad auf 3,0 bis 3,5. Fresenius hat aber angekündigt, die Verschuldung im nächsten Jahr wieder in den üblichen Korridor von 2,5 bis 3,0 zurückzuführen.

Schwäche: Hoher Firmenwert drückt

Vor Herausforderungen steht der Konzern aber noch an anderer Stelle: So kletterte der Geschäfts- und Firmenwert auf mittlerweile gut 12,7 Milliarden Euro oder 120 Prozent des Eigenkapitals. Firmenwerte entstehen bei Übernahmen, wenn der Kaufpreis über dem neu bewerteten Vermögen der gekauften Firma liegt. Sie stehen als Vermögenswert in der Bilanz und drücken die Zukunftserwartung des Managements aus. Erfüllen sich diese nicht, drohen Abschreibungen.

Die Anfrage werde mit Antragseingang in einer ersten Phase einen Monat lang geprüft, so das Bundeskartellamt. Dabei spiele die Frage eine Rolle, ob ein Anteilserwerb von 25 Prozent einen maßgeblichen Einfluss auf die Gesellschaft darstelle. Die Anmeldung sage aber nichts darüber aus, ob Asklepios eine Übernahme anstrebe oder nicht. Bei Asklepios war auf Anfrage vorerst niemand für eine Stellungnahme erreichbar. Ein Rhön-Sprecher sagte, dem Unternehmen liege derzeit keine neue Stimmrechtsmeldung von Asklepios vor.

Ende Juni war Fresenius-Chef Ulf Schneider mit seinem ersten Gebot in Höhe von 3,1 Milliarden Euro für Rhön gescheitert, weil die Bad Homburger nicht wie angestrebt 90 Prozent der Rhön-Aktien einsammeln konnten. Inklusive Schulden wäre der Deal 3,9 Milliarden Euro schwer gewesen.

Fresenius prüft derzeit einen zweiten Anlauf. Eine Entscheidung soll in den nächsten Tagen fallen. Die Bad Homburger könnten sich zunächst mit einer einfachen Mehrheit von 50 Prozent plus eine Aktie begnügen. Diese Konstellation wäre für Fresenius allerdings mit Risiken behaftet, da ungewiss ist, ob der Konzern damit den Durchgriff auf das Unternehmen erhalten könnte.

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