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24.09.2013

17:00 Uhr

Kampfjets für Südkorea

Milliardenschwerer Rüstungsdeal wird vertagt

Rückschlag für Boeing: Obwohl der Kampfjet F-15SE als einziger die Vorgaben der südkoreanischen Regierung erfüllt, wird ein milliardenschwerer Rüstungsdeal neu ausgeschrieben. Lockheed oder EADS könnten profitieren.

Der F-15SE Kampfjet von Boeing konnte sich bei der südkoreanischen Ausschreibung noch nicht durchsetzen. dpa

Der F-15SE Kampfjet von Boeing konnte sich bei der südkoreanischen Ausschreibung noch nicht durchsetzen.

SeoulIm Rennen um den weltgrößten Rüstungsauftrag des Jahres hat sich Südkorea vorerst gegen eine Bestellung bei Boeing entschieden und will das Projekt neu ausschreiben. Dies kündigte die zuständige südkoreanische Behörde DAPA am Dienstag an.

„Die DAPA wird das Programm zügig neu auflegen, um das Vakuum bei den Kampfkapazitäten möglichst klein zu halten“, teilte die Behörde mit. Boeings Angebot über 60 Kampfjets vom Typ F-15SE war zuletzt das einzige, das mit einem Volumen von 7,7 Milliarden Dollar im Rahmen der Budgetvorgaben der südkoreanischen Regierung lag.

„Der Preis ist nicht mehr die Hauptsorge“, erklärte ein Sprecher des Verteidigungsministeriums in Seoul zur Neuausschreibung. Die Lage in Ostasien und die Bedrohung aus Nordkorea erfordere neueste Technik, hieß es aus Regierungskreisen zu den Gründen. Der vom Boeing angebotenen F-15 Silent Eagle fehle die aktuelle Tarnkappentechnik. In einem Gutachten hätte Lockheed Martins Tarnkappenjet F-35 besser abgeschnitten, berichtete die südkoreanische Nachrichtenagentur Yonhap.

Die Geschichte des Eurofighters

November 1977

Franzosen, Deutsche und Briten planen einen gemeinsamen Kampfjet für die Neunzigerjahre.

Dezember 1983

Frankreich, Deutschland, Spanien, Großbritannien und Italien schließen ein Abkommen über den Bau von 800 Flugzeugen à 35 Millionen Euro, die als "Jäger 90" ab 1995 fliegen sollen.

August 1985

Frankreich scheidet aus dem Projekt aus

Sommer 1986

Großbritannien und Deutschland übernehmen je ein Drittel, Italien 21 Prozent und Spanien 13 Prozent. Die Briten beauftragen BAE Systems, Italien den späteren Rüstungsriesen Finmeccanica, Deutschland und Spanien den heutigen EADS-Konzern.

November 1988

Offizieller Auftrag zum Bau.

Februar 1992

Nach Ende des Kalten Kriegs wollen die Regierungen ein einfacheres, preiswerteres Modell, das nun "Eurofighter 2000" heißen soll..

Mai 1992

Der Prototyp ist fertig.

März 1994

Erfolgreicher Erstflug.

Juli 2003

Österreichs Parlament beschließt den Kauf von 18 Exemplaren, der erste Export des Eurofighters.

Oktober 2003

Lieferung des ersten Jets.

Dezember 2005

Saudi- Arabien will bestellen. Die britische Antikorruptionsbehörde SFO untersucht Bestechungsvorwürfe. London stoppt die SFO "aus nationalem Interesse".

Sommer 2006

Die Eurofighter-kritische SPÖ gewinnt die Parlamentswahl in Österreich. Im Oktober startet der Untersuchungsausschuss wegen möglicher Bestechungen und stellt die Arbeit 2007 ergebnislos ein.

Wie viele Kampfjets nun bestellt würden und wie hoch das zur Verfügung stehende Budget ausfalle, das stehe noch nicht fest, sagte der Ministeriumssprecher. Auch ein Mix verschiedener Flugzeuge sei möglich. Man berate darüber, könne aber noch keine Details nennen. Zunächst werde der Auftrag neu ausgeschrieben. Das Verteidigungsministerium rechnet mit einer Entscheidung in rund einem Jahr. Boeing zeigte sich enttäuscht, man sei den Vorgaben gefolgt, hieß es vom Unternehmen.

Südkorea hatte bislang geplant, seine Flotte von in die Jahre gekommenen F-4s und F-5s Kampfjets des US-Herstellers McDonnell Douglas ab 2017 mit 60 neuen Kampfflugzeugen zu erneuern. Um den Auftrag beworben hatten sich Boeing mit der F-15 Silent Eagle, Lockheed Martin mit dem Tarnkappenjet F-35 und EADS mit dem Eurofighter. Der Kampfjet-Deal wäre das bisher größte Waffengeschäft in der Geschichte Koreas.

Kommentare (1)

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hanji

24.09.2013, 22:14 Uhr

Ich vermute, dass hinter der überraschenden Verschiebung der Ausschreibung etwas ganz anderes steckt als offiziell erklärt: Dieses Rüstungsprojekt wurde noch von der alten US-hörigen MB Lee Administration vorbereitet und mit Brachialgewalt der neuen Regierung von Frau Park aufgezwungen, die ihren Wählern eigentlich Frieden & Entspannung mit Nordkorea sowie das Einfrieren des Verteidigungshaushalts versprochen hat. Nicht wenige Südkoreaner waren der Meinung, dass der CIA den Norddiktator für das absurde, scheinbar unmotivierte Drohen im Frühjahr geschmiert hat. Und sie haben ihre privaten Wetten gewonnen, nachdem Kim JongUn just an dem Tag mit dem Poltern aufhöerte, an dem die Falken im Verteidigungsministerium Süd zwei gigantische Aufrüstungsorgien ("Ausschreibungen") für dieses Jahr der Presse verkündeten. Folgerichtig flog dann EADS als Nicht-US-Anbieter - sachlich völlig überraschend - aus dem Bieterverfahren. Inzwischen ist die neue Präsidentin Süd in ihrem Amt angekommen, hat die alten Scharfmacher in der Administration teilweise abgesetzt und realisiert ihre Wahlversprechen. Ich wette, dieses militärisch überflüssige und absurd begründete Riesenprojekt wird erstmal verschoben und verliert sich dann im Sanktnimmerleinstag.

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