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29.03.2006

21:36 Uhr

Kannegiesser erneuert Vorschlag für längere Arbeitszeiten

80 000 Metaller gehen für höhere Löhne in den Ausstand

Mit Warnstreiks, Demonstrationen und Fackelzügen haben über 80.000 Beschäftigte der Metall- und Elektroindustrie ihrer Forderung nach fünf Prozent mehr Lohn Nachdruck verliehen. Sofort nach Ablauf der Friedenspflicht legten am Mittwoch ganze Nachtschichten in über 300 Unternehmen die Arbeit nieder und zogen zu Kundgebungen vor die Werkstore.

HB DÜSSELDORF. Zur größten Protestaktion versammelten sich nach Gewerkschaftsangaben rund 10.000 Beschäftigte der Ford-Werke in Köln. IG-Metall-Chef Jürgen Peters warf den Arbeitgebern Blockadehaltung vor und forderte sie ultimativ zur Abgabe eines Angebots auf, um einen Streik zu vermeiden. Gesamtmetall-Präsident Martin Kannegiesser gab der Gewerkschaft die Schuld an der sich abzeichnenden Eskalation des Tarifstreits.

Die Proteste seien eine letzte Warnung, sagte Peters vor mehreren tausend Demonstranten vor der Zentrale der nordrhein-westfälischen Metallarbeitgeber in Düsseldorf. „Wir wollen eine schnelle Lösung - jetzt sofort“, rief Peters. Gelinge dies nicht, werde die IG Metall „den Konflikt nicht scheuen“: „Wer Wind säht, wird Sturm ernten.“

Kannegiesser entgegnete, die Arbeitgeber hätten bereits Vorschläge unterbreitet, auf die die Gewerkschaft nicht eingehe. Diese bleibe beim Frontalprinzip: „Zahl fordern, Streik organisieren und alles, was die Arbeitgeber tun, als Provokation bewerten“, sagte er der Wochenzeitung „Die Zeit“. Der IG Metall hielt er vor, mit ihren Forderungen kleinere Unternehmen zu gefährden.

Kannegiesser verlangte eine stärkere Differenzierung der Löhne. Neben einem Grundgehalt sollte die Beschäftigten je nach Berufsgruppen ein Leistungsentgelt und eine Beteiligung am Unternehmenserfolg erhalten. Arbeitgeberpräsident Dieter Hundt erklärte, angesichts von „fünf Millionen Arbeitslosen fehlt mir jedes Verständnis für das wachstums- und beschäftigungsfeidliche Verhalten der IG Metall“. Diese müsse am Verhandlungstisch zu einem „verantwortungsvollen Ergebnis“ beitragen.

Im Sender N24 erneuerte Kannegiesser seinen Vorschlag für längere Arbeitszeiten. Unternehmen, die Beschäftigung aufbauten, solle ermöglicht werden, für eine befristete Zeit die Arbeitszeit auszuweiten. Peters sagte dazu: „Da haben einige nicht mehr alle Tassen im Schrank.“ Die IG Metall wolle neue Stellen, aber keine Mehrarbeit für die Belegschaften.

Die Arbeitgeberverband in Nordrhein-Westfalen kritisierte die Warnstreiks als überflüssig und unnötig. Verbandspräsident Michael Jäger sagte, durch die Arbeitsniederlegungen würden die Gräben zwischen den Tarifparteien tiefer. Jäger hatte bereits für die nächste Gesprächsrunde am 06.April ein Angebot „mit Zahlen“ angekündigt, das eine Komponente zur Erhöhung der Löhne sowie Einmalzahlungen vorsehen soll, um Unterschiede in der wirtschaftlichen Lage der Firmen auszugleichen.

Bundesweit nahmen der Gewerkschaft zufolge rund 81.000 Beschäftigte an Warnstreiks teil. Die größte Beteiligung an den befristeten Ausständen registrierte die IG Metall in Nordrhein-Westfalen, wo sie über 33.000 Mitarbeiter aus 182 Betrieben zählte, die an unterschiedlichen Aktionen teilnahmen. In Baden-Württemberg waren es mehrere tausend Beschäftigte von DaimlerChrysler in Rastatt und Mannheim sowie der Busproduktion in Mannheim.

Am Donnerstag werden in Sindelfingen 20.000 Beschäftigte zu einer Großkundgebung erwartet. In Bayern rief die IG Metall rund 30.000 Beschäftigte zu Warnstreiks auf. Als größte Protestveranstaltung ist ein Warnstreik von rund 13.000 Beschäftigten im BMW-Montagewerk in Dingolfing geplant.

Analysten halten Lohnerhöhungen von bis zu drei Prozent für bezahlbar für deutsche Automobilunternehmen. „Das macht für die deutschen Autobauer nicht allzu viel aus“, sagte Christoph Dolleschal von der Dresdner Bank. Hauptkostentreiber seien die Rohstoffe, die 65 bis 70 Prozent der Umsätze ausmachten. Auf Lohnkosten entfielen nur 15 Prozent. Peters betonte, Veränderungen beim Ölpreis oder beim Dollarkurs hätten für die Kosten der Unternehmen viel weit reichendere Folgen als die Forderung der IG Metall.

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